02. Februar 2019 / 06:00 Uhr

Gladbach-Star Matthias Ginter über Titel-Chancen, seine Gesichtsverletzung und Ziele beim DFB

Gladbach-Star Matthias Ginter über Titel-Chancen, seine Gesichtsverletzung und Ziele beim DFB

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Gladbach-Star und Nationalspieler Matthias Ginter sagt gegenüber dem SPORTBUZZER, dass er großes Potenzial in der Borussia sehe.
Gladbach-Star und Nationalspieler Matthias Ginter sagt gegenüber dem SPORTBUZZER, dass er großes Potenzial in der Borussia sehe. © imago/Uwe Kraft
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Borussia Mönchengladbach und Matthias Ginter - das passt. In seiner zweiten Saison in Gladbach zählt der ehemalige BVB-Star zu den absoluten Leistungsträgern. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Nationalspieler über seine Ziele, das Gladbacher Potenzial und über seine Zukunft im DFB-Team.

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Matthias Ginter ist einer der Schüsselspieler von Borussia Mönchengladbach. Der deutsche Nationalspieler (23 Länderspiele) blüht in dieser Saison regelrecht auf und ist fester Bestandteil der Mannschaft von Trainer Dieter Hecking. Auch Innenverteidiger Ginter ist dafür mitverantwortlich, dass Gladbach in der Bundesliga-Tabelle auf Rang drei hinter Borussia Dortmund und dem FC Bayern München liegt. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der Gladbacher unter anderem über seine schwere Gesichtsverletzung und Titelchancen mit Borussia Mönchengladbach.

SPORTBUZZER: Herr Ginter, am Samstag geht es mit Gladbach zu Schalke 04. Ist ein Spiel gegen die „Königsblauen“ für einen ehemaligen „Schwarz-Gelben“ eigentlich noch immer etwas Besonderes?

Matthias Ginter (25): Die Erinnerungen an die Revier-Derbys sind noch lebendig. Mit Gladbach auf Schalke zu spielen, ist aber anders. Auch das Publikum sieht mich nicht mehr als ehemaligen Dortmunder. Was sich nicht geändert hat: Ich fahre dorthin, um zu gewinnen – ob früher im BVB- oder heute im Borussia-Trikot.

Im November erlitten Sie eine schwere Gesichtsverletzung, seit dem Rückrundenstart spielen Sie wieder, als sei nichts geschehen. Wie sieht es in Ihnen aus?

Es war wichtig, dass ich mir klargemacht habe, dass meine Verletzung nicht aus einem klassischen Kopfballduell oder einem üblichen Zweikampf resultierte. Dass zwei Spieler im Mittelfeld in vollem Tempo mit den Köpfen ineinanderrasen, wie das bei mir und meinem Gegenspieler der Fall war, passiert wohl höchstens alle zehn Jahre mal. Deshalb hatte ich nach meiner Rückkehr vom ersten Augenblick an auch keine Angst vor Kopfbällen oder Zweikämpfen und konnte bereits im Training relativ schnell auf die Schutzmaske verzichten.

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Juan Arango, Marko Marin und Mo Idrissou - nur drei ehemalige Gladbach-Stars, die nicht nur "Fohlen"-Fans ein Begriff sind. Der SPORTBUZZER zeigt 50 Ex-Borussen und was aus ihnen wurde. ©
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Ginter hatte bei der Augen-Verletzung "Glück im Unglück"

Sie sollen großes Glück gehabt haben, dass der Sehnerv nicht verletzt wurde?

Das ist richtig. Aber ich bin grundsätzlich jemand, der versucht, auch das Positive in den Dingen zu sehen, die mir passieren. Soll heißen: Unterläuft mir ein Eigentor, ist das nicht schön. Es könnten aber auch drei sein, also ist eins gar nicht ganz so schlimm. (lacht)

Ein Eigentor ist etwas anderes als der drohende Verlust des Augenlichts ...

Selbstverständlich. Aber nachdem mir das Ausmaß meiner Verletzung beziehungsweise das, was hätte passieren können, bewusst war, mir der Arzt aber gleichzeitig bestätigt hat, dass nichts zurückbleiben wird, konnte ich das Ganze als Glück im Unglück begreifen. Diese Einstellung macht es mir grundsätzlich leichter und hat mir zum Beispiel sehr dabei geholfen, in der Reha vom ersten Tag an konzentriert an meinem Comeback zu arbeiten.

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Mit den Terroranschlägen von Paris 2015 und dem Attentat auf den BVB-Mannschaftsbus 2017 mussten Sie schon mal zwei sehr existenzielle Erfahrungen verarbeiten ...

In der Tat ist es wohl eher ungewöhnlich, dass man gleich eine Reihe solcher Erfahrungen machen muss. Nach den Anschlägen von Paris habe ich mir noch gesagt „Das erleben zu müssen ist wohl auch nicht sehr viel wahrscheinlicher als ein Lottogewinn“ und habe das Ganze damit recht gut verarbeitet. Als der Schrecken anderthalb Jahre später mit dem Attentat auf den BVB-Bus aber noch viel näher an mich herankam, habe ich länger gebraucht, damit klarzukommen. Aber selbst da habe ich mir immer wieder gesagt, dass es noch deutlich schlimmer hätte kommen können für uns.

Haben diese Erlebnisse Ihren Blick auf den Fußball verändert?

Eigentlich habe ich schon immer die Meinung vertreten, dass es – wenn es hart auf hart kommt – weit Wichtigeres im Leben gibt als Fußball. Dennoch bewegt man sich als Profi oft wie in einem Tunnel und vergisst, dass Gesundheit, Freundschaften etc. viel wichtiger sind als jeder Sieg. Ich erinnere mich sehr gut an meine ersten Spiele als Profi, gefühlt habe ich damals wirklich jeden Artikel über mich gelesen. Mit den Jahren aber ist es mir gelungen, eine gewisse Gelassenheit und Souveränität zu entwickeln. Die Erfahrungen von Dortmund und Paris mögen daran einen Anteil haben.

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Borussia ist aktuell auf Kurs Champions League, allerdings stehen Spieler wie Hazard oder Hofmann schon wieder bei anderen Klubs auf dem Zettel. Haben Sie Angst, dass man die Früchte nie wird ernten können?

Auch im Fußball ist die Nahrungskette nun mal so, dass Groß Klein frisst. Ich erinnere mich gut an meine Zeit in Freiburg. Auch dort konnten die besten Spieler nie gehalten werden. Und spätestens, wenn die ganz Großen anklopfen, Barça, Real oder Bayern, wird es für jeden anderen Klub schwierig. Nur wenn es mal für ein, zwei Transferperioden gelingt, solche Angebote auszuschlagen, und ein Team über einen längeren Zeitraum zusammenbleibt, sind Erfolge möglich, wie zuletzt vor sieben, acht Jahren zum Beispiel in Dortmund.

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Hat Borussia Mönchengladbachs Mannschaft, wenn sie zusammenbleibt, das Zeug, Titel zu holen?

Ich glaube fest daran, dass wir sehr großes Potenzial haben. Wir haben zwar viele junge Spieler, die verfügen aber dennoch schon über einige Erfahrung. Mit den Älteren ergibt das eine Mischung, mit der hier etwas entstehen kann. Allerdings ist es im Fußball grundsätzlich schwer, auch nur ein oder zwei Jahre vorauszublicken. Trotzdem: Stand heute blicke ich für Borussia sehr positiv in die Zukunft.

Gilt dies auch für Ihre eigene Zukunft beim DFB?

Ich bin mit wenigen Unterbrechungen seit knapp fünf Jahren bei der Nationalmannschaft und durfte in dieser Zeit viel miterleben. Nach der WM und dem zurzeit laufenden Umbruch lief es für mich gut – da will ich dranbleiben und dabei helfen, dass Deutschland wieder erfolgreicheren Fußball spielt.

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