15. September 2020 / 18:10 Uhr

Matthias Große: „Wir haben unser Gold im Schrank, das müssen wir rausholen und nutzen“

Matthias Große: „Wir haben unser Gold im Schrank, das müssen wir rausholen und nutzen“

Peter Stein
Märkische Allgemeine Zeitung
Matthias Große ist der Lebensgefährte von Claudia Pechstein.
Matthias Große ist der Lebensgefährte von Claudia Pechstein. © Bernd Gartenschläger
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Der aus Brandenburg stammende Matthias Große, Immobilien-Unternehmer und Lebensgefährte von Olympiasiegerin Claudia Pechstein, kandidiert als deutscher Eisschnelllauf-Präsident.

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Matthias Große will sich am Samstag in Frankfurt/Main zum Präsidenten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) wählen lassen, die er seit dem 18. Juni kommissarisch führt. Der 52 Jahre alte Berliner Immobilien-Unternehmer stammt aus Lübbenau im Spreewald. Nach dem Abitur studierte er an der militärpolitischen Hochschule in Minsk. Dann kam der Mauerfall und der Meister des Sports der UdSSR – im Kraftsport – kehrte im Dezember 1989 zurück. Er arbeitete als Toilettenmann und Türsteher in einem Hotel, dann als Fitness-Trainer. Nun ist er Immobilien-Unternehmer mit 200 Mitarbeitern. Er hat den bekannten Müggelturm in Köpenick wiedereröffnet. Große ist Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein.Im Interview spricht er darüber, wie er die DESG sanieren und zurück in die Erfolgsspur führen will.
Warum wollen Sie DESG-Präsident werden?
Matthias Große: Weil die DESG es verdient, gerettet zu werden – und zwar sowohl sportlich als auch finanziell. Es darf nicht sein, dass ein olympischer Spitzenverband mit einer solchen Erfolgshistorie im Nichts verschwindet.
Im Frühjahr hieß es, der Schuldenberg des Verbandes beträgt 400 000 Euro. Wie wollen Sie den abtragen?
Der Verband hat aktuell keine Schulden, die drohenden Finanzprobleme werden wir mit der B&O-Gruppe als neuen Hauptsponsor lösen können. Der Verband steckt seit vielen Jahren aber in großen strukturellen Schwierigkeiten. Die möchte ich mit meiner Mannschaft lösen.
Was heißt Mannschaft?
Einer alleine kann die DESG nicht retten. Statt einer One-Man-Show gibt es ein komplettes Präsidium, dass ebenfalls zur Wahl antritt. Mit Nadine Seidenglanz ist zudem schon eine absolute Verstärkung an meiner Seite, die zehn Jahre für den niederländischen Verband KSNB gearbeitet hat und in der DESG die Aufgaben des Sportdirektors übernommen hat. Hinzukommen mit Daniel Gäsche ein TV-Profi als neuer Pressesprecher und weitere ehrenamtliche Mitarbeiter. Alle meine Leute nehmen ihren Job sehr ernst. Aber einer muss ja die Führung übernehmen und das bin ich.
Sie haben in den letzten Wochen unter anderen den Bundestrainer und den Sportdirektor vor die Tür gesetzt. Warum?
Ganz einfach: Weil wir sportlich nicht erfolgreich waren und die beiden aus meiner Sicht weder die fachliche noch die soziale Kompetenz besessen haben, Führungsaufgaben innerhalb der DESG zu übernehmen. Im Sport zählen nun mal Erfolge und daran wollen wir uns auch messen lassen. Zwei Dinge sind dabei maßgeblich: Mit Patrick Beckert auf den Langstrecken und Nico Ihle im Sprint haben wir zwei Athleten, die 2022 bei den Olympischen Spielen in Peking um die Medaillen laufen können. Auch in der Teamverfolgung muss das möglich sein. Wir haben ganz viele junge, erfolgversprechende Sportler. Mein großes Ziel ist es deshalb, dass wir 2026 auf allen olympischen Strecken im Eisschnelllauf und im Shorttrack am Start sind. Das wäre für mich schon eine Goldmedaille.
Hat Deutschland überhaupt die Voraussetzungen dafür?
Auf jeden Fall. Wir haben als einziges Land in Europa drei Eisschnelllaufhallen, auch die Bedingungen für die Shorttracker sind gut. Wir haben die Talente und die Trainer sowie das wissenschaftliche Know-how. Das alles muss nur richtig eingesetzt und optimiert werden. Dafür habe ich ein Konzept. Wir haben einige olympische Medaillengewinner, die als Trainer arbeiten. Das ist unser Gold im Schrank, das wir rausholen und nutzen müssen. Ich kenne die Probleme. Ich habe extra einen Ideen- und Kummerkasten einrichten lassen. Da gibt es jede Menge E-Mails an mich persönlich. Die Betreffenden warten auf Antworten und darauf, dass den Worten auch Taten folgen.
Stimmt es, dass jeder Olympia-Teilnehmer 2022 von der DESG 5000 Euro bekommt?
Immer vorausgesetzt, dass ich gewählt werde, stellen wir diese Prämien über Sponsoren zur Verfügung. Der Athlet bekommt 5000 Euro, sein Verein noch einmal 4000 Euro und der betreffende Landesverband 1000 Euro. Ich stehe übrigens zu meinem Wort, habe selbst den Verband bereits mit 250 000 Euro unterstützt und weitere Sponsoren gewonnen.
Gibt es einen Gegenkandidaten bei der Wahl am Samstag?
So weit mir bisher bekannt ist nicht. Aber ich kann nicht in die Glaskugel schauen und sagen, was passiert.
Apropos passieren. Was geschieht, wenn Claudia Pechstein ihre Karriere beendet. Hört dann auch Matthias Große als DESG-Präsident auf?
Nein. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Nur insofern, dass ich durch Claudia im November 2009 überhaupt erst zum Eisschnelllaufen gekommen bin, weil ich sie beim Kampf gegen ihre Unrechtssperre unterstützen wollte. Wenn ich gewählt werde, bringe ich mich mit voller Kraft ein. Unabhängig davon, wie lange Claudia noch weiterlaufen wird.
Haben Sie vorher schon mal auf dem Eis gestanden?
(lacht): Ja, beim Eishockey. Anfang der 1990er-Jahre kamen auch einige Eisbären-Spieler in meine damalige Disco. Im Gegenzug haben sie mich beim Training zum Spaß mal ins Tor gestellt, damit die Jungs mich abschießen konnten.