29. Juli 2020 / 19:38 Uhr

Profi-Spätstarter Bülter über sein Studentenleben und die Regionalliga als Scheideweg: "Nie nur genießen"

Profi-Spätstarter Bülter über sein Studentenleben und die Regionalliga als Scheideweg: "Nie nur genießen"

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
An die Bundesliga habe ich definitiv nicht mehr gedacht: Marius Bülter erzielte in seiner Debüt-Saison bei Union Berlin sieben Treffer in 32 Spielen. 
"An die Bundesliga habe ich definitiv nicht mehr gedacht": Marius Bülter erzielte in seiner Debüt-Saison bei Union Berlin sieben Treffer in 32 Spielen.  © imago images /Matthias Koch
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Bei Union Berlin gab Marius Bülter in der abgelaufenen Saison erst mit 26 Jahren sein Bundesliga-Debüt. Im Interview spricht er über den langen Weg zum Durchbruch, Pizza-Bestellungen in der Kumpel-WG und die Wichtigkeit, als Fußballer für das Karriereende vorzusorgen.

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SPORTBUZZER: Herr Bülter, was hätten Sie vor der Saison für wahrscheinlicher gehalten: Dass Sie in Ihrer ersten Bundesliga-Saison auf 32 Einsätze und sieben Tore kommen – oder den Klassenerhalt mit Union Berlin schaffen?

Marius Bülter (27): Den Klassenerhalt, definitiv. Mit dem Rest hat vor der Saison niemand gerechnet. Ich habe dann aber von Woche zu Woche gemerkt, dass ich mithalten – und mich durchsetzen kann. Das macht mich stolz.

War das Ihr endgültiger Durchbruch zum Profi?

Ich glaube schon, dass ich das jetzt so sagen kann. Gedacht habe ich das zwar schon letztes Jahr nach meiner ersten Profisaison in Magdeburg. (lacht) Aber Bundesliga ist da noch mal etwas ganz anderes. Ausruhen werde ich mich jetzt jedenfalls nicht, ich will mich etablieren.

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Bis vor zwei Jahren spielten Sie noch in der Regionalliga. Welche Rolle spielte Glück bei Ihrem Durchbruch?

Dass mein Werdegang besonders ist, weiß ich. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort Leistungen bringen. Und: So blöd das klingt, aber dadurch, dass ich mit Magdeburg vor einem Jahr nach meiner ersten Profi-Saison abgestiegen bin, konnte ich den Verein verlassen – bei Klassenerhalt wäre das vielleicht nicht möglich gewesen. Wichtig ist, dieses Glück durch harte Arbeit zu erzwingen.

Klingt simpel.

Nur ein Beispiel: Meine Einstellung als 20-Jähriger ist nicht ansatzweise mit meiner jetzigen zu vergleichen. Wenn ich damals nur für den Fußball gelebt hätte, hätte ich vielleicht schon früher mein erstes Bundesligaspiel absolviert als erst mit 26.

Bülter über das WG-Leben: "Wir haben Pizza bestellt, weil wir zu faul waren zu kochen"

Aber?

Bei mir war es so: Wenn das Training fertig war, war ich auch fertig. Was Zusatzschichten und die Nachbereitung angeht, habe ich das früher nicht so oft gemacht wie jetzt. Und ich habe neben dem Fußball noch studiert.

Das wilde Studentenleben, verstehe.

(lacht) Ich habe damals während der Zeit in Rödinghausen zusammen mit meinen zwei Kumpels in Osnabrück gewohnt. Da war man öfter mal unterwegs – jetzt nicht jedes Wochenende –, aber wenn ich verletzt war, bin ich da auch mitgegangen. Und in unserer WG gab es schon mal einen Döner oder wir haben Pizza bestellt, weil wir zu faul waren zu kochen.

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Etwas ketzerisch gefragt: Wie professionell muss man in der 4. Liga überhaupt sein?

Natürlich müsste man es auf dem Niveau nicht übertreiben. Andererseits trennt sich in der Regionalliga die Spreu vom Weizen. Es gibt die Spieler, die froh sind, dort zu kicken und die sich um gewisse Dinge nicht kümmern – es gibt aber auch andere, die mehr wollen. Wie mich.

Sie hatten Ihre Profi-Chance also nie abgeschrieben?

An die Bundesliga habe ich definitiv nicht mehr gedacht. In meinem letzten Jahr beim SV Rödinghausen (Saison 2017/18, 20 Tore in der Regionalliga West, d. Red.) habe ich gesagt: Entweder ich packe es noch mal in der 3. Liga, was immer mein Ziel war, oder ich bleibe ewig bei Rödinghausen.

Bülter über die Zeit als Regionalligaspieler: "Es war nie eine Option, nur das Leben zu genießen"

Und hätten dann auf Ihr Maschinenbaustudium (Note: 2,5) gesetzt?

Damit hat man ja ganz gute Jobchancen, soweit ich weiß. Vor fünf Jahren war ich mir eigentlich sicher, dass ich dort einsteigen werde.

Nicht alle Regionalligaspieler studieren oder beschäftigen sich nebenher, weil sie in der Zeit als Fußballer ordentlich verdienen.

Bis zu einem bestimmten Punkt kann ich das auch verstehen, weil viele noch den Traum vom Profi haben – wie bei mir –, aber es ist eben sehr unwahrscheinlich. Das muss man sich irgendwann eingestehen, und was anderes machen – idealerweise nicht erst mit 30, weil es dann zu spät ist. Für mich war es zumindest nie eine Option, als Regionalligaspieler nur das Leben zu genießen, weil ich niemals damit gerechnet hätte, dass ich mal so viel Geld mit dem Fußball verdiene wie momentan.