02. Mai 2021 / 10:25 Uhr

Martin Balsam - Der Torhüter, der unter dem Radar flog

Martin Balsam - Der Torhüter, der unter dem Radar flog

Andrè Haase
Kieler Nachrichten
KSV-Keeper Martin Balsam klärt per Faustabwehr vor dem Altenholzern Wolfram Kloss (Mi.) und Thorsten Bohl (re.). Henning Hardt und Lars Habermann (vorn) beobachten die Szene.
KSV-Keeper Martin Balsam klärt per Faustabwehr vor dem Altenholzern Wolfram Kloss (Mi.) und Thorsten Bohl (re.). Henning Hardt und Lars Habermann (vorn) beobachten die Szene. © Michael August
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Der KN-Sportbuzzer blickt zurück auf die Karrieren regionaler Fußballgrößen. Heute richtet sich unser Fokus auf Martin Balsam, der unter anderem für Holstein Kiel, TuS Felde und Eutin 08 zwischen den Pfosten stand

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Torhüter Martin Balsam, der über sein halbes Leben bei der KSV Holstein verbracht hat, begann im Alter von sechs Jahren in der F-Jugend der Störche. "Ich erinnere mich noch genau. Wir hatten keinen Torwart und da hat unser Trainer Karl-Heinz Brandt irgendwann mal gesagt, dass ich ins Tor soll. Ich bin fünf Mal angeschossen worden und so nahm das Drama seinen Lauf", lacht Balsam. Bereits im D-Jugendalter spielte der heute 49-Jährige dann in der Landesauswahl Schleswig-Holstein. "Bei uns war es tatsächlich damals noch so, dass der junge Jahrgang in der Zweiten und der alte Jahrgang in der Ersten gespielt hat, egal wir gut man war", erklärt Balsam, der später dann in den A-Junioren in der Bundesliga gespielt hat.

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"Vor der Saison wurde jedoch Tim Cassel geholt und so saß ich öfters auf der Ersatzbank. Die Begründung war, dass man den Neuzugang nicht auf die Bank setzen kann. Ich habe es aber so hingenommen", sagt Balsam. Danach erfolgte der Wechsel in den Seniorenbereich ber KSV. Zunächst stand der Torhüter im Kader der Zweiten. "Auch hier habe ich knapp drei Jahre auf der Bank gesessen, da mein Bruder Thorsten im Tor stand. Es war jedoch ein faires Brüderduell", verrät der Polizeibeamte.

1999 erfolgte dann sein Durchbruch. Die Erste war abgestiegen in die Oberliga, es erfolgte ein großer Umbruch. "Der damalige Trainer Dieter Bollow holte mich hoch und uns ist tatsächlich der Durchmarsch in die Regionalliga gelungen. Das war schon ein tolle Jahr", erinnert sich Balsam. Es folgte ein spannendes Jahr in der Regionalliga. "Ich bin trotzdem immer zweigleisig gefahren und habe den Job als Polizist ausgeübt. Man ging zwar an seine Grenzen, aber ich würde es wieder so machen", gesteht er. An ein Spiel erinnert sich Balsam nur zu gut. "Wir spielten in Braunschweig. Ich hatte die Nacht vor dem Spiel Nachtschicht mit Festnahmen und Verhören. Nach zwei Stunden Schlaf stieg ich in den Bus und habe die ganze Fahrt nach Braunschweig geschlafen. Wie gerädert habe ich mich beim Ausstieg gefühlt. Uns haben über 20000 Zuschauer im Eintracht-Stadion empfangen, ich war hellwach und wir haben mit 2:0 gewonnen. Ich glaube, ich habe ganz gut gehalten", lacht Balsam.

Nach zwei Jahren war dann Schluss bei den Störchen. Mit Michael Lorkowski kam ein neuer Trainer, der nicht auf ihn setzte. Es erfolgte der Wechsel zum TuS Felde, der in der Oberliga kickte. "Mein Manko war glaube ich, dass ich nicht so das Standing hatte und oft unter dem Radar einiger Trainer geflogen bin. Wer weiß, welchen Verlauf meine Karriere sonst genommen hätte", fragt sich Balsam. Auch in Felde erlebte er eine tolle Zeit. Unvergessen die Oberligaspiele gegen Teams, deren Mannschaft mit ehemaligen Zweitligaspielern gespickt waren. "Wir spielten im Spitzenspiel bei Eintracht Norderstedt. Unser damaliger Mäzen hatte eine Siegprämie ausgelobt. Wir verloren in einem wahren Fight mit 3:4. Gerd Lütje kam nach dem Spiel in unsere Kabine und sagte, dass wir uns die Prämie trotzdem verdient hätten. Sowas vergisst man nicht", gesteht Balsam.

Nach zwei Jahren war das Kapitel Felde für den Torhüter dann beendet. Es erfolgten noch Einsätze als Stand-by-Spieler für den TSV Plön, SG Ascheberg-Kalübbe, FC Sylt und Eutin 08. "Ich habe immer mal bei den Vereinen ausgeholfen, wo Not am Mann war. Das hat auch Spaß gemacht. Ich habe während meiner langen Zeit tolle Menschen kennengelernt und festgestellt, je besser das Team ist, desto besser ist man selber auch", konstatiert Balsam, der trotzdem immer für die KSV Holstein in verschiedenen Funktionen tätig war. Ob als Team-Koordinator der Zweiten, Torwart-Trainer oder als Ausrüsterbesteller - Balsam war immer für seine KSV da. "Holstein hat sicherlich mein Leben geprägt. Umso mehr finde ich den derzeitigen Höhenflug richtig spannend. Die Grundlagen dafür hat nach der damaligen Fusion der Vereine sicherlich Gerd Lütje geschaffen. Er hat dem Ganzen die Struktur gegen", so Balsam abschließend.

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