10. September 2020 / 12:39 Uhr

Matthias Maucksch: Warum ihm Fürstenwaldes Gastspiel bei Ex-Klub VfL Wolfsburg nicht schmeckt

Matthias Maucksch: Warum ihm Fürstenwaldes Gastspiel bei Ex-Klub VfL Wolfsburg nicht schmeckt

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Maucksch
Matthias Maucksch: Im VfL-Aufstiegsjahr 1997 bis zu einer schweren Verletzung Abwehrchef, kommt nun als Trainer mit Fürstenwalde im Pokal zum Ex-Klub. © dpa / Imago Images
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Corona macht's möglich. Heimspiel für Bundesligist VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr) gegen Viertligist Union Fürstenwalde. Dessen Coach Matthias Maucksch war VfL-Aufstiegsheld 1997 und verrät im SPORTBUZZER-Interview, warum ihm dieses Gastspiel nicht schmeckt.

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Der Gegner ist in der hiesigen Region fast unbekannt, der VfL Wolfsburg am Samstag (15.30 Uhr) als Bundesligist und Gastgeber Favorit, das Erstrunden-DFB-Pokalspiel gegen Union Fürstenwalde ist dennoch speziell – durch seinen Wiedersehensfaktor und damit zusammenhängende Geburtstage. Trainer von Union Fürstenwalde ist ein fast vergessener Wolfsburger Aufstiegsheld von 1997, Matthias Maucksch. Genau an seinem Geburtstag stieg der VfL in die Bundesliga auf. Maucksch schaute da – schon lange verletzt – nur zu. Nun gibt es ein Wiedersehen im Pokal. Genau am Tag des 75. VfL-Geburtstages. WAZ-Sportredakteur Jürgen Braun sprach mit dem 51-Jährigen Dresdner.

Wo erwische ich Sie gerade?

Ich bin unterwegs von Dresden nach Fürstenwalde, der dritte Corona-Test steht an. Von vieren.

Das klingt nicht begeistert?
Na ja, es sind die Regeln. Verstehen muss man es nicht. Vor dem Pokalspiel und danach dann auch wieder spielen wir wieder in der Regionalliga, gegen ungetestete Teams. Die Logik erschließt sich mir nicht so ganz, warum es in Duellen mit Bundesligisten mit den Tests so sein soll und ansonsten nicht.

Wie ist denn das Pokal-Los Wolfsburg bei Ihnen und in der Mannschaft aufgenommen worden?

Ich persönlich fand es angenehm, ich mag es, wenn es gegen einen meiner Ex-Klubs geht, ich ein paar Bekannte wiedertreffe. Ehrlich gesagt, wünscht man sich natürlich für die Mannschaft ein anderes Los.

Beim Heimrechttausch wird sich Ihre Begeisterung dann wohl auch in Grenzen gehalten haben?

Auf jeden Fall. Das ist sportlich für mich einfach nicht nachzuvollziehen. Unser Platz sei zu kurz, ein Turm für TV-Kameras fehlt... Wir haben ja nicht einmal schlechte Bedingungen, aber wenn man den kleinen Vereinen genau diese Möglichkeiten nimmt, in ihrem vielleicht engen Stadion, auf unebenem Platz, mit Kabinen, die nicht den Luxus der Bundesligisten haben... Wen man diese Chance wegnimmt, die Großen unter den Bedingungen der Kleinen zu fordern, das raubt dem DFB-Pokal doch den Charme, die Seele. Und bei manchem könnte das Gefühl aufkommen, man will die Kleinen schnell aus dem Pokal raus haben.

Heißt also, Union Fürstenwalde verliert also in Wolfsburg und fertig?

Nein. Aber jetzt, auch noch auswärts, es wäre eine Überraschung für uns, wie ein Sechser im Lotto. Aber: Wir fahren nicht dahin mit der Einstellung, möglichste keine sechs Tore zu kassieren. Wir fangen bei 0:0 an und wollen das Beste rausholen.

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Als Libero beim VfL Wolfsburg standen Sie quasi für die Null, bis zu ihrem Kreuzbandriss im Training nach dem ersten Rückrundenspiel 1997 hatten sie jedes Spiel in jener Aufstiegssaison über die volle Zeit gemacht, das Team hatte bis dahin neunmal zu Null gespielt, nur 12 Gegentore kassiert. Stehen Sie als Coach immer noch für Defensive?

Wir wollen guten Fußball spielen, Fakt ist jedoch, dass zu viele Gegentreffer schlecht sind. Tore zu schießen ist schwieriger als Tore zu verhindern. Unsere Partien in der Regionalliga waren mir in der Hinsicht zuletzt ein wenig zu wild.

Es läuft aber nicht so schlecht. Nach dem Titel im Brandenburg-Pokal gab es drei Siege und zwei Niederlagen, ihre Mannschaft hatte aber viele Abgänge…

Wir hatten 13 Abgänge, davon sieben Stammkräfte. Dafür war der Start okay. Und das Pokalspiel in Wolfsburg wird für die vielen jungen Spieler eine gute Erfahrung.

Wie sind Ihre Kontakte nach Wolfsburg, wann waren Sie zuletzt hier?

Zum Jubiläum 20 Jahre Aufstieg, Kontakt habe ich noch zu den älteren im Verein wie Roy Präger, Holger Ballwanz, Mathias Stammann. Zu Michael Spies. Und auch mit Gucci, Peter Kleeschätzky, habe ich Kontakt.

Sie sind nun schon zum dritten Mal bei Union Fürstenwalde. Wie kam es zu diesem Wechselspiel?

Ich war mit meinem Team 2016 in die Regionalliga aufgestiegen, aus familiären Gründen habe ich dann aufgehört, habe danach als Sportlehrer gearbeitet. Da habe ich gemerkt, das ist nichts für mich - wenn die Schüler halt einfach mal nicht kommen, sagen ,dann geben Sie mir eben eine 6‘. Union spielte gegen den Abstieg, sie fragten, ich stieg ein, wir haben die Klasse gehalten. 2018 kam ein Drittliga-Angebot aus Lotte, danach eine Offerte vom BFC Dynamo, beides war nicht so, wie erwartet. Der Kontakt zu Fürstenwalde war immer gut und immer da, die Gegend ist wunderschön. Also bin ich wieder hier.