02. Februar 2022 / 11:10 Uhr

Marius Wolf über seine Zeit bei 96: "Ich saß damals viel allein zu Hause"

Marius Wolf über seine Zeit bei 96: "Ich saß damals viel allein zu Hause"

Sportredaktion Hannover
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Marius Wolf kickt mittlerweile bei Borussia Dortmund - bei Hannover 96 wurde er einst als millionenschweres Top-Talent zur U23 abgeschoben.
Marius Wolf kickt mittlerweile bei Borussia Dortmund - bei Hannover 96 wurde er einst als millionenschweres Top-Talent zur U23 abgeschoben. © Witters / imago images
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Eineinhalb Jahre nach seinem Aus bei Hannover 96 gewann Marius Wolf mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal. Warum lief es bei den Roten so überhaupt nicht? Der Flügelspieler gab nun persönliche Einblicke in seine missglückte 96-Zeit.

Das Kapitel Hannover 96 war der Tiefpunkt in der Karriere von Marius Wolf. Das damalige Top-Talent wechselte 2016 für 1,5 Millionen Euro vom TSV 1860 München zu den Roten, enttäuschte dort aber auf ganzer Linie. Nach nur zwei Pflichtspieleinsätzen in einem Jahr zog er weiter zu Eintracht Frankfurt - wo er zum Bundesliga-Shootingstar avancierte und den Gewinn des DFB-Pokals feierte.

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Im Interview mit Spox sprach der 26-Jährige, der mittlerweile bei Borussia Dortmund spielt, nun offen über seine schwierige Zeit in Hannover. "Bei 96 fing es schon an, in mir zu arbeiten. Der Verein gab gutes Geld für mich aus, hatte Erwartungen, steckte mich dann aber ohne wirkliche Chance beim neuen Trainer direkt in die zweite Mannschaft. Da war ich erst einmal am Boden zerstört", verriet er. Unter Thomas Schaaf kam Wolf auf zwei Einsätze in der Bundesliga, rutschte aber rasch wieder ins zweite Glied.

Diese Eigengewächse konnten sich bei Hannover 96 nicht durchsetzen - und das machen sie heute

<b>Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96):</b> Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. Zur Galerie
Fynn Arkenberg (Abwehr, fünf Profieinsätze für 96): Seine Karriere startete der Verteidiger beim TSV Havelse. Von dort aus ging es 2011 in die Jugend von Hannover 96, in der Arkenberg die U17 und die U19 durchlief. Im Jahr 2016 dann der bisherige Höhepunkt seiner Karriere: Gegen die TSG Hoffenheim und gegen den FC Bayern München wurde der damals 20-Jährige zu den Profis berufen. Insgesamt absolvierte er fünf Partien für die erste und 69 Partien für die zweite Mannschaft der Roten, bis er Hannover 96 in Richtung Halle verließ. ©

Vom "Hähnchen" zum Pokalsieger

Schaafs Nachfolger Daniel Stendel gab ihm nach dem Abstieg in der Vorbereitung eine neue Chance als Rechtsverteidiger - die Position, auf der er in Frankfurt durchstartete. Doch Wolf konnte sich abermals nicht durchsetzen. Stendel schickte ihn zur U23, wo er ebenfalls eher unauffällig blieb. Im Januar 2017 verlieh 96 das schlaksige Talent an Eintracht Frankfurt, wo ihn Trainer Nico Kovac zunächst als "Hähnchen" bezeichnete und nur dreimal einsetzte. Dennoch zog die SGE nach der Saison die Kaufoption von 500.000 Euro. In der Folgesaison startete Wolf in der Main-Metropole durch und hatte erheblichen Anteil am historischen Pokalsieg 2018.

"Ich hatte kaum Bezug zu anderen Leuten"

Warum zeigte Wolf dieses Potenzial bei 96 nie? Der ehemalige U21-Nationalspieler verriet, dass ihn als junger Mann auch Anpassungsprobleme in neuer Umgebung belasteten. "Ich war erstmals ganz allein in einer fremden Stadt und hatte kaum Bezug zu anderen Leuten", berichtete er. "Als Kind lernt man ja schon schneller Freunde kennen, als Profi merkst du dagegen, dass du eher darauf achten solltest, wem du vertraust und wen du an dich heranlässt. Ich saß damals viel allein zu Hause und es ging mir nicht gut."

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"Viele Fehler hätte ich nicht gemacht, wenn meine Eltern um mich herum gewesen wären"

Sein schwieriger Start in den Profifußball habe ihm aber geholfen zu reifen, verriet Wolf. "Will man es im Fußball nach oben schaffen, ist es unumgänglich, dass man schnell erwachsen werden muss. So ist das System, anders geht es im Grunde gar nicht", sagte er. Und weiter führte er aus: "Es hat freilich Vor- und Nachteile, wenn man so früh schon selbständig zu sein hat. Ich denke, viele meiner Fehler, die ich alleine und weit weg von zu Hause gemacht habe, wäre mir nicht passiert, wenn meine Eltern um mich herum gewesen wären und sozusagen auf mich aufgepasst hätten. Andererseits macht man die Fehler, die andere 26-Jährige begehen, nicht selbst mit 26, weil man sie schon ja mit 18 begangen hat."

Nach seinem überragenden Jahr in Frankfurt wagte Wolf 2018 den Schritt nach Dortmund, konnte sich dort allerdings nicht durchsetzen. Als Leihspieler sammelte er bei Hertha BSC und beim 1. FC Köln Spielpraxis und kehrte im Sommer 2021 zum BVB zurück. Unter Marco Rose kommt er auf deutlich mehr Einsatzzeit, stand in 14 von 20 Ligaspielen auf dem Platz.

tk

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