06. Juli 2021 / 13:36 Uhr

Marsch startet bei RB Leipzig: "Auch gegen große Mannschaften unser bestes Spiel zeigen"

Marsch startet bei RB Leipzig: "Auch gegen große Mannschaften unser bestes Spiel zeigen"

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Jesse Marsch verbreitete zur Auftakt-Pressekonferenz jede Menge gute Laune.
Jesse Marsch verbreitete zur Auftakt-Pressekonferenz jede Menge gute Laune. © Christian Modla
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Es kann losgehen. Nach Leistungstests am Montag ist RB Leipzig unter seinem neuen Coach Jesse Marsch am Dienstag ganz offiziell in die Saisonvorbereitung gestartet. Der US-Amerikaner verbreitete zum Auftakt neben reichlich guter Laune auch seine Vorstellung eines neuen Wir-Gefühls, wollte sich aber weder auf eine mögliche Grundordnung noch ein Saisonziel festlegen. Bei Letzterem half Vorstandschef Oliver Mintzlaff aus.

Leipzig. Komplimente sind nur bedingt die Sache von Oliver Mintzlaff, der als knallharter Analytiker und Geschäftsmann gilt. Am Dienstagmittag präsentierte sich RB Leipzigs Vorstandschef jedoch freigiebig wie selten mit schönen Worten. Dass Jesse Marsch, auf dem Podium zur Saisonauftakt-Pressekonferenz links von ihm positioniert, damals für zwei Jahre als Assistent an den Cottaweg gekommen sei, "war sicherlich außergewöhnlich. Denn es gibt eigentlich den Typen Co-Trainer und den Typen Trainer. Dennoch hat er sich hier bei uns gut integriert." Marschs Arbeit in Salzburg im Anschluss sei "exzellent" gewesen.

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Derlei Worte sorgten selbst beim 47-Jährigen für ein Klingeln in den Ohren. "Ich habe noch nie so viele Komplimente von Olli gehört. Ich denke, das ist ein guter Start für uns", sagte der US-Amerikaner und musste lachen. Die Erwartungen an ihn sind nicht gering. "Wir wollen da fortsetzen, wo wir aufgehört haben, uns für die Champions League qualifizieren. Das heißt Platz eins bis vier", machte Mintzlaff klar. Man habe erlebt, wie schön es sei, die Gruppenphase der Königsklasse zu überstehen. "Das wünschen wir uns wieder so und vielleicht noch mehr." Klarer Auftrag vom Chef an den Coach: "Wir wollen uns weiter als einer der Top-Klubs in Deutschland etablieren." Als Konkurrenz zu Julian Nagelsmann und Rekordmeister München verstehe man sich allerdings nicht. "Wir greifen nicht den FC Bayern an. Wir haben ihm jetzt in die Tasche gegriffen, das ist aber auch alles."

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RB Leipzig ist zurück auf dem Platz. Neu-Coach Jesse Marsch begrüßte seine Profis am 6. Juli erstmals auf dem Grün am Cottaweg. Alle EM-Fahrer fehlten allerdings. Zur Galerie
RB Leipzig ist zurück auf dem Platz. Neu-Coach Jesse Marsch begrüßte seine Profis am 6. Juli erstmals auf dem Grün am Cottaweg. Alle EM-Fahrer fehlten allerdings. © Christian Modla

Und Marsch selbst? Der vermied es, ein konkretes Saisonziel zu benennen. "Der Verein hat sich in den vergangenen Jahren immer weiterentwickelt. Für mich ist als Erstes immer wichtig, dass die Mannschaft miteinander alles gibt. So haben wir gegen jeden Gegner immer eine Chance."

Jesse Marsch über …

… seinen Wechsel zu RB Leipzig: "Wieder hier zu sein ist eine große Ehre. Ich war immer Fan dieses Vereins. Ich habe das noch nie gesagt, aber schon als ich in New York angefangen habe, war es immer mein Traum, Trainer in Leipzig zu sein. Ich glaub, dass es hier einfach passt. Und das ist immer wichtig für mich."

… seine Co-Trainer Marco Kurth und Achim Beierlorzer: "Beide verstehen unsere Philosophie und Idee von Fußball. Wir haben ein gutes Verhältnis, weil wir uns ja schon kannten. Für mich sind beide Haupttrainer."

… seinen Vorgänger Julian Nagelsmann: "Wir haben keinen Kontakt. Ich denke, wir müssen auf uns schauen."


… seine Aufgabe als Trainer: "Ich muss meine ganze Erfahrung nutzen, um ein richtiger und guter Anführer für dieses Team zu sein. Mein erstes und mein letztes Ziel ist genau das, eine gute Mannschaft. Ich muss das richtige Gefühl für sie entwickeln, im richtigen Moment die richtige Botschaft für sie finden."

… seinen Plan für RB: "Ziel ist es immer, Gegner und Spiel total zu kontrollieren, in jeder Phase Klarheit zu haben. Meine Idee von Fußball ist nicht abhängig von einer Grundordnung. Das hat natürlich viel damit zu tun, wie intelligent und flexibel die Spieler sind. Es ist immer wichtig, die richtige Balance für sie zu finden."

… seine Spieler: "Die Mannschaft ist überragend. Ich glaube an das Potential und die Mentalität der Gruppe. Ich sage aber nie 'meine Mannschaft' oder 'meine Spieler'. Es heißt 'unsere'."

… Kommunikation mit den Spielern: "Ich liebe es, mit jungen Spielern zu arbeiten. Teil dieser Arbeit ist eine gute, nahe und starke Beziehung. Dabei spielt Menschlichkeit eine große Rolle."

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… das, was besser werden muss: "Der Verein hatte in der vergangenen Saison viel Erfolg gegen Gegner, die besiegt werden mussten. Gegen die Top-Gegner war das eine andere Frage. Da brauchen wir Klarheit auf dem Platz, gute Entscheidungen, Mentalität. Der nächste große Schritt ist also, auch gegen große Mannschaften unser bestes Spiel zu zeigen."

… Pokal-Erstrunden-Gegner SV Sandhausen: "Ich war noch nie in Sandhausen. Ich habe gehört, dass es nicht einfach ist, dort zu spielen. Es ist kein gutes Los für uns. Das war aber auch in New York und Salzburg schon so. Vielleicht liegt es also an mir."

… die Rückkehr in die Stadt Leipzig: "Meine Familie und ich haben hier immer so viel Spaß gehabt. Als Co-Trainer war mein Vorteil, dass ich anonym sein konnte. Das wird dann jetzt wohl nicht mehr so sein. Der Unterschied zum ersten Mal ist: Damals waren wir mit drei Kindern hier, jetzt haben wir zwei 'verloren' und nur noch eines. Das ist vielleicht schade für meine Frau, weil sie jetzt mehr Zeit nur mit mir verbringen muss."