29. November 2019 / 06:00 Uhr

Markus Weinzierl über Fehler auf Schalke, einen geplatzten Gnabry-Transfer und seine Zukunft als Trainer

Markus Weinzierl über Fehler auf Schalke, einen geplatzten Gnabry-Transfer und seine Zukunft als Trainer

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Markus Weinzierl wurde im vergangenen Mai beim VfB Stuttgart entlassen.
Markus Weinzierl wurde im vergangenen Mai beim VfB Stuttgart entlassen. © Verwendung weltweit
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Seit rund sieben Monaten ist Markus Weinzierl ohne Trainerjob. Im SPORTBUZZER-Interview erklärt der 44-Jährige, welche Rolle zwei heutige deutsche Nationalspieler bei seinem Aus auf Schalke gespielt haben, in welchen Bereichen er dazugelernt hat und wie er wieder einsteigen will.

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2006 begann die Trainerkarriere von Markus Weinzierl als Assistent bei Jahn Regensburg. 2008 übernahm er das Team und stieg in die 2. Liga auf. Von 2012 bis 2016 coachte der 44-Jährige den FC Augsburg, führte den Klub in die Europa League und wurde 2014 zum Trainer des Jahres gewählt. In der Saison 2016/2017 saß Weinzierl beim FC Schalke 04 auf der Bank, im Oktober 2018 übernahm er den Tabellenletzten VfB Stuttgart und wurde am 10. April entlassen.

SPORTBUZZER: Herr Weinzierl, welche Rolle spielte Leroy Sané in Ihrer Trainerkarriere?

Markus Weinzierl (44): (Grinst) Schon eine wichtige. Ich weiß genau, worauf Sie anspielen.

Erklären Sie es uns, bitte.

Es war der große Transfer zum Anfang meiner Schalke-Zeit. Es hat sich sehr lange hingezogen, bis wir ihn zu Manchester City verkauft haben und noch länger, bis wir Ersatz holen konnten. Dementsprechend haben wir den Start komplett in den Sand gesetzt – und das ist natürlich Teil meiner Geschichte.

Wäre es mit Sané anders gelaufen?

Definitiv. Aber vor allem haben wir es mit dem Geld, was wir für ihn bekommen haben, nicht gut gemacht und die ersten fünf Spiele verloren. Das war aus meiner Sicht eine Folge der Transferpolitik, und deshalb war ich natürlich nicht glücklich darüber. Zumal wir Serge Gnabry hätten holen können, der schon zu Gesprächen auf Schalke war.

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Weinzierl: "Ich hätte mich noch mehr für einen Transfer von Gnabry einsetzen müssen"

Kreiden Sie sich da auch was an oder hat es der Verein verbockt?

Ich hätte mich mehr durchsetzen müssen. Wenn der Verein sagt, dass Gnabry mit 5 Millionen zu teurer ist, hätte ich in der Nachbetrachtung mich sicher noch mehr für einen Transfer einsetzen müssen.

Macht man sich diese Gedanken als arbeitsloser Trainer oft? Hätte, wäre…

Wenn du viel Zeit hast, kommst du manchmal auf solche Gedanken. Ich glaube aber, dass es wirklich oft an Kleinigkeiten hängt. Schon zwei Personalien wie diese können dazu führen, ob am Ende etwas Großes rauskommt oder eben nichts.

Erzählen Sie mal, wie der Tagesablauf eines Trainers a. D. ausschaut.

Es geht vor allem darum, sich optimal auf Tag X vorzubereiten, an dem es wieder losgeht. Wichtig für mich war auch, zu reflektieren, was zuletzt nicht gut lief und daraus Schlüsse zu ziehen, was man künftig besser machen möchte.

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Sie waren das heißeste Eisen auf dem Trainermarkt, sind nun seit sieben Monaten ohne Job.

Natürlich sind die beiden letzten Stationen nicht glücklich gelaufen, wobei ich die Zeit auf Schalke – bis auf den Fehlstart – nicht so negativ sehe, wie sie gemacht wurde. Regensburg war super, Augsburg vier Jahre sensationell, Stuttgart enttäuschend. So kann man die letzten zehn Jahre bewerten: 2,5-mal gut, 1,5-mal nicht so gut.

Juckt es bei Ihnen wieder?

Definitiv. Ich habe rund 200 Bundesliga- und 20 Europacup-Spiele gecoacht und fast jedes hat Spaß gemacht. Es ist nicht schön, ohne Job zu sein, aber auf das richtige Angebot, den richtigen Klub zu warten, ist die große Kunst.

Sie nehmen also nicht jeden Job an?

Ich muss ein gutes Gefühl haben. Den Posten in Stuttgart habe ich im Oktober auf Platz 18 angenommen, hätte im Nachhinein vielleicht etwas genauer draufschauen müssen.

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Was sind die wichtigsten Faktoren, um als Trainer erfolgreich zu sein?

Zunächst mal, dass eine Führung da ist, mit der man vertrauensvoll zusammenarbeiten kann und die hinter einem steht. Eine Erwartungshaltung, die realistisch ist. Dazu die Frage: Wie groß ist die Fußballkompetenz im Klub? Und natürlich: Wie groß ist das Potenzial der Mannschaft? Ich bin grundsätzlich eher ein ungeduldiger Typ, aber ich werde lieber etwas länger warten, als irgendwo zu unterschreiben, wo ich nicht komplett dahinterstehe.

Weinzierl: "Das Entscheidende für einen Trainer ist die Erfahrung"

Sind Sie heute ein besserer Trainer als vor zwei, drei Jahren?

Das Entscheidende für einen Trainer ist die Erfahrung. Und da ich mittlerweile einige Erfahrungen gemacht habe, bin ich zumindest schlauer. Auch, was den Zeitpunkt eines möglichen Einstiegs betrifft. Man braucht vielleicht einige Stationen, die ich jetzt hatte, um persönlich weiterzukommen.

Sie haben mal gesagt, dass es heute keinen Trainer gibt, der zehn Jahre oder länger im Amt bleibt – warum?

Das geht vielleicht noch in Freiburg, aber sonst nirgends, weil die Einflüsse von außen zu groß sind. Ich habe in Regensburg und Augsburg selbst nach drei, vier Jahren gemerkt, dass sich gewisse Dinge abnutzen, dass es Zeit ist, was anderes zu machen. Ich kann auch jeden verstehen, der sich nach ein paar Jahren eine Auszeit nimmt, weil ich der Überzeugung bin, dass es im Fußball keinen Job gibt, der so intensiv ist wie der des Trainers, weil man von allen Seiten gefordert ist und es sehr viele Interessen gibt, die an einem ziehen. Man braucht vielerlei Fähigkeiten, aber auf lange Sicht entscheidet der Erfolg, ob du ein guter Trainer bist oder nicht.

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