19. November 2020 / 19:11 Uhr

"Sauer, wenn Jungs nicht alles investieren": Marvin Konopka kann auch anschnauzen

"Sauer, wenn Jungs nicht alles investieren": Marvin Konopka kann auch anschnauzen

Uwe Serreck
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Handballverrückt: Marvin Konopka
 hat bei den Seeprovinzlern alles im Griff.
Handballverrückt: Marvin Konopka hat bei den Seeprovinzlern alles im Griff. © Uwe Serreck
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Während der Zeit des erneuten Lockdowns kann Marvin Konopka zu seinen Spielern nur per Skype oder Telefon Kontakt halten. Der Traum des Trainers der A-Jugend von GIW Meerhandball lebt trotzdem weiter. „Ich möchte es mit den Jungs in die Bundesliga schaffen“, sagt der 29-Jährige.

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Seit er im März 2018 nach dem zweiten Kreuzbandriss seine Laufbahn als Spieler, die bei den Minis der SG Hohnhorst/Haste begonnen hatte, beenden musste, konzentriert sich Konopka voll auf den Trainerjob.

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Alles fing im Alter von 19 Jahren während eines Freiwilligen Sozialen Jahres beim TSV Neustadt mit dem Erwerb der C-Lizenz an. Nach seinem Wechsel als Spieler vom TSV Barsinghausen zur HSG Schaumburg Nord startete der Rückraumakteur als Trainer durch. Obwohl gerade erst 20-jährig, übernahm er gleich die B-Jugend und schaffte im zweiten Jahr die Qualifikation für die Oberliga.

Handball-Oberliga: MTV Vorsfelde gegen MTV Großenheidorn

Handball-Oberliga: MTV Vorsfelde gegen MTV Großenheidorn Zur Galerie
Handball-Oberliga: MTV Vorsfelde gegen MTV Großenheidorn © Boris Baschin

Bentlage holt ihn nach Großenheidorn

Das weckte die Aufmerksamkeit der Konkurrenz. Tobias Bentlage, damaliger A-Jugendtrainer der GIW, holte Konopka zum MTV Großenheidorn. Als Co-Trainer erlebte er 2015/2016 das Jahr in der ­A-Jugend-Bundesliga. Eine Zeit, in der der junge Coach sehr viele Erfahrungen sammelte. Seine Jungs betreut Konopka seit der C-Jugend und hat großen Anteil an deren toller Entwicklung.

„Er investiert viel Zeit und ist mit Herzblut dabei“, sagt Bertrand Salzwedel, Sprecher vom Arbeitskreis Handball des MTV. Konopka fordert viel, lässt seinen Spielern aber die lange Leine: „Ich versuche Kumpeltrainer zu sein, die Jungs sollen ihre Ideen einbringen.“

Risiko ist ausdrücklich erlaubt

Und sie dürfen Fehler machen. Es gibt auch mal laute Worte, „aber je öfter ich einen Spieler anschnauze, desto mehr möchte ich von ihm“, erklärt der Coach. Schließlich gilt: Wer nichts riskiert, hilft der Mannschaft im Spiel auch nicht weiter.

Eine Philosophie, die sich auszahlt. In der Vorbereitung zeigte der Großenheidorner Nachwuchs nicht nur gegen Männerlandesligist HSG Fuhlen-Hessisch Oldendorf, dass er einen großen Schritt nach vorn getan hat.

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„Ich konnte mich während der Jahre mit den Jungs weiterentwickeln“, verrät Konopka. Vor großen Namen zeigt er längst keine Ehrfurcht mehr und bot Fuhlens Trainer, Handballlegende Frank-Michael Wahl – 1980 mit der DDR Olympiasieger in Moskau und 344-facher Nationalspieler –, verbal Paroli.

„Fuhlen hat überhart gespielt. Da habe ich gedroht, das Spiel abzubrechen“, verrät Konopka. In solchen Situation sei es seine Aufgabe, sich vor die Mannschaft zu stellen. Die vielleicht wichtigste Eigenschaft, die er vorlebt, ist es aber, immer an die Grenzen zu gehen und zu vermitteln, dass gegen jeden Gegner etwas geht. „Ich akzeptiere Niederlagen, aber es macht mich sauer, wenn die Spieler nicht alles investieren.“

"Ich brauche das"

Sein langfristiges Ziel als Trainer ist, bei den Männern „Schritt für Schritt“ Fuß zu fassen. Zunächst möchte Konopka mit der dritten Mannschaft, die er in Doppelfunktion betreut, den Aufstieg in die Landesliga schaffen. „Ich möchte eine Liga höher trainieren, als ich selber gespielt habe“, sagt er. In Schaumburg war das die Oberliga. „Wegen meiner technischen und körperlichen Möglichkeiten war das meine Grenze“, sagt er. „Aber von der Spielintelligenz hätte ich mir die 3. Liga zugetraut.“

Handballtrainer zu sein ist für Marvin Konopka nicht nur Teil seines Lebens, sondern ein bisschen auch wie eine Droge. „Ich brauche das und möchte am Wochenende Adrenalin spüren“, sagt er.