13. März 2020 / 15:46 Uhr

Marvin Westenberger vor zehn Jahren: Übungseinheiten an der Säbener Straße

Marvin Westenberger vor zehn Jahren: Übungseinheiten an der Säbener Straße

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Marvin Westenberger vom BSC Preußen mit einem Trikot, dass alle Teilnehmer des Trainings in München erhielten.
Marvin Westenberger vom BSC Preußen mit einem Trikot, dass alle Teilnehmer des Trainings in München erhielten. © privat
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Vor zehn Jahren: Das Nachwuchstalent trainierte im März 2010 beim FC Bayern München.

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Die Erinnerungen an die vielleicht aufregendsten Tage seines Sportlerlebens sind natürlich noch lebendig – die Eindrücke der großen Reise an die große Säbener Straße, in der deutschen Fußballwelt eine Adresse wie die Wallstreet oder der Petersplatz. „So etwas bleibt immer präsent, das waren ja ganz besondere Momente, die sich eingebrannt haben“, sagt Marvin Westenberger, inzwischen 23 Jahre alt. Im März 2010 hatte er ein Training beim FC Bayern München an der legendären Heimstätte des Weltclubs absolviert. Qualifiziert hatte er sich als bester Spieler des Vorrundenturniers des „real,- junior cup 2009“, eines Streetballturniers, das auf dem Parkplatz des Südring-Centers in Rangsdorf ausgetragen worden war. Dann: München, die Welt des Glamours.

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„Ich kam in Begleitung meiner Mutter und meines Bruders an der Säbener Straße an. Es war sehr voll. Nach der Anmeldung gingen wir in die Kabinen, wo ich mich sehr unwohl fühlte, da alle Kinder mit einer großen Tasche und mindestens drei paar Schuhen kamen“, erinnert sich der Mittelfeldmann des Landesligisten BSC Preußen Blankenfelde-Mahlow mit einem Schmunzeln. „Ich hatte einen guten alten Just-Sports-Rucksack und ein Paar Fußballschuhe.“

Es folgte eine individuelle Erwärmung, anschließend wurden die Kicker einem Team zu gelost. „Es war kein Sichtungstraining, wie ich es mir vorgestellt hatte mit verschiedenen Übungen zur Leistungsermittlung, sondern einfach nur Fünf-gegen-fünf-Spiele ohne Schiri“, erinnert sich Marvin Westenberger, damals Kapitän des C-Juniorenteams des SV Rangsdorf, die eine Spielgemeinschaft mit dem SV Blau-Weiß Dahlewitz bildeten und in der Landesklasse Süd antraten. „Die Spieler mussten somit selbst entscheiden, wann es Foul oder Aus war. Die Tore spielten keine Rolle und ein Scout beobachtete immer ein Feld. Ich kann daher nicht sagen, was genau beurteilt wurde.“

Auch in der Märkischen Allgemeinen war das große Abenteuer natürlich ein Thema.
Auch in der Märkischen Allgemeinen war das große Abenteuer natürlich ein Thema. © privat

Trotz aller Begeisterung und des Umstandes, dass er am Sonntag des Wochenendes auch noch seinen 14. Geburtstag feierte, sorgt das Training auch für eine gewisse Ernüchterung. „Ja, ich war enttäuscht, da ich mir unter einem Sichtungstraining etwas anderes vorgestellt habe. Ich habe mit verschiedenen Übungen gerechnet wie Abschluss-, Zweikampf- oder Sprinttraining und nicht mit einfachen Ball hinwerfen und spielen.“

Auch in den Rückblick mischen sich deshalb leise Zwischentöne über die Aktion, die naturgemäß zwischen PR und einer ernsthaften sportlichen Entwicklungschance schwankt und bei Kindern auch für tiefe Enttäuschung sorgen kann. „Es war ziemlich einfach, in den Alltag zurückzukehren“, sagt Marvin Westenberger. „Ich hatte nur ein bis zwei Interviews und ansonsten wurde darum auch so gut wie kein Wort verloren.“ Trotzdem bleibt unter dem Strich ein Wochenende der Superlative: Es gab beispielsweise einen Besuch der imposanten Allianz Arena. Alle Teilnehmer des Sichtungstrainings fuhren zum Bundesligaspiel FC Bayern München gegen SC Freiburg in die Heimstätte des Starensembles. „Ich war bisher nur bei zwei Hertha-Spielen. Eigentlich bin ich Werder Bremen-Fan, weil ich das Management und die lange Zusammenarbeit mit Thomas Schaaf gut finde“, hatte Marvin Westenberger damals vorab der Märkischen Allgemeinen gesagt.

In Bildern: Die Brandenburger "Helden der Woche" der Saison 2019/20.

Die Brandenburger Helden der Woche der Saison 2019/20. Zur Galerie
Die Brandenburger "Helden der Woche" der Saison 2019/20. ©

Der talentierte Kicker spielte später noch bis zum Männerbereich für seinen Jugendverein SV Rangsdorf 28, bevor der nächste Entwicklungsschritt folgte. „Da ich sehen wollte, wie weit oben ich spielen kann, habe ich mich für einen Wechsel zum BSC Preußen 07 Blankenfelde-Mahlow entschieden“, sagt der Rechtsfuß, der eine Ausbildung zum Sozialversicherungsfachangestellten (Sozifa) bei der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg absolviert. „Ich ging vorerst in die zweite Männermannschaft, um mich an den Fußball zu gewöhnen und half im ersten Jahr dort in der ersten Mannschaft in der Rückrunde aus, da sie einige Verletzte hatten“, berichtet Marvin Westenberger. „Ich hatte gemerkt, dass ich auch in der Landesliga Fuß fassen kann. Ich merkte aber auch, dass ich gerade im technischen Bereich große Defizite hatte und diese sind auch heute noch spürbar.“

Dazu kam eine Verletzung im ersten Spiel in der Aufstiegssaison, die zum Handicap wurde. „Die hat mich zurückgeworfen und ich habe fast alle Spiele dadurch verpasst. Mein Ziel mit dem BSC ist es, langfristig wieder in die Brandenburgliga aufzusteigen“, sagt Marvin Westenberger, „da das Team das Potenzial hat, auch dort zu bestehen. Diese Saison hatten wir einen schweren Start, jedoch haben wir uns jetzt etwas gefangen.“