23. Juni 2022 / 14:21 Uhr

Eintracht-Profi Martin Hinteregger erklärt überraschendes Karriereende: "Leben neu ausrichten"

Eintracht-Profi Martin Hinteregger erklärt überraschendes Karriereende: "Leben neu ausrichten"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beendete seine aktive Spieler-Karriere überraschend: Martin Hinteregger.
Beendete seine aktive Spieler-Karriere überraschend: Martin Hinteregger. © IMAGO/Revierfoto (Montage)
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In einem ausführlichen Statement hat Martin Hinteregger Stellung zu seinem überraschenden Karriereende bezogen. Der Abwehrspieler von Eintracht Frankfurt bedankt sich bei seinem Klub für das Vertrauen und entschuldigt sich für "Irritationen".

Martin Hinteregger hat sein überraschendes Karriereende in einem ausführlichen Statement auf der Homepage von Eintracht Frankfurt erklärt. "Ich hatte bereits im vergangenen Herbst erste Gedanken, nach der Saison aufzuhören. Ich habe mich sportlich in einer schwierigen Phase befunden: Meine Leistungen waren schwankend. Die Siege haben sich nicht mehr so gut angefühlt, dafür tat jede Niederlage doppelt so weh", beginnt der 67-malige österreichische Nationalspieler, dessen bis 2024 befristeter Vertrag bei der SGE am Donnerstag auf eigenen Wunsch ausgesetzt worden war, seine Ausführungen.

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"Mein Leistungsschub im Frühjahr und unsere gemeinsamen Erfolge in der Europa League haben mich dann umso mehr motiviert, mich mit einem großen sportlichen Erfolg zu verabschieden. Den Sieg in der Europa League habe ich deswegen so ausgiebig genossen, weil ich da schon wusste, dass es meine letzte große Siegesfeier mit den fantastischen Fans in dieser Stadt sein würde, die meine zweite Heimat geworden ist", heißt es weiter. Er werde "ausschließlich mit großer Dankbarkeit und Freude" an seine Zeit in Frankfurt zurückdenken und sich dem Verein und den Fans "fest verbunden fühlen". Der Mannschaft drücke er "bei ihrem weiteren Weg durch Europa" die Daumen.

Hinteregger bedankte sich bei allen Vereinsmitarbeitern und der SGE-Führungsetage für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und wandte sich direkt an die Anhänger: "Vor allem danke ich den Fans, die immer hinter mir gestanden haben, gerade auch in schwierigen Zeiten." Hinteregger war in den vergangenen Monaten wiederholt in die Kritik geraten - wegen inkonstanter Leistungen, Undiszipliniertheiten abseits des Feldes und Vorwürfen in Richtung des Klubs. Für Wirbel hatte kürzlich auch eine Geschäftsbeziehung Hintereggers mit dem FPÖ-Politiker Heinrich Sickl gesorgt, der als vernetzt im rechtsextremen Milieu gilt.

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Beide waren dem Bericht eines österreichischen Journalisten zufolge als Mit-Gesellschafter einer GmbH in die Organisation des "Hinti-Cup" und eines dazugehörigen Musikfestivals in Sirnitz, Heimatort Hintereggers und Sickls, eingebunden. Als Reaktion auf den Bericht hatte Hinteregger die Geschäftsbeziehung zu Sickl abgebrochen und mögliche eigene Verbindungen ins politisch rechte Lager zurückgewiesen. Auch in seiner Abschiedserklärung griff der 29-Jährige das Thema noch einmal auf.

"In den vergangenen Wochen haben sich rund um meinen 'Hinti-Cup', den ich mit Herzblut und besten Gewissens ausgetragen habe, einige Themen ergeben, deren Tragweite mir erst im Nachhinein klar geworden ist. Emotionale, vielleicht unbedachte Worte von mir haben zu Irritationen geführt und dafür möchte ich mich entschuldigen. Das bedaure ich sehr. Um es nochmal ganz klar zu sagen: rechtes, intolerantes und menschenverachtendes Gedankengut verurteile ich aufs Schärfste" erklärte Hinteregger: "Wer mich kennt, weiß das. Zunächst gilt es für mich, etwas Abstand zu gewinnen und mein Leben neu auszurichten. Ich bin dankbar, dass mir die Eintracht die Möglichkeit gibt, diesen Schritt jetzt zu gehen."

Der Schritt des Abwehrspielers kommt unerwartet. Hintereggers am vergangenen Wochenende in der Kronenzeitung geäußerte Aussage, dass er seine "Profi-Karriere definitiv bei Eintracht Frankfurt beenden" werde, erscheint nun allerdings in einem neuen Licht. "Martin Hinteregger hat in den vergangenen Jahren für Eintracht Frankfurt Großartiges geleistet und maßgeblich dazu beigetragen, dass der Klub diese tolle Entwicklung nehmen konnte. Martins Entscheidung kam für uns unerwartet, aber er hat uns seine Perspektive und Gründe eindrücklich und überzeugend dargelegt", sagte SGE-Sportvorstand Markus Krösche.

Der Manager weiter: "Daher war es für uns keine Frage, diesem sportlich schmerzlichen aber menschlich nachvollziehbaren Wunsch zu entsprechen. Martins Schritt verdient Respekt und Anerkennung. Nicht zuletzt aufgrund seiner aufrichtigen Entschuldigung für sein Verhalten in den zurückliegenden Tagen und Wochen und seiner deutlichen und glaubhaften Distanzierung von rechtem Gedankengut bleibt er in Frankfurt als verdienter Spieler und Europapokalsieger immer willkommen."

Hinteregger war 2019 zunächst auf Leihbasis vom FC Augsburg nach Frankfurt gekommen und ein Jahr später für neun Millionen Euro fest verpflichtet worden. Insgesamt bestritt er für die Hessen 138 Pflichtspiele (14 Tore, sechs Vorlagen). Neben Frankfurt und Augsburg hatte Hinteregger in seiner Bundesliga-Karriere auch bei Borussia Mönchengladbach Station gemacht.