25. November 2021 / 22:25 Uhr

Marvin Thiel spricht über Abschied vom VfB Lübeck und Heimatgefühle

Marvin Thiel spricht über Abschied vom VfB Lübeck und Heimatgefühle

Volker A. Giering
Lübecker Nachrichten
Volker Giering (l.) im Gespräch mit Marvin Thiel.
Volker Giering (l.) im Gespräch mit Marvin Thiel. © hfr
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Thiel thematisiert seine Beziehung zu Thorben Deters und Ahmet Arslan sowie seinen zweifachen Knochenbruch

„Es war für mich der erste große und richtige Schritt weg aus Lübeck. Auch, wenn ich nach den ersten zwei Wochen schon Heimweh hatte“, sagt Marvin Thiel offen. Der 26-Jährige war Fan-Liebling und Urgestein beim VfB Lübeck. Im Sommer verließ er die Lohmühle nach neun Jahren. Die Lübecker Nachrichten statteten „Marv“ einen Besuch in der neuen Heimat in Nordrhein-Westfalen ab, wo er beim SV Preußen Münster kickt.

Der Linksverteidiger sitzt in einer ruhigen Ecke an einem Zweiertisch in der Café & Bar Celona in der Innenstadt von Münster, trinkt einen Tee und wartet auf uns. Wie immer trägt er ein Cap – sein Markenzeichen. Wir sprechen zu Beginn des knapp dreistündigen Gesprächs über seine neue sportliche Station beim West-Regionalligisten. „Ich bin schnell in der Mannschaft angekommen“, erzählt er. Da mit „Bezugsperson“ Thorben Deters ein zweiter Ex-VfB-Spieler zu den Adlerträgern gewechselt ist, sei es relativ einfach gewesen, sich einzuleben. Thiel vergleicht das Preußen-Team mit der Lübecker Aufstiegsmannschaft 2020. „Das ist ein eingeschworener Haufen“, sagt er und ergänzt: „Die Jungs haben es mir super einfach gemacht.“

Fernbeziehung mit Freundin Maja

Doch so richtig loslassen konnte er zunächst nicht. Lübeck ist halt sein Lebensmittelpunkt. „Wenn es die Zeit erlaubt, fahre ich gern zurück in den Norden. Ich musste damit erstmal im Kopf klar kommen, so dass ich die ersten fünf bis sechs Wochen hier geblieben bin. Schließlich wollte ich mich schnell in die Mannschaft integrieren.“ Thiel macht keinen Hehl daraus, dass er sehr heimatverbunden ist. „Vor allem die Ostsee vermisse ich. Man merkt erst, wie nah dran und privilegiert der Strand ist, wenn man weggezogen ist“, meint er. Mit Freundin Maja führt er eine Fernbeziehung. Wobei sie sich jedes Wochenende sehen, meistens kommt die 27-jährige Bankerin in den Westen.

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Zweifacher Knochenbruch in DFB-Pokal

Thiel ist in Herrnburg vor den Toren Lübecks aufgewachsen. Deshalb hat er sich eine Zwei-Zimmer-Wohnung in Münster-Roxel genommen. „Zum einen ist das ähnlich ländlich und zum anderen bin ich in circa 15-20 Minuten am Stadion“, berichtet er. Wie beim VfB spielt er Linksverteidiger, wobei sein Pflichtspiel-Einstand bitter war. Bei der 1:3-Niederlage im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg (das Spiel wurde nachträglich wegen eines Wechselfehlers für Münster gewertet) zog er sich einen zweifachen Knochenbruch in der rechten Hand zu. Plötzlich kam „Marv“ ins Grübeln, ob der Wechsel so weit weg von der Heimat richtig war. „Das war ein Knackpunkt. Auf einmal hatte ich viel Zeit, wurde operiert. In diesem Moment realisiert man, wie weit weg man von Freunden und der Familie ist“, gesteht der Konsolen-Fan, „zum Glück hat sich das schnell wieder gelegt.“

Rein sportlich betrachtet hat er den Wechsel zu keinem Zeitpunkt bereut. „Wir haben einen guten und breiten Kader“, erklärt der ältere Bruder von Dustin Thiel (25, 1. FC Phönix Lübeck). Die Preußen sind Tabellenzweiter, nur einen Punkt hinter Top-Favorit Rot-Weiß Essen. „Es macht viel Spaß in der Mannschaft. Zudem ist die Liga mit Teams wie Essen, Aachen und Oberhausen viel attraktiver und das Niveau höher“, betont der Außenbahnspieler. Die Fans sind heiß auf den Klub. Im Schnitt kommen über 5.000 Zuschauer zu den Heimspielen an der Hammer Straße. „Der Verein gehört in die 3. Liga, wo er zehn Jahre gespielt hat.“ Ein Aufstieg ist aber kein Muss. „Wir wollen besser als im Vorjahr (Dritter, die Red.) auslaufen.“

VfB bleibt in Thiels Herzen

Vor uns haben ihn auch schon einige Lübecker Kumpels wie Kevin Berens und Nico Poehls in Münster besucht. Mit Ahmet „Ahmo“ Arslan (Holstein Kiel), mit dem er zu VfB-Zweiten bis Sommer 2020 in einer WG in St. Lorenz wohnte, ist er weiter regelmäßig im Kontakt – telefonisch oder via Facetime. Auch wenn Thiel eher ein zurückhaltender Typ ist, fühlt er sich mittlerweile pudelwohl in Münster. Der VfB wird immer in seinem Herzen bleiben. Daran ändert auch der erste große und richtige Schritt weg aus Lübeck nichts.