17. April 2020 / 17:29 Uhr

Martin Hanne: „Bundesliga soll es schon sein“

Martin Hanne: „Bundesliga soll es schon sein“

Jürgen Hansen
Peiner Allgemeine Zeitung
Martin Hanne holt zum Wurf aus. Acht Mal setzte ihn Recken-Trainer Carlos Ortega bereits in der Bundesliga ein.
Martin Hanne holt zum Wurf aus. Acht Mal setzte ihn Recken-Trainer Carlos Ortega bereits in der Bundesliga ein. © Foto: Thomas Bork
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Sein Debüt in der Handball-Bundesliga hat Martin Hanne schon mit 17 Jahren gegeben – und dabei fünf Tore geworfen. Jetzt steht für den Woltorfer erstmal die Abiturprüfung auf dem Plan, langfristig will er zum Erstliga-Kader der TSV Hannover-Burgdorf gehören.

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Sein Ziel ist es, Profisportler zu werden. Und das hat er fast geschafft: Martin Hanne zählt zum erweiterten Kader des Handball-Bundesligisten TSV Hannover-Burgdorf. Ausgestattet mit einem Amateurvertrag spielte der Woltorfer zuletzt bei der TSV hauptsächlich für die A-Junioren und in der 3. Liga für die Zweite Herren. „Doch über kurz oder lang möchte ich fest zum Bundesliga-Aufgebot der Recken gehören“, betont der 18-Jährige, der schon mehrfach bewies, dass er das Zeug hat, in Deutschlands Handball-Elite-Klasse zu bestehen.

Bereits im Dezember 2018 feierte er als 17-Jähriger sein Bundesliga-Debüt, und war dabei mit fünf Treffern sogar bester Recken-Schütze. Bis heute folgten weitere sieben Einsätze. „In der Startformation stand ich nie, wurde immer nur eingewechselt. Aber es lief gut, meine Aufgaben habe ich immer erfüllt“, erläutert der Halblinke, der sein eigenes Vermögen einzuschätzen vermag: „Zu den Recken zählen mehrere Nationalspieler, vor allem im Rückraum. Auch wenn ich eines Tages fest zum Aufgebot gehören sollte, dürfte ich mich hinten anstellen müssen. Aber das wäre mir egal – Hauptsache Bundesliga.“

Angetan ist er von der beeindruckenden TSV-Heimspiel-Atmosphäre in Hannovers Tui-Arena. „Es macht dort Riesenspaß. Und spielt meine Mannschaft gut, nimmt sie die Halle mit. Dann kommt Festtagsstimmung auf.“ Hanne ist sich darüber im Klaren, dass er handballerisch zulegen muss, um den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu erklimmen. „In Stress-Situationen auf dem Feld die richtige Entscheidung treffen, den Pass dahin spielen, wo er hin muss. Gestandene Bundesliga-Spieler können das. In diesem Punkt muss ich mich verbessern. Steigerungsbedarf gibt es bei mir auch in der Abwehrarbeit“, betont der 93 Kilogramm schwere und 1,92 Meter große Woltorfer.

Abgezockter als Jungspunde

Und was können Bundesliga-Profis außerdem besser als Junioren-Spieler? „Schon der Unterschied der Bundesliga-A-Jugendlichen zu den Drittliga-Spielern ist groß. Denn die sind körperlich stärker und viel abgezockter als die meisten Jungspunde“, erläutert Hanne. Die höchste Spielklasse im Herrenbereich sei noch eine andere Nummer. „Die Profis sind noch durchtrainierter. Und der Ball läuft viel schneller. Doch trotz der hohen Geschwindigkeit werden kaum technische Fehler gemacht.“

Um sich weiter zu verbessern hatte Hanne das Vorbereitungsprogramm der Recken auf die jetzige Bundesliga-Saison komplett durchgezogen. Doch im Frühherbst des vergangenen Jahres wurde es für den Rechtshänder trainingstechnisch ruhiger. „Vormittags beziehungsweise nachmittags trainieren ging nicht mehr. Schule ist wichtiger als Handball. Ich hätte zu viel Unterricht verpasst“, berichtet der Schüler des hannoverschen Humboldt-Gymnasiums, der bis 2018 das Peiner Silberkamp-Gymnasium besucht hatte. Vergangenes Jahr wechselte er zudem den Wohnort, lebt nicht mehr in Woltorf, sondern im Internat des Olympia-Stützpunktes Hannover. „So kann ich Sport und Schule besser in Einklang bringen und spare viel Zeit, weil die Fahrerei wegfällt. Anders wäre es nicht mehr gegangen.“

Mehr regionaler Handball

Abiturprüfung im Mai

Sein Trainingsprogramm, abends im Kreise der A-Jugend-Mannschaft oder der Zweiten Herren, umfasste vor der Corona-Pause vier Einheiten pro Woche. Hinzu kamen am Wochenende zumeist zwei Punktspiele. Wegen der Corona-Krise müssen sich jedoch die Spieler aller TSV-Mannschaften seit geraumer Zeit selbst fit halten. „Drei Mal die Woche mache ich 10-Kilometer-Dauerläufe, hinzu kommen Intervall-Läufe, Gymnastik und Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht“, zählt Hanne sein Pensum auf, das vom TSV-Athletik-Trainer vorgegeben wurde. Geistig gefordert ist er ebenfalls, da er sich auf die Abiturprüfung vorbereitet, die laut Plan am 11. Mai stattfinden soll.

Vor 13 Jahren machte Hanne bei der HSV Vechelde-Woltorf die ersten Handball-Schritte – und zwar fast zwangsläufig. „Denn ich komme aus einer Handballer-Familie“, verweist er auf seine Eltern Carola und Jürgen Hanne, die einst für Zweitligist Vater Jahn Peine beziehungsweise Oberligist Grün Weiß Himmelsthür aufliefen. Ebenfalls Oberligaspielerin ist seine Schwester Annika, die aktuell für Eintracht Hildesheim aktiv ist.

Der sportliche Werdegang ihres Bruders setzte sich bei der HSG Nord fort, zu der er als D-Jugendlicher wechselte. Auf Hannes Klasse wurden schon bald Niedersachsen-Auswahltrainer aufmerksam, die ihn 2015 zu Sichtung luden. „Anschließend meldete sich die TSV Burgdorf bei mir. Ich fuhr drei Mal zum Probetraining und hätte dort anfangen können“, erinnert sich Hanne, der das Angebot allerdings ausschlug, da ihm der zeitliche Aufwand nicht behagte. Zu HVN-Sichtungen fuhr er jedoch weiterhin, und da sein handballerisches Können stetig wuchs, klappte es ein Jahr darauf doch mit dem Wechsel.

Studienrichtung noch unklar

„Ich bin froh darüber und habe den Schritt bis heute nie bereut“, betont Hanne, der sich trotz aussichtsreicher Perspektiven ein zweites Standbein schaffen möchte. „Denn auch wenn ich es schaffen würde, Profi zu werden und längere Zeit Bundesliga spielen sollte, hätte ich am Karriereende nicht ausgesorgt. Handballer verdienen deutlich weniger als Fußballer. Daher werde ich wohl bald studieren. In welche Richtung es geht, ist mir allerdings noch nicht klar.“

Ebenso ungewiss ist, was die nähere Zukunft seines Lieblingsports anbelangt. „Ich vermisse das Handballspielen schon sehr“, sagt Hanne und hofft auf ein baldiges Ende der Pause.