23. März 2020 / 10:00 Uhr

Markus Weinzierl: Die Bundesliga-Trainer sind jetzt auch als Krisen-Manager gefragt

Markus Weinzierl: Die Bundesliga-Trainer sind jetzt auch als Krisen-Manager gefragt

Markus Weinzierl
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dortmunds Trainer Lucien Favre (links) und Münchens Coach Hansi Flick müssen die aktuelle Situation in ihren Klubs meistern. 
Dortmunds Trainer Lucien Favre (links) und Münchens Coach Hansi Flick müssen die aktuelle Situation in ihren Klubs meistern.  © dpa
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Wie sieht die Arbeit eines Bundesliga-Trainers in Krisenzeiten aus? Worauf kommt es jetzt an? SPORTBUZZER-Kolumnist Markus Weinzierl versucht, sich in seine Berufskollegen hineinzuversetzen, die aktuell für die 18 Vereine der Bundesliga verantwortlich sind.

Die Bundesliga befindet sich zur Zeit in einem extremen Ausnahmezustand. Deshalb kann ich mich nur schwer in die Situation, in der sich die Bundesliga-Trainer aktuell befinden, hineinversetzen. So etwas gab es einfach noch nie!

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Die Gesundheit jedes Einzelnen steht mit Sicherheit ganz oben. Trotzdem müssen sich alle Beteiligten Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Es ist definitiv ein schmaler Grat, sich einerseits auf den Tag x vorzubereiten, wenn es weitergeht – und andererseits sportliche Themen hinten anzustellen, weil es momentan einfach wichtigere Dinge gibt. Die Trainer sind trotzdem dem permanenten Druck ausgesetzt, alles am Laufen und die Mannschaft über den unbestimmten Zeitraum topfit zu halten, obwohl das ohne Mannschaftstraining nur bedingt möglich ist.

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Individualisierung ist aktuell sicher wichtig. Sprich: Die Spieler bekommen individualisierte Trainingspläne oder -programme, wie es auch in der Sommer- oder Winterpause der Fall ist. Als Trainer sollte man – wie in jedem anderen Beruf auch – zu seinen Spielern oder Mitarbeitern Kontakt halten. Fragen, wie es ihnen geht. Sie mitnehmen, mit ihnen diskutieren. Möglichkeiten gibt es dazu ja in der heutigen Zeit genug. Mit den ausländischen Spielern, die kein deutsch oder englisch sprechen, ist es sicherlich schwieriger, aber auch da lassen sich Wege finden.

Die Offenheit von DFL-Boss Seifert war richtig

Natürlich habe ich die Worte von DFL-Boss Christian Seifert aufmerksam verfolgt. Ich fand es gut, wie schonungslos offen er über den Ernst der Lage gesprochen hat, anders geht es aktuell auch nicht. Ich habe davon gelesen, dass aktuell drei Modelle diskutiert werden sollen, um die Spielzeit irgendwann durchzuziehen. Eigentlich ist es egal, welches davon tatsächlich zum Tragen kommt: Ziel muss sein, dass die Saison überhaupt zu Ende gespielt wird.

Wobei wichtig und einzig und allein von Bedeutung ist, dass bei aller Abwägung und Entscheidung die Gesundheit der Menschen im Vordergrund stehen muss – Verbände, Vereine, aber auch Trainer und Spieler haben dabei eine sehr verantwortungsvolle Rolle und eine Vorbildfunktion. Dennoch ist es richtig, sich mit verschiedenen Modellen zu beschäftigen, wie man die Saison zu Ende bringen kann – realistischerweise leider ohne Zuschauer.

Bundesliga-Trainer im Überblick: So erfolgreich waren Flick und Co. als Spieler

Trainer wie Hansi Flick (links) und David Wagner (Mitte) spielten schon als aktive Fußballer in der Bundesliga. Oliver Glasner hingegen kickte sein ganzes Leben in seinem Heimatland. Der SPORTBUZZER hat sich die Spieler-Karrieren der Coaches genauer angeschaut.   Zur Galerie
Trainer wie Hansi Flick (links) und David Wagner (Mitte) spielten schon als aktive Fußballer in der Bundesliga. Oliver Glasner hingegen kickte sein ganzes Leben in seinem Heimatland. Der SPORTBUZZER hat sich die Spieler-Karrieren der Coaches genauer angeschaut.   ©

Hoffen auf positive Effekte

Aktuell kann man die Folgen und Auswirkungen der Corona-Krise auf den Fußball noch nicht einmal ansatzweise abschätzen. Meine Hoffnung ist, dass trotz der schwierigen Situation sogar der ein oder andere positive Effekt auftritt, man in Zukunft z.B. einen besseren Umgang miteinander pflegt und kleinere Dinge wieder mehr zu schätzen weiß.