08. Mai 2020 / 18:10 Uhr

Markus Weinzierl: Deshalb erwarte ich trotz Corona-Pause keine Überraschungen im Liga-Endspurt

Markus Weinzierl: Deshalb erwarte ich trotz Corona-Pause keine Überraschungen im Liga-Endspurt

Markus Weinzierl
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Kolumnist Markus Weinzierl geht nicht von Überraschungen im Bundesliga-Endspurt aus.
SPORTBUZZER-Kolumnist Markus Weinzierl geht nicht von Überraschungen im Bundesliga-Endspurt aus. © imago images/Laci Perenyi
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Nach der langen Corona-Pause gehen einige Experten und Fans von zahlreichen Überraschungen im Bundesliga-Endspurt aus. SPORTBUZZER-Kolumnist Markus Weinzierl hingegen meint, dass die vielen Spiele binnen kürzester Zeit den Top-Klubs in die Karten spielen dürfte.

Zunächst einmal bin ich – wie vermutlich der überwiegende Teil der Fußball-Fans in Deutschland – froh, dass es in der Bundesliga endlich weitergeht. Dabei muss man die Entscheidung sachlich und nicht emotional bewerten: Der Fußball hat nichts gefordert und auch keine Extrawurst bekommen, sondern nur die Bedingungen geschaffen, damit alle ihrem Beruf nachgehen können. Es ist eine reine Überlebensmaßnahme – mit begrenztem Spaß. Ich glaube nicht, dass Trainer, Spieler oder Verantwortliche Geisterspiele toll finden, aber sie sind aktuell leider einfach alternativlos.

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Jeder in diesem Geschäft hat nun eine Riesenverantwortung und sollte die Zeichen der Zeit erkannt haben – spätestens seit dem Video von Salomon Kalou, das natürlich ein Paradebeispiel dafür war, wie man es nicht machen sollte. Da fehlen einem manchmal wirklich die Worte. Die Gesellschaft hat es vorgelebt, jetzt muss der Fußball beweisen, dass er den Ernst der Lage erkannt hat und sich seiner Vorbildfunktion bewusst ist.

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Zum Glück können wir jetzt endlich auch wieder über sportliche Themen diskutieren – das hat mir echt gefehlt. Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass es nach der Coronapause plötzlich unzählige Überraschungen geben wird, sondern glaube, dass Qualität und Breite im Kader jetzt ein noch wichtigerer Faktor sein werden. Die Teams, die rotieren und Ausfälle kompensieren können, haben einen Vorteil. Neun Spiele in sechs Wochen sind knackig, das gab es in dieser Intensität vorher noch nie. Mannschaften, die kontinuierlich in internationalen Wettbewerben aktiv sind, könnten einen kleinen Wettbewerbsvorteil haben, da sie sogenannte Englische Wochen gewohnt sind.

Zeit der Vorbereitung war nicht zu kurz

Dennoch fehlen ligaweit Vergleichswerte, zum Beispiel wenn es um die Frage erhöhter Verletzungsrisiken geht. Natürlich ist die Gefahr – gerade von Muskelverletzungen – durch höhere Belastung und mehr Spiele größer, aber ich bin trotzdem überzeugt, dass die Zeit der Vorbereitung nicht zu kurz war. Die Spieler haben sich alle fit gehalten, individuell trainiert und haben jetzt zehn Tage Mannschaftstraining – das sollte genügen, da sollte man nicht jammern. Schließlich geht es auch um Arbeitsplätze und Existenzen, das sollte jedem bewusst sein.

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Grundsätzlich glaube ich, dass der Kopf entscheidend sein wird, mehr denn je. Vielleicht ist es da sogar ein Vorteil, wenn man ein paar Tage länger frei hatte, bevor es jetzt praktisch von 0 auf 100 losgeht mit dem Wettbewerb, wo es in den nächsten Wochen alle paar Tage um sehr, sehr viel geht und die letzten Prozent entscheidend sein werden. Werder Bremen hat sich mit Jörg Löhr einen Mentaltrainer dazu geholt, das finde ich einen guten Ansatz. Die Situation ist für alle komplett neu, der Motivationsfaktor Publikum fällt beispielsweise komplett weg, jeder hat in der Coronapause andere Dinge erlebt und muss diese verarbeiten, und so weiter. Da ist man als Trainer natürlich auch umso mehr gefordert, um sensibel nachzufragen, wie es jedem Einzelnen persönlich geht.

Englische Wochen können zusätzliche Dynamik bringen

Die Englischen Wochen können außerdem zusätzliche Dynamik reinbringen, wenn man zum Beispiel drei Spiele in einer Woche gewinnt oder verliert, löst das in dieser entscheidenden Phase sicher einiges aus. Zusätzlich zu den Corona-Problemen bleiben die üblichen Themen der Saison-Endphase spannend: Wer erreicht sein Ziel, wie schaut die persönliche Zukunft des Spielers aus und wie sind die Planungen des Vereins? Hinzu kommt: wer kann mit dem Druck am besten umgehen, wer zeigt Nervenstärke. Viele Fragen, aber Hauptsache, wir können endlich wieder Fußball sehen.