25. Oktober 2020 / 11:14 Uhr

"Der Königstransfer der PSV": So denken die Niederlande über Mario Götze - Umzug naht

"Der Königstransfer der PSV": So denken die Niederlande über Mario Götze - Umzug naht

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mario Götze hat sich bei der PSV Eindhoven direkt mit zwei Toren angemeldet.
Mario Götze hat sich bei der PSV Eindhoven direkt mit zwei Toren angemeldet. © imago images/Pro Shots/ANP (Montage)
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Der ablösefreie Transfer von Mario Götze zur PSV Eindhoven überraschte selbst die Experten. Seitdem herrscht in den Niederlanden ein wahrer Hype um den Ex-Nationalspieler. Er sucht inzwischen ein Haus für sich und seine Familie - die Niederländer sind begeistert.

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Gut zweieinhalb Wochen ist es nun her, da schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Mario Götze wechselt ablösefrei zur PSV Eindhoven. Nicht einmal die bestinformierten Journalisten rund um den niederländischen Klub hatten im Vorfeld gewusst, was hinter verschlossenen Türen in kürzester Zeit realisiert wurde. "Das hat auch uns überrascht", sagt Rik Elfring dem SPORTBUZZER. Er ist selbst Journalist und begleitet die PSV für das Eindhoven Dagblad seit zehn Jahren. So etwas wie den Götze-Transfer hat er nicht für möglich gehalten.

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Es deutete sich allerdings auch nicht an. PSV-Trainer Roger Schmidt telefonierte Ende Juli einmal mit Götze - danach herrschte Funkstille. Bis Götze nach Ablauf der Transferfrist das Signal gab, dass er sich einen Wechsel tatsächlich vorstellen kann. Problem für Eindhoven: Der Transfer war nicht eingeplant ins Budget, weil innerhalb der Führungsetage keiner an diesen Wechsel glaubte. Nach SPORTBUZZER-Informationen wurde am Tag der Unterschrift eine neue Budget-Aufstellung gemacht, schließlich wollte man sich nicht verschulden und die rund 50 Millionen Euro Kader-Kosten nicht zusätzlich in die Höhe treiben. Götze bekam daher ein für seine Verhältnisse eher finanziell unattraktives Angebot. Doch der ehemalige Nationalspieler sagte zu. "Das ist der Königstransfer der PSV", sagt Elfring. "Der stellt alles bisherige in den Schatten - und hat die Konkurrenz mächtig überrascht."

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Die Fans waren außer sich vor Freude, erzählt Robin Jongmans. Der Niederländer berichtet über die PSV Eindhoven für die größte Tageszeitung des Landes - den Telegraaf. "Hier ist sonst außerhalb von Spieltagen nie etwas los in der Stadt. Aber am Abend des Transfers standen knapp 100 Fans vor dem Stadion - trotz Corona", erinnert er sich. Die Tage danach waren auch für die Fanshop-Mitarbeiter denkwürdige. Noch nie zuvor wurden innerhalb weniger Tage so viele Trikots eines einzelnen Spielers verkauft, berichtet Jongmans. Die Leute hätten Schlange gestanden. "Die Fans sind komplett durchgedreht", sagt er. "Sie konnten es einfach nicht glauben."

Dabei hatte die PSV Eindhoven immer wieder große Stars in den eigenen Reihen: Mark van Bommel, Arjen Robben oder Ruud van Nistelrooy. "Seit ein paar Jahren war es aber nicht mehr möglich, die Stars nach Eindhoven zu holen", sagt Elfrink. "Dass Spieler wie Götze hierhin kommen, ist absolut ungewöhnlich." Zuletzt habe 2014 ein Wechsel ähnliche Freude ausgelöst. Damals kam der Mexikaner Andres Guardado vom FC Valencia. "Aber Götze stellt alles in den Schatten", so Eifrink. Das sieht seine Zeitung derzeit auch an den Online-Zugriffszahlen, erzählt er. "Wie sind eine kleine, lokale Zeitung und spielen nicht mit den Großen in unserem Land mit. Aber nach dem Wechsel von Götze haben wie so viele Seitenzugriffe gehabt, wie noch nie", sagt er.

Götze sucht Haus in Eindhoven

Das dürfte sich in Zukunft nicht ändern, denn in den ersten beiden Spielen für Eindhoven überzeugte Götze, schoss zwei Tore. Und er will nun heimisch werden in der Stadt, in der rund 220.000 Einwohner leben. Götze könnte schon bald einer von ihnen werden, denn er und seine Frau Ann-Kathrin suchen ein Haus für ihre kleine Familie. Dafür wird das Grundstück in Dortmund verkauft, wo die Götzes während der Zeit des 28-Jährigen beim BVB lebten. Auch die Wohnung von seiner Frau in Düsseldorf soll aufgegeben werden. Ganz trennen von Deutschland wollen sich die Götzes aber nicht - eine größere Wohnung in Düsseldorf soll laut Ann-Kathrin Götze gesucht werden.

Für die PSV sicher ein gutes Zeichen, dass Götze nicht immer nach Deutschland pendeln wird, sondern die Nähe zu seinem neuen Klub und dessen Umgebung sucht. Vorerst ist der Vertrag des Ex-Nationalspielers aber bis 2023 begrenzt. Ob er diesen allerdings erfüllt, ist offen. Götze selbst sprach wenige Tage vor seiner Unterschrift davon, dass er die Champions League in seiner Karriere gewinnen wolle. Das ist mit der PSV wohl unrealistisch. Hinter vorgehaltener Hand wird darüber gesprochen, dass sich Götze mit einer starken Saison für größere Aufgaben empfehlen will und deshalb auch erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf genommen hat.

Zunächt einmal will er aber "einfach wieder Fußball spielen", wie er selbst sagt. Das hat er in seinen ersten beiden Auftritten getan - überzeugend. Zudem will er etwas die Ruhe Abseits des großen Trubels in Deutschland genießen. "Hier ist der Druck nicht so groß", weiß Jongmans. Auch wenn aktuell noch jeder über ihn spricht, wird es bald ruhiger, ist sich der Journalist sicher. So sei das in den Niederlanden einfach. In Eindhoven erhoffen sie sich deshalb, dass Götze die jungen Talente führt und diese sich etwas abschauen können. "Er hat diese Austrahlung dafür", sagt Jongmans. "Er kann als Beispiel für andere Spieler dienen." Und wenn er von kleinen Muskelverletzungen wie im Europa-League-Spiel gegen den FC Granada verschont bleibt, dürfte sich Götze selbst wieder in den Fokus spielen. Am Sonntag im Spiel bei Vitesse Arnheim fehlte der große Hoffnungsträger allerdings im PSV-Kader.