28. September 2018 / 17:12 Uhr

Martin Pieckenhagen: Jetzt müssen alle an einem Strang ziehen

Martin Pieckenhagen: Jetzt müssen alle an einem Strang ziehen

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Martin Pieckenhagen (46) stand in der Bundesliga bei Hansa Rostock, dem HSV, Duisburg und Mainz sowie in den Niederlanden bei Heracles Almelo im Tor.
Martin Pieckenhagen (46) stand in der Bundesliga bei Hansa Rostock, dem HSV, Duisburg und Mainz sowie in den Niederlanden bei Heracles Almelo im Tor. © Frank Söllner
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Der frühere Bundesliga-Torwart spricht über das Tief bei Hansa Rostock, die Ursachen und wie man wieder herausfinden kann.

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Herr Pieckenhagen, hätten Sie es nach dem Pokaltriumph gegen Stuttgart vor nicht mal sechs Wochen für möglich gehalten, dass Hansa sich danach in der Liga so schwer tun würde?
Martin Pieckenhagen: Man darf so einen Erfolg nicht überbewerten. Das sind Bonusspiele, in denen jeder Spieler alles abruft. An dem Tag sind viele positive Faktoren zusammengekommen. Deshalb habe ich mich auch nicht zu einer Euphorie hinreißen lassen. Ich wusste, dass schnell der Ligaalltag wieder einkehrt. Dort ist dominanter, kreativer Fußball gefordert, und das fällt Hansa derzeit sehr schwer.

Pieckenhagen: „Keine neuen Spieler dabei, die bei ihren letzten Klubs richtig gezündet haben."

Kann ein solcher Erfolg auch kontraproduktiv sein?
Pieckenhagen: Erfolg ist grundsätzlich immer etwas Positives, das sollte man nicht ins Negative verkehren. Es reicht aber nicht aus, im Pokal erfolgreich zu sein. Hansa hat sich den Aufstieg auf die Fahnen geschrieben, an diesem Anspruch muss man sich nun messen lassen.

Ist das neuformierte Team in der Lage, diesen Anspruch zu erfüllen?
Pieckenhagen: Wenn man als Verein dieses Ziel formuliert, muss sich das an der Transferpolitik ablesen lassen. Wie zum Beispiel beim KFC Uerdingen, der sich prominent verstärkt hat – wobei auch das keine Garantie für Erfolg ist. Bei Hansa waren keine Spieler dabei, die bei ihren letzten Klubs richtig gezündet haben.

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Mit 18 Gegentoren ist Hansa die Schießbude der Liga. Lässt sich das allein am Ausfall von Abwehrchef und Kapitän Oliver Hüsing festmachen?
Pieckenhagen: Nein, das wäre etwas zu einfach. Los geht es beim Torwart. Auf dieser Position geht es darum, dass jemand mit einer gewissen Ausstrahlung hinten drinsteht, der seinen Vorderleuten Sicherheit vermittelt. Ioannis Gelios hat in den vergangenen Jahren noch nicht so viel Erfahrung gesammelt. Regionalligaspiele sind etwas anderes, als in der 3.Liga bei Hansa Rostock zwischen den Pfosten zu stehen.

Aber mit Hüsing fehlt der vielleicht wichtigste Führungsspieler.
Pieckenhagen: Richtig, sein Ausfall fällt auch wegen seiner Persönlichkeit schwer ins Gewicht. Aber das ist während der Transferperiode alles bekannt gewesen, er hat sich ja schon in der Saisonvorbereitung verletzt. Da hätte man reagieren können, aber Trainer Pavel Dotchev und Manager Markus Thiele haben die Schwerpunkte anders gesetzt. Im defensiven Bereich ist relativ wenig passiert. Man hat sich darauf verlassen, dass die Mannschaft wieder das abrufen kann, was letzte Saison gut funktioniert hat.

Manager Thiele hat öffentlich die Berufsauffassung der Profis hinterfragt. Haben Sie diesen Eindruck auch, dass es manchen Spielern an der nötigen Einstellung fehlt?
Pieckenhagen: Ich finde es immer besser, miteinander zu reden anstatt übereinander. Sowas sollte man intern klären. Gerade bei einem Verein wie Hansa ist es wichtig, eine eingeschworene Gemeinschaft zu sein.

Die wechselvolle(n) Geschichte(n) auf der Torhüterposition bei Hansa Rostock seit 2000. Zur Galerie
Die wechselvolle(n) Geschichte(n) auf der Torhüterposition bei Hansa Rostock seit 2000. ©
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Dotchev vermutet, dass der Druck für einige zu groß ist.
Pieckenhagen: Natürlich ist Erfolgsdruck da, wenn man aufsteigen will. Aber das sollte für die Spieler keine Überraschung sein, denn dafür wurden sie ja nach Rostock geholt.

Das Ostderby in Halle ist abgesagt worden, ein Nachteil für Hansa?
Pieckenhagen: Als Spieler wäre ich nach so einem Spiel wie gegen Münster am liebsten gleich am nächsten Tag wieder aufgelaufen. Nichts ist schlimmer als dieses – sorry – Drecksspiel zehn Tage mit sich rumzuschleppen. Das ist grausam.

„Egoismen haben keinen Platz"

Wo muss in dieser krisenhaften Situation der Hebel angesetzt werden?
Pieckenhagen: Man muss ergründen, warum in der Mannschaft anscheinend eine gewisse Zerrissenheit herrscht. Da scheint irgendwas im Argen zu liegen, und an dem Problem sollte intensiv gearbeitet werden. Die hochgesteckten Ziele des Vereins erreicht man nur als Team, da haben Egoismen keinen Platz. Darauf sollten sich alle gemeinsam besinnen und im nächsten Heimspiel gegen Karlsruhe ein Feuerwerk abbrennen.

Wie sehr steht Pavel Dotchev unter dem Druck, jetzt liefern zu müssen?
Pieckenhagen: Als Trainer hat man immer Druck, Pavel kennt das. Ich glaube, dass er aufgrund seiner Erfahrung sehr gut damit umgehen kann. Er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein guter Psychologe ist und weiß, was er machen muss, um eine Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Mit 14 neuen Spielern ist das nicht so einfach, das braucht seine Zeit. Man darf ihn dabei nur nicht alleine lassen, jetzt müssen alle an einem Strang ziehen.

Interview: Sönke Fröbe

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