23. Juli 2020 / 20:56 Uhr

Hoffnungsträger Martin Kind: Wie geht es nach Insolvenzantrag bei Handball Hannover-Burgwedel weiter?

Hoffnungsträger Martin Kind: Wie geht es nach Insolvenzantrag bei Handball Hannover-Burgwedel weiter?

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Wie geht es weiter in Burgwedel? Teammanager Friedrich Kastening (links) hofft auf Unterstützung von Martin Kind (rechts oben eingeklinkt).
Wie geht es weiter in Burgwedel? Teammanager Friedrich Kastening (links) hofft auf Unterstützung von Martin Kind (rechts oben eingeklinkt). © Michael Plümer / Debbie Jayne Kinsey
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Seit März konnte der Drittligist Handball Hannover-Burgwedel die Gehälter seiner Spieler nicht mehr zahlen, am Mittwoch reichte der Klub den Insolvenzantrag für die Spielbetriebs GmbH ein. Damit der Verein weiter in der 3. Liga spielen kann, benötigt er Hilfe - und setzt auf Gesellschafter Martin Kind.

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Den Handballern von Hannover Burgwedel droht in der 3. Liga Nord-West das vorzeitige Aus. Es war ein Paukenschlag, als Karsten Höhns am Mittwoch den Insolvenzantrag für die Spielbetriebs GmbH gestellt hat. Der Schatzmeister be­stä­tig­te damit Gerüchte, die in der Szene kursierten, dass der Verein seit März keine Gehälter mehr zahlen konnte.

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Gemäß der Spielordnung des Deutschen Handballbundes bedeutet die Insolvenz nicht Verlust der Spielberechtigung. Dennoch ist jetzt fraglich, ob die Mannschaft von Spielertrainer Marius Kastening im Oktober den Spielbetrieb aufnimmt.

Sponsoren zahlten zwei Jahre nicht

Für Höhns war die Entscheidung unausweichlich. „Corona war nur der endgültige Genickbruch, es gab keine Alternative mehr“, sagt der 64-Jährige. Das Fass zum Überlaufen brachte das Schreiben eines Spielers, dessen Vertrag zum Saisonende nicht mehr verlängert wurde. Dieser trat die Forderungen der ausstehenden Zahlungen an ein Inkassounternehmen ab. Das wandte sich an Höhns mit einem an seine Privatadresse ge­rich­te­ten Schreiben. „Das muss ich mir nicht antun“, sagt der HHB-Schatzmeister. Nach seiner Aussage führten mehrere Dinge zum finanziellen Kollaps.

Seit zwei Jahren stehen die Zahlungen eines der Hauptsponsoren in Höhe eines jeweils mittleren fünfstelligen Euro-Betrages pro Saison aus. „Matthias Kühn kommt den Forderungen trotz mehrfacher Aufforderung von uns nicht nach“, sagt Höhns. Vor allem er selbst und Martin Kind als weitere Gesellschafter der GmbH hätten die Lücken gestopft. „Dazu habe ich keine Lust mehr“, so Höhns. Andere Möglichkeiten gab es nicht.

"Ich mache in der neuen Saison nichts mehr"

Aufgrund der Vertragsgestaltung mit den Spielern sei es nicht möglich gewesen, Kurzarbeitergeld zu be­an­tra­gen. Auch eine beantragte Corona-Hilfe wurde noch nicht gezahlt. Folgerichtig zog Höhns die Reißleine: „Ich mache in der neuen Saison nichts mehr und werde dem Verein auch nicht als Schatzmeister zur Verfügung stehen.“ Sollte sich kein Nachfolger finden, werden die Kosten für den HHB nicht geringer, zumal Höhns mit seiner Kanzlei auch die Lohnabrechnungen übernahm.

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Kastening optimistisch, dass es weitergeht

Weil die vom DHB geforderte Bürgschaft in Höhe von 10 000 Euro – Voraussetzung, um am Spielbetrieb teilzunehmen – hinterlegt sei, ist der sportliche Leiter Friedrich Kastening optimistisch, dass es in der kommenden Saison weitergeht: „Ich arbeite an einer Lösung. In der nächsten Woche weiß ich mehr.“

Die Spieler hoffen, dass es weitergeht. „Wir müssen uns jetzt zusammensetzen, und man muss gucken, ob es zu stemmen ist“, sagt Linksaußen Julius Hinz. Kastening setzt auf die weitere Unterstützung von Kind. Der war am Donnerstag nicht zu erreichen.

Fakt ist: Ohne weitere Hilfe vom 96-Boss ist es schwer vorstellbar, dass es in Burgwedel weiter Drittligahandball gibt. Die Zeit läuft gegen den HHB. Offenbar hat zu­letzt bereits der eine oder andere Verein bei Burgwedeler Spielern angeklopft. TuS Vinnhorst hat Bedarf. Hinz, Kreisläufer Johannes Marx und Torjäger Maurice Dräger würden perfekt ins Anforderungsprofil passen. Für Vinnhorst und den HSV Hannover wäre ein Burgwedeler Rückzug dennoch bitter, da nach der Umsetzung in die unattraktive Staffel Nord-West ein weiteres Derby wegfallen würde. Der Platz bliebe frei. „Burgwedel wäre erster Absteiger“, erklärt Staffelleiter Andreas Tiemann.