14. August 2019 / 09:51 Uhr

Marsmission in der Sauna: Potsdamer Triathleten wollen erstes Olympiaticket

Marsmission in der Sauna: Potsdamer Triathleten wollen erstes Olympiaticket

Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Reisegruppe Potsdam: Lasse Lührs, Physiotherapeut Mathias Dietze, Laura Lindemann, Lisa Tertsch, Nina Eim und Trainer Ron Schmidt (v.l.).
Reisegruppe Potsdam: Lasse Lührs, Physiotherapeut Mathias Dietze, Laura Lindemann, Lisa Tertsch, Nina Eim und Trainer Ron Schmidt (v.l.). © Privat
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Triathlon: Die Potsdamer Triathleten um Laura Lindemann kämpfen in Tokio um ein Olympia-Ticket. Die Bedingungen in in der japanischen Hauptstadt stellen die Sportler vor eine Herausforderung.

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Ungewöhnliche Bedingungen erfordern manchmal ungewöhnliche Maßnahmen. „Wir haben im Vorfeld im Trainingslager sogar in der Sauna trainiert, das war ziemlich verrückt. Andere haben das zwar schon vor 20 Jahren gemacht, da haben wir noch darüber gelacht“, erzählt Triathlon-Bundesstützpunkttrainer Ron Schmidt. Doch die unkonventionellen Trainingsmethoden sind notwendig, weil sich seine Potsdamer Schützlinge auf einen extremen Wettkampfort vorbereiten müssen: die Olympiagastgeberstadt Tokio. 36 Grad und 85 Prozent Luftfeuchtigkeit wurden am Dienstag gemessen. „Man schwitzt, sobald man aufsteht“, sagt Mathias Dietze, der als Physiotherapeut in Tokio mit dabei ist.

Vier Potsdamer Triathleten dabei

Denn in der Nacht zum Donnerstag (0.30 Uhr, 7.30  Uhr Ortszeit), knapp ein Jahr vor dem Großereignis in der japanischen Hauptstadt, gehen die Potsdamer Triathletinnen Laura Lindemann, Nina Eim und Lisa Tertsch beim Testwettkampf in Tokio an den Start, bei dem die ersten zwölf Olympiatickets vergeben werden. Einen Tag später sind die Männer mit dem Potsdamer Lasse Lührs an der Reihe.

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Brandenburgs Sportler des Jahres seit 1998. ©
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Um mit den extremen klimatischen Bedingungen klarzukommen, haben die Potsdamer viel getestet. „Es ist wie eine Mission zum Mars, so etwas hatten wir noch nicht“, sagt Schmidt über die Herausforderungen vor dem Wettkampf. „Damit der Körper seine Kerntemperatur im Normalbereich hält, muss er bei Kälte oder Hitze mehr arbeiten, dafür braucht er mehr Flüssigkeit. Pro Stunde Ausdauersport rund ein Liter“, sagt Schmidt. Das sei auch eine Übungssache, da die Sportler es sonst nicht gewohnt sind, so viel trinken zu müssen. In zwei Tagen hat das insgesamt zwölfköpfige Triathlon-Team 150 Liter Wasser verbraucht – nur durchs Trinken, rechnet Physiotherapeut Dietze vor.

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Der kennt sich mit extremen Temperaturen beim Triathlon aus, beim Ironman auf Hawaii wurde er einmal Weltmeister in der Altersklasse 30 bis 34 Jahre. „Hawaii war zwar auch feucht, aber ein bisschen kühler“, sagt Dietze. Zumal die Triathleten über die Olympische Distanz von 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen rund zwei Stunden am Anschlag sind, „das ist noch einmal eine ganz andere Intensität“, sagt Dietze, der am Olympiastützpunkt Potsdam arbeitet.

Kühlwesten und gekühlte Stirnbänder

Mit Kühlwesten soll der Körper runtergekühlt werden, für den Wettkampf in Tokio wurde außerdem das Reglement geändert, damit die Betreuer an der Strecke den Athleten nasse und gekühlte Mützen und Stirnbänder reichen dürfen. Für die Wettbewerbe im Gehen und Marathon wurden die Startzeiten sogar auf 3 Uhr nachts Ortszeit verlegt, um die Leichtathleten vor den Extremtemperaturen zu schützen.

Im Idealfall helfen die ganzen Maßnahmen, um die ersten beiden Olympiatickets für Deutschland – eines bei den Frauen, eines bei den Männern – zu holen. Dafür müssen die Athleten unter die Top 12 kommen und der beste Starter der eigenen Nation sein. „Die ganze Saison ist auf diesen Wettkampf ausgelegt. Die Chancen halte ich für sehr wahrscheinlich, dass wir es schaffen“, sagt Ron Schmidt in Bezug auf seine Topathletin Laura Lindemann, die vor gut einer Woche zum dritten Mal in Folge den deutschen Meistertitel in Berlin holte. Auch Lasse Lührs soll um das deutsche Ticket bei den Männern kämpfen, für Nina Eim sei ein Platz zwischen Platz 20 und 30 ein Erfolg. Lisa Tertsch rutschte nachträglich noch in den Kader für Tokio, „für sie geht es vor allem darum, Erfahrung zu sammeln“, sagt Schmidt – Erfahrung unter Extrembedingungen.

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Gold (Leichtathletik): Kristin Pudenz (SC Potsdam, Diskuswurf) ©

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