06. Februar 2020 / 22:27 Uhr

Nach Platzverweis gegen Schalke: Ex-Schiedsrichter Markus Merk wünscht sich Straffreiheit für Torunarigha

Nach Platzverweis gegen Schalke: Ex-Schiedsrichter Markus Merk wünscht sich Straffreiheit für Torunarigha

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Schiedsrichter Markus Merk wünscht sich für Jordan Torunarigha keine Sperre.
Ex-Schiedsrichter Markus Merk wünscht sich für Jordan Torunarigha keine Sperre. © imago images/Laci Perenyi/dpa
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Hertha-Innenverteidiger Jordan Torunarigha hatte im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Schalke 04 eine Gelb-Rote Karte kassiert - eine Sperre für das nächste Pokal ist dem 22-Jährigen damit sicher. Ex-Schiedsrichter Markus Merk wünscht sich wegen des Umstands, dass Torunarigha zuvor von den Schalke-Fans offenbar rassistisch beleidigt wurde, Straffreiheit.

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Am Donnerstagnachmittag hatte sich Jordan Torunarigha erstmals zum Rassismus-Eklat beim DFB-Pokal-Achtelfinalspiel zwischen dem FC Schalke 04 und seinem Klub Hertha BSC geäußert. Der ehemalige deutsche Junioren-Nationalspieler könne Äußerungen "von einigen Idioten" nicht verstehen, schrieb Torunarigha in einem emotionalen Statement bei Instagram. Die Aufarbeitung des Vorwurfs der rassistischen Entgleisungen durch Zuschauer läuft aktuell auf Hochtouren. In einer Stellungnahme an den DFB-Kontrollausschuss hat Hertha BSC mitgeteilt, dass sich der Vorfall in der 84. Minute vor der Schalker Südkurve rund um den Block S5 ereignet habe.

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Ich wollte mich zu den Ereignissen nicht aus der Emotion heraus äußern, aber jetzt möchte ich das gerne nachholen. Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein Abitur gemacht, spreche Deutsch wie alle anderen, deshalb kann ich diese Äußerungen, wie sie von einigen Idioten während des Spiels gemacht wurden, in keinster Weise verstehen. Viele können nicht nachvollziehen, was das bedeutet und was sie damit bei den Menschen anrichten. Ich bin froh, dass ich das Glück habe, so einen Rückhalt durch meine Familie meine Mitspieler und den Verein zu haben! Das haben vielleicht nicht alle in einer solchen Situation. Ich bin in Chemnitz geboren, habe das alles schon in der Jugendzeit durchlebt. Meine Eltern wurden beleidigt. Deshalb wühlt mich so eine Situation wie auf Schalke so auf und deshalb habe ich so emotional reagiert. Man kann sich seine Hautfarbe bei der Geburt nicht aussuchen und sie sollte auch völlig egal sein. Genauso selbstverständlich wie unterschiedliche Hautfarbe, Religion oder Herkunft unter uns Sportlern in der Kabine ist sollte es auch in unserer Gesellschaft sein!

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Torunarigha nach Gelb-Roter Karte für nächstes Pokalspiel gesperrt - Merk fordert Milde

Zu allem Überfluss flog Torunarigha selbst in diesem Spiel per Gelb-Roter Karte vom Platz - und wird damit automatisch für das nächste Pokal-Spiel gesperrt. Ex-Schiedsrichter Markus Merk rät dem DFB nun dazu, wegen der Umstände des Platzverweises von einer Sperre des 22-Jährigen abzusehen: "Als Mensch sage ich: Es wäre eine große Geste, Torunarigha nun nicht für das nächste Pokalspiel zu sperren", schreibt Merk in seiner Kolumne für t-online.de.

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Torunarigha sah in der Minute nach den angeblichen Rassismus-Vorfällen die erste Gelbe Karte, in der Verlängerung wurde der offensichtlich aufgewühlte Hertha-Spieler von Schalke-Spieler Omar Mascarell in die Coaching-Zone von S04-Trainer David Wagner gegrätscht. Vor lauter Frust warf Torunarigha daraufhin eine Kiste zu Boden und kassierte dafür von Schiedsrichter Harm Osmers die Ampelkarte. "Wir wissen jetzt, was dieser Spieler während der Partie durchmachen musste. Das ist gravierend", schreibt Merk dazu und bekräftigt damit seinen Wunsch nach Straffreiheit für den Berliner Verteidiger.

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Markus Merk plädiert für härtere Strafen bei rassistischen Beleidigungen in Stadien

Bei rassistischen Beleidigungen in Stadien plädiert Merk zudem für drastische Strafen: "Wenn man im Fußball also bestimmte Rufe auf einen Block im Publikum eingrenzen kann, und dieser Block das Problem aber nicht geregelt bekommt, dann kann es nur heißen: Raus", so der dreifache Weltschiedsrichter. "Natürlich mag dann gejammert werden, dass es auch Unbeteiligte trifft, aber die haben dann eben Pech gehabt, wenn sie nicht klare Position beziehen gegen solches Verhalten." Ein Spielabbruch könne dagegen nur das "allerletzte Mittel" sein: "Denn sonst geht der Fußball das Risiko ein, dass er diesen Chaoten erst recht ein Podium liefert, wenn er sich von ihnen in die Knie zwingen lässt und Spiele abbricht."