05. September 2019 / 07:23 Uhr

Markus Krug vor dem Abschied bei Lok Leipzig: "Meine Familie geht nicht zu RB"

Markus Krug vor dem Abschied bei Lok Leipzig: "Meine Familie geht nicht zu RB"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Emotionale Auswechslung von Markus Krug in seinem letzten Spiel für den 1. FC Lokomotive Leipzig
Emotionale Auswechslung von Markus Krug in seinem letzten Spiel für den 1. FC Lokomotive Leipzig © Christian Modia
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Mit dem Regionalligisten aus Prostheida feierte Markus Krug berauschende Siege, erlebte ernüchternde Niederlagen. Am Freitagabend wird er verabschiedet. Im SPORTBUZZER-Interview nimmt der Ex-Kapitän des 1. FC Lok kein Blatt vor den Mund, schon gar nicht in Sachen RB Leipzig.

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Leipzig. Zehn Jahre, 219 Spiele, sieben Tore, ein Abstieg, zwei Aufstiege: Markus Krug (30) feiert am Freitag (19.15 Uhr) mit dem Spiel „Krug & Friends“ gegen das „Team Lok“ im Bruno-Plache-Stadion seinen Abschied. Im Interview spricht der langjährige Kapitän über die Anfänge in Probstheida, prägende Trainer, seine schönsten Siege und erklärt, warum er nach wie vor nichts von RB Leipzig hält.

Worauf können sich die Fans beim Abschiedskick freuen?

Ich hoffe auf ein sehr emotionales Spiel. Aus den letzten zehn Jahren ist aus jeder Mannschaft mindestens ein Spieler dabei – wie bei einem Klassentreffen. Darunter Robert Sommer, Steffen Fritsch, Daniel Becker, Rene Heusel und Maik Kischko als ehemaliger Bundesliga-Torhüter. Über 1000 Karten sind schon weg – das ist absolut stark. Es soll wohl auch einige Überraschungen für mich geben. Nach Schlusspfiff schenke ich für die Fans Freibier aus.

Rainer Lisiewicz wird das Lok-Team trainieren, Heiko Scholz, Rüdiger Hoppe und Marco Rose ihr Team.

Ich brauche ein bisschen mehr Unterstützung (lacht). Dass Marco als Bundesliga-Trainer kommt, ist eine große Ehre.

Und am Abend wird der Abschied begossen?

Klar. Ich bin mit Sebastian Seifert, Chef vom L1 und Elsterartig in Kontakt. Eine seiner Lokalitäten werden wir sicher aufsuchen. Ich habe am Samstag kindfrei und werde bestimmt eins, zwei Bierchen mehr trinken.

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Sie sind beim SV Zöschen in der Kreisoberliga Saalekreis weiter am Ball. Wie groß ist die Umstellung?

Die ist riesig. Ich habe nur noch zwei Mal Training in der Woche. Dazu halte ich mich im Fitnessstudio fit. Leider musste ich zuletzt verletzt raus (zeigt auf seinen blauen Knöchel). Die junge Truppe – ich bin der Älteste im Kader – will viel von mir lernen. Das sind tolle Jungs und ein sehr engagierter Trainer. Ich fühle mich sehr wohl.

Warum sind Sie 2009 zum 1. FC Lok gewechselt?

Durch einen Hallenser Ultra, der die Fanfreundschaft nach Leipzig pflegte, bin ich in der Berufsschule das erste Mal bei Lok gewesen. Ich war auch beim Aufstiegsspiel zur Oberliga im Zentralstadion dabei. Das Fanpotenzial in der unteren Liga fand ich beeindruckend. Ich halte viel von Loyalität und wollte zu keinem anderen Verein. Außerdem wollte ich höher klassiger spielen als in der „Zweiten“ des HFC in der Verbandsliga.

Wann ist Lok ihr Herzensverein geworden?

Krug: Das war ein schleichender Prozess. Bei der drohenden Insolvenz 2012, als Marco Rose den Verein verlassen hat, haben sich meine Gedanken täglich nur um Lok gedreht. Ich habe mich ständig gefragt, wie man dem Verein helfen kann, und hatte meinen Vertrag verlängert, ohne zu wissen, ob ich das Geld wirklich bekomme. Das macht man nur aus Liebe.

MAMMA LAUDAAAA! 🎶📢⛱🤩🍻 Am Freitag ertönen auf Wunsch von Markus Krug vor und nach dem Spiel die größten Ballermann-Hits...

Gepostet von 1. FC Lokomotive Leipzig am Mittwoch, 4. September 2019

Im August 2009 liefen Sie gegen Rot-Weiß Erfurt II erstmals für Lok auf. Hatten Sie Nervenflattern?

Ja. Das war eine neue Welt, vor mehreren Tausend Zuschauern aufzulaufen. Es ging los mit Autogrammen und Fotos, aber wenn es nicht lief, haben dich das die Fans auch spüren lassen. Ich bin auch bei Niederlagen an den Zaun gegangen, wenn der Rest der Mannschaft schon in der Kabine verschwand. Ich wollte mir nicht nur auf die Schulter klopfen lassen. Das hat wahrscheinlich zu meiner Beliebtheit beigetragen.

Wer waren ihre prägenden Trainer?

Für Heiko Scholz, Rüdiger Hoppe und Marco Rose wäre ich blind durchs Feuer gegangen. Zu Scholle konnte man mit jedem privaten Problem kommen. Was Scholle und Hoppe für den Verein getan haben, war immens, und ging weit über die Trainerarbeit hinaus. Das rechne ich ihnen hoch an. Bei Marco ging es schon Richtung Leistungssport. Er legte Wert auf die kleinen Details, wie man den Fuß beim Pass richtig hinstellt, solche Sachen. Das war ein völlig anderes Niveau. Außerdem ist er der geradlinigste und aufrichtigste Mensch überhaupt.

Was waren die süßesten Siege?

Die gewonnenen Derbys in Leutzsch waren immer sehr schön. Aber auch als wir gegen den späteren Regionalligameister Neustrelitz aus einem 0:2 ein 3:2 gemacht haben und die Siege in Unterzahl gegen Jena und Magdeburg im Zentralstadion. Wenn du in Unterzahl zurückgekommen bist, das waren immer die geilsten Spiele.

DURCHKLICKEN: Das Leipziger Derby in Bildern

01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. Zur Galerie
01.12.1984: Oberligaderby zwischen dem 1. FC Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig. Endstand 4:0. Im Bild: P. Schöne. © LVZ
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Die Partien gegen RB zählen nicht als Derby?

Nein. Das Derby in Leipzig ist Lok gegen Chemie.

Sie haben es durch ihre Abneigung gegenüber RB kurzzeitig zu bundesweiter Berühmtheit gebracht. Wie stehen Sie heute dazu?

Ich habe meine Meinung und stehe nach wie vor zu meinen T-Shirt „Gegen RB“, auch wenn es in Leipzig nicht Mainstream ist. Das genau zu erklären, würde hier den Rahmen sprengen.

Angenommen ihr Sohn will in zehn Jahren Bundesliga in Leipzig sehen – würden Sie sich eine Ausrede einfallen lassen oder die Mama vorschicken?

Meine Familie geht nicht zu RB.

DURCHKLICKEN: User-Bilder zur Einweihung des Kunstrasenplatzes

User-Bilder zur Einweihung des Kunstrasenplatzes im Bruno-Plache-Stadion Zur Galerie
User-Bilder zur Einweihung des Kunstrasenplatzes im Bruno-Plache-Stadion © Udo Zagrodnik

Lok hatte immer wieder Probleme in der Fanszene, seit einigen Jahren ist es ruhiger geworden. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Sehr sehr positiv. Lok ist für mich schon ein Familienverein, so viele Kinder wie mittlerweile im Stadion sind. Auf jedem Dorffest oder Oktoberfest gibt es Idioten und Schlägereien.

Wie haben sich Stadion, Trainingsbedingungen und Umfeld seit 2009 entwickelt?

Das ist ein riesiger Unterschied. Damals lagen Scherben von kaputten Fensterscheiben wochenlang herum – und auch ein toter Vogel. Die Kabinen waren nicht gerade die neuesten. Jetzt haben wir eine neue Trainingshalle, einen Kunstrasenplatz, eine tolle Sauna und Kabinen. Die Logo-Rechte und das Erbbaupachtrecht sind zurück in Lok-Hand, es gibt einen schönen Bus und ordentliche Trikots. Eine wahnsinnige Entwicklung.

Was ist für Lok drin dieses Jahr?

Ich hätte nicht gedacht, dass wir so gut starten. Die Umstellung zu Profibedingungen vor einem Jahr bei Scholle war wohl zu groß. Erfolg ist schwer planbar, aber ich wünsche der Mannschaft, dass sie bis zum Schluss oben dran bleibt.

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Haben Sie keine Sorge, dass sich Lok übernimmt?

Da sind gute Leute am Werk. Jetzt wird eine super Buchhaltung gemacht, damit man nicht über seine Verhältnisse lebt. Bei (Sportdirektor – d. Red.) Wolfgang Wolf merkt man, dass er Profi durch und durch ist.

Sie sind bei Lok ehrenamtlich im Sponsoring tätig. Wäre irgendwann ein hauptberufliches Engagement denkbar, zum Beispiel als Trainer?

Ich glaube nicht, dass ich ein guter Trainer wäre. Außerdem wäre ich blöd, meine berufliche Zukunft bei der Stadtverwaltung Halle aufs Spiel zu setzen. Das ist ein sicherer Job – und Fußball ist nun mal Tagesgeschäft.

Wenn 2021 in der 3. Liga der HFC auf Lok treffen würde – für wen wären Sie?

Das ist ein Traum, dass das irgendwann mal passiert. Ich bin Lokist durch und durch, das wissen die Leute in Halle auch.

Interview: Thomas Fritz und Frank Schober

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