16. August 2019 / 07:28 Uhr

Marko Rehmer vor dem Duell gegen RB Leipzig: „Da geht was für Union“

Marko Rehmer vor dem Duell gegen RB Leipzig: „Da geht was für Union“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Marko Rehmer begann bei Union Berlin seine Fußballkarriere die ihn bis in die Nationalelf führte. Seinen Eisernen traut er am Sonntag gegen RB Leipzig ein Unentschieden zu. 
Marko Rehmer begann bei Union Berlin seine Fußballkarriere die ihn bis in die Nationalelf führte. Seinen "Eisernen" traut er am Sonntag gegen RB Leipzig ein Unentschieden zu.  © Getty Images
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Der frühere Eiserne Marko Rehmer glaubt an ein 2:2 am Sonntag gegen RB Leipzig – und an den Klassenerhalt seiner großen Liebe

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Leipzig/Berlin. Er verbrachte die erste Hälfte seines Fußballer-Lebens bei Union Berlin, half den klammen Eisernen mit von Hansa Rostock im Januar 1997 gezahlten 600. 000-DM-Mark übern Winter, startete mit knapp 25 Jahren in der Bundesliga (225 Einsätze für Hansa, Hertha und Frankfurt) und der Nationalmannschaft (35) durch. Rehmer, 47, der heute Fußballer und Trainer berät, über seinen späten Start in den gut bezahlten Fußball, die EM 2000 mit dem knapp 40-jährigen Lothar Matthäus, sein erstes Mal im DFB-Dress und die Partie Union Berlin gegen RB Leipzig am Sonntag, 18 Uhr.

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Sie kamen mit zarten neun Jahren zu Union Berlin und waren ...

... stolz wie Bolle. Es kamen ja nur der BFC und Union in Frage. Und den BFC konnte ich nicht leiden. Mit Union ging ein Traum in Erfüllung. Die Ausbildung war in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendsportschule hervorragend.

Wann reifte der Gedanken, den Fußball zum Beruf zu machen?

Ich wusste früh, dass ich eines Tages in der Alten Försterei auflaufen will. Für die erste Mannschaft. Der Weg dahin war schwer. Ich war in den Jugendmannschaften immer der Kleinste, musste mich durchboxen.

1996: Marko Rehmer im Trikot von Union Berlin
1996: Marko Rehmer im Trikot von Union Berlin © imago/Contrast

Mit 17, 18 kam ein Wachstumsschub und kurz später Ihr erster Einsatz bei den Profis.

1990 unter Pico Vogt. Ich war damals Flügelspieler, kam über rechts oder links. Hans Meyer hat mich 1995 zum Verteidiger umfunktioniert, weil er hinten einen schnellen Mann haben wollte.

Ihre 3,72 Sekunden über 30 Meter blieben jahrelang in der Nationalmannschaft unerreicht.

Ich glaube, der Rekord besteht noch. Ja, ich war schnell. Und ich konnte auch kicken. Mit beiden Füßen. Man spielt nicht jahrelang in diesen Gefilden, wenn man eine Leder-Allergie hat.

Herr Rehmer, kann Union Berlin gegen Leipzig punkten?

Natürlich kann Union das. Dass RB besser besetzt ist, ist klar. Aber Union kommt mit der Power und Euphorie des Aufstiegs, dazu das enge Stadion, die gigantische Stimmung. All das zusammen kann Berge versetzen. Und RB hat sich in der Vorbereitung nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Bei Hansa Rostock reifte Rehmer zum Nationalspieler. Hier behauptet er mit Keeper Perry Bräutigam und Mittelfeldspieler Stefan Beinlich den Ball gegen Münchens Abedi Pelé. 
Bei Hansa Rostock reifte Rehmer zum Nationalspieler. Hier behauptet er mit Keeper Perry Bräutigam und Mittelfeldspieler Stefan Beinlich den Ball gegen Münchens Abedi Pelé.  © dpa

Sie sprechen den Hexenkessel Alte Försterei an. Was sagen Sie zum avisierten 15-minütigen Fan-Schweigen als Protest gegen Enstehung und Dasein der Roten Bullen?

Ich finde das nicht gut. Fans können und dürfen ein Signal setzen. Vor dem Spiel oder danach, in welcher Form auch immer. Aber bitte nicht währenddessen. Damit hilft man der Mannschaft nicht.

Wie geht das Spiel aus?

Da geht was für Union, 2:2.

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Wie gefällt einem Eisernen wie Ihnen RB Leipzig?

Es ist positiv, dass die Region wieder Bundesliga-Fußball hat und sogar Champions-League-Spiele dazukommen. Und vieles, was RB macht, hat Hand und Fuß. Der Fußball ist offensiv und attraktiv. Was mir nicht gefällt ist, dass da ein hochmodernes Nachwuchszentrum steht, aber ständig links und rechts eingekauft wird, statt einem Mann aus der eigenen Jugend die Chance zu geben. Hat es bisher auch nur einer geschafft?

Nein, Herr Rehmer, keiner. Der Sprung von den A-Junioren in die Bundesliga ist allerdings auch riesig. Insbesondere, wenn es sich um einen Champions-League-Club handelt.

Deshalb verstehe ich auch nicht, weshalb man die U23 als Zwischenschritt von der Jugend in den Profibereich aufgelöst hat.

Oktober 2005: Marko Rehmer im Trikot der Frankfurter Eintracht nach seinem Tor gegen den 1. FC Köln. 
Oktober 2005: Marko Rehmer im Trikot der Frankfurter Eintracht nach seinem Tor gegen den 1. FC Köln.  © 2005 Getty Images

Wo landet Union, wo RB?

Union bleibt drin, RB spielt um die Champions League.

Kommen wir zu Ihnen und Ihrem ersten Mal im Trikot mit dem Adler. Wie war das am 2. September 1998 auf Malta?

Mein erstes Länderspiel, die Nationalhymne, der lange Weg vom Prenzlauer Berg über Union und Hansa bis nach Malta. Meine Verwandten und Freunde am Fernseher. Da gingen mir viele Gedanken durch den Kopf.

Der Spiegel suchte nach dem 2:1-Gestochere einen positiven Ausreißer und kam auf Sie. „Rehmer, ein kluger Mann in Joop-Jeans und Armani-T-Shirt, ist einer jener modernen Verteidiger, die auch Fußball spielen können.“

An Joop und den Spiegel kann ich mich nicht erinnern.

Sie waren laut übereinstimmender Berichterstattung der Sehende unter den Blinden.

Ich habe in der Abwehr mein Ding gemacht. Wir haben gegen Malta und nicht gegen Brasilien oder Frankreich gespielt.

Oktober 2000 - Länderspiel im altehrwürdigen Wembley-Stadion: Nick Barmby im Laufduell mit Marko Rehmer. 
Oktober 2000 - Länderspiel im altehrwürdigen Wembley-Stadion: Nick Barmby im Laufduell mit Marko Rehmer.  © Getty Images

Welche Spiele sind ihnen außer Ihrem DFB-Debüt 1998 haften geblieben?

Beim WM-Finale gegen Brasilien 2002 kam ich leider nicht zum Einsatz. Bleibt trotzdem unvergessen. Spektakulär war unser 1:0-Sieg in England vorm Abriss des legendären Wembley-Stadion (im Jahr 2000; Red.). Mein erstes Bundesligaspiel 1997 mit Hansa in Karlsruhe gegen Sean Dundee bleibt auch für immer.

Das Krokodil sah natürlich kein Land.

Sie sagen es.

Wie erinnern Sie sich an die Euro 2000 in Belgien und Holland?

Es war mein erstes großes Turnier, wir sind nach der Vorrunde rausgeflogen. Es hat nicht gepasst in der Mannschaft, es gab Eifersüchteleien, Gräben, keinen Teamspirit.

Marko Rehmer war auch als Verteidiger für seine Torinstinkt gefürchtet. 
Marko Rehmer war auch als Verteidiger für seine Torinstinkt gefürchtet.  © dpa

Und es gab einen fast 40-jährigen Lothar Matthäus.

Lothar war beileibe nicht der Schlechteste damals.

Gegen wen hat der Job als Verteidiger wenig Freude gemacht?

Wenn Giovane Elber gut drauf war, wurde es problematisch. Ein Schlitzohr vor dem Herrn. Und ich hatte das zweifelhafte Vergnügen mit der Nationalmannschaft gegen Thierry Henry und Zinedine Zidane zu spielen. Die konnten alles und noch viel mehr. Eigentlich hätte ich Eintritt bezahlen müssen.