04. Mai 2021 / 16:02 Uhr

Mark Frank: Der Speerwurf ist mein Leben

Mark Frank: Der Speerwurf ist mein Leben

Stefan Ehlers
Ostsee-Zeitung
Trainer-Doppelrolle: Mark Frank (43) ist Speerwurf-Bundestrainer Frauen und Coach des 1. LAV Rostock.
Trainer-Doppelrolle: Mark Frank (43) ist Speerwurf-Bundestrainer Frauen und Coach des 1. LAV Rostock. © Stefan Ehlers
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In loser Folge stellt der OZ-Sportbuzzer erfolgreiche Langzeit-Trainer vor. Heute: Mark Frank (43), Frauen-Bundestrainer und Coach des 1. LAV Rostock

Die Sonne geht auf in Groß Grenz. Mark Frank macht sich einen Kaffee und geht an die frische Luft. Er sucht sich ein ruhiges Plätzchen auf seinem Grundstück und schaut auf die sechs Hühner und den stolzen Hahn, die bereits eifrig im Gras picken.

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Der bekennende Frühaufsteher genießt die ländliche Idylle vor den Toren Schwaans. Vor ein paar Jahren haben Mark und Mandy Frank ein Häuschen im Grünen gebaut. Die beiden kennen sich seit 1990. Mark ist 13, als er an die Sportschule Neubrandenburg delegiert wird. Mandy gehört zu den besten deutschen 800-Meter-Läuferinnen in ihrem Altersbereich. Die beiden gehen in eine Klasse. Es funkt – und das Feuer lodert noch heute. „Sie hat mir schon zu aktiven Zeiten den Rücken frei gehalten. Ich kann mir keine bessere Partnerin vorstellen“, schwärmt Mark Frank von seiner Frau, die als Geschäftsführerin des 1. LAV Rostock tätig ist. Das Paar hat zwei Söhne: Jannik (16), der im August eine Ausbildung bei Lidl beginnt, und Eric, der derzeit sein Abitur schreibt und der als Speerwerfer in die Fußstapfen seines Vaters tritt.

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Es ist Herbst 2016, als sich Mark Frank auf den Weg nach Berlin macht. Der frühere Weltklasse-Athlet ist am Flughafen Tegel mit Bundestrainer Boris Obergföll und Cheick-Idriss Gonschinska, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, verabredet. Die beiden Männer kommen schnell zur Sache. Ob er sich vorstellen könne, Frauen-Bundestrainer zu werden, wird Frank gefragt. Der gebürtige Neustrelitzer überlegt nicht lange. „Ich habe die Möglichkeit beim Schopfe ergriffen.“

Am 1. Januar 2017 tritt er das Amt an. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Gros der goldenen Generation mit Christina Obergföll (Olympia-Silber 2008 und 2012, Weltmeisterin 2013), Linda Stahl (Olympia-Bronze 2012 und Europameisterin 2010) sowie der in Bergen auf Rügen geborenen Steffi Nerius (Olympia-Silber 2004, Weltmeisterin 2009 und Europameisterin 2006) bereits von der großen Bühne verabschiedet. 2018 hört mit Katharina Molitor eine weitere Weltmeisterin auf.

„Wir hatten ein Loch“, sagt Mark Frank. Seine Aufgabe ist es, die Lücken zu schließen und talentierte Werferinnen in die Spitze zu führen. „Das sieht jetzt wieder ganz gut aus“, erzählt der 43-Jährige. „In der U 23 haben wir drei Mädels, die 60 Meter werfen können. Das hatten wir ewig nicht in diesem Altersbereich.“

Julia Ulbricht gehört zu jenen hoffnungsvollen Athletinnen. Seit sechs Jahren trainiert die aus Prerow stammende Athletin bei Mark Frank. Mit Erfolg. 2019 holt sie bei den U-20-Europameisterschaften in Boras (Schweden) Silber. In diesem Jahr soll eine weitere Medaille in der U 23 folgen.


Sie arbeiten schon seit sechs Jahren zusammen: Julia Ulbricht und Trainer Mark Frank.
 
Sie arbeiten schon seit sechs Jahren zusammen: Julia Ulbricht und Trainer Mark Frank.   © Dietmar Lilienthal

Ob mit Julia Ulbricht, Emely Grenzer, Lilly Urban oder seinem Sohn Eric – Mark Frank möchte (mindestens) einen seiner Sportler zu Olympischen Spielen führen. „Das schaffe ich auch.“

Als Aktiver verpasst der Mecklenburger, der 2005 beim ISTAF in Berlin persönliche Bestweite (84,88 m) erzielt, eine Olympia-Teilnahme. Dreimal nimmt er an Weltmeisterschaften teil. Dreimal wird er Achter. 2009 in Berlin „hätte ich eine Medaille machen müssen“, meint er rückblickend. Doch der große Wurf bleibt aus. „Was soll’s? Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe und hatte trotzdem eine geile Zeit als Athlet, die ich nicht missen möchte.“

Er erzielte 2005 beim ISTAF in Berlin mit 84,88 Metern seine persönliche Bestweite. 
Er erzielte 2005 beim ISTAF in Berlin mit 84,88 Metern seine persönliche Bestweite.  © OZ-Archiv

Von seinem Erfahrungsschatz profitiert der Deutsche Meister von 2009 noch heute. Ob als Bundes- oder Vereinstrainer – Mark Frank kann sich gut in die Lage der Athleten versetzen.

Der 1,87 Meter große und 90 Kilo schwere Mecklenburger pflegt einen offenen Umgang mit seinen Sportlern. Mark Frank weiß, dass Frauen deutlich sensibler als Männer sind und sich Kritik sehr zu Herzen nehmen. Er legt Wert auf Teamgeist, sieht sich als Ansprechpartner, als jemand, der Probleme löst. „Wenn alle den Weg mitgehen, ist das eine gute Geschichte. Und ich kann als Bundestrainer davon profitieren“, sagt Mark Frank. Er lebt und liebt seinen Sport. „Der Speerwurf ist mein Leben.“

Der Mann, der seit 2015 das Trainer-Diplom in der Tasche hat, wird voraussichtlich in Tokio seine Olympia-Premiere erleben. Christin Hussong aus Zweibrücken gehört zu den deutschen Hoffnungen. Die 27-Jährige geht als Europameisterin von 2018 an den Start. Der Titelgewinn ist der bisherige Höhepunkt – auch für den Bundestrainer. „Aber die Medaille kann ich mir nicht anheften. Ich bin ja nicht ihr Heimcoach, der die Basis schafft“, sagt Frank, der noch eine weitere sportliche Leidenschaft hat: Handball. Von 2010 bis 2017 spielt er für den Schwaaner SV in der MV-Liga. Mit 40 hört er auf – auch der Familie zuliebe.

Sein Hobby ist das Angeln. Wenn Mark Frank am Ufer sitzt und aufs Wasser schaut, ist sämtlicher Stress vergessen. Der Familienvater zieht oft mit seinem Sohn Eric in die Natur. „Da kann ich abschalten. Das ist einfach herrlich.“ So wie an diesem Morgen in Groß Grenz.