23. Juni 2020 / 18:35 Uhr

Matthias Steinborn vor dem Relegationshinspiel mit Lok Leipzig: "Wir sind brutal fokussiert"

Matthias Steinborn vor dem Relegationshinspiel mit Lok Leipzig: "Wir sind brutal fokussiert"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
In Zeiten der Corona-Krise muss bei Matthias Steinborn das Treppenhaus als Trainingsplatz herhalten.
Trägt seit 2018 das Trikot des 1. FC Lok Leipzig: Matthias Steinborn. © Christian Modla
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Regionalliga Nordost: Der 31 Jahre alte Offensivspieler Matthias Steinborn trifft mit seinem 1. FC Lok Leipzig in zwei Begegnungen auf den SC Verl.

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181 Regionalliga-Spiele hat Vollblut-Fußballer Matthias Steinborn inzwischen auf dem Buckel und in dieser Zeit im Trikot des 1. FC Magdeburg (2013 bis 2015), SV Babelsberg 03 (2015 bis 2017), dem BFC Dynamo (2017 bis 2018) und dem 1. FC Lok Leipzig (seit 2018) eine ganze Menge erlebt. Die aktuelle Lage vor den anstehenden Relegationsspielen seiner Blau-Gelben aus der Messestadt gegen den SC Verl beschreibt der 31-Jährige trotz aller Erfahrung als "Wahnsinn".

Wenn am Donnerstag (17 Uhr/live im MDR und bei MagentaSport) im altehrwürdigen Bruno-Plache-Stadion der Anpfiff zum Spiel gegen den Tabellenzweiten der Regionalliga West (Staffelsieger SV Rödinghausen meldete nicht für die 3. Liga) ertönt, liegt das letzte Leipziger Ligaspiel (ein 4:2-Heimsieg gegen den ZFC Meuselwitz) 118 Tage zurück. "Die folgende Ungewissheit war am schlimmsten", sagt Steinborn mit Blick auf die erst am 5. Juni vom Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) getroffene Entscheidung, die Saison abzubrechen und nach der Quotientenregel zu werten. Dadurch überholten die Lok-Kicker in der Tabelle die VSG Altglienicke und vertreten die Regionalliga Nordost im Kampf um die 3. Liga.

Ausreden zählen für den Europapokalfinalisten von 1987 dann trotz aller widrigen Umstände nicht. "Nach so langer Zeit können die Abläufe natürlich nicht wie gewohnt sitzen, umso mehr kommt es auf Einstellung und Leidenschaft an. Wir sind brutal fokussiert und werden in den mindestens zweimal 90 Minuten alles in die Waagschale werfen", sagt der gebürtige Berliner Steinborn, der mit neun Saisontreffern der erfolgreichste Lok-Torschütze ist. "Wir haben eine sehr erfahrene Mannschaft mit einer überragenden Mentalität. Die haben wir in der Saison bereits bei zahlreichen Spielen unter Beweis gestellt, als wir nach Rückständen noch gewonnen haben."

In Bildern: Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit 2012/13. Stand: 16. März 2020

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Das sind die Rekordspieler der Regionalliga Nordost seit der Saison 2012/13. ©

In der Spielzeit 2014/15 stand Steinborn im Aufstiegskader des 1. FC Magdeburg, kam unter Trainer Jens Härtel in den beiden Entscheidungsspielen gegen die Kickers aus Offenbach (1:0, 3:1) allerdings nicht zum Einsatz. "Natürlich hätte ich mir gewünscht, auf dem Platz zu stehen, aber man saugt das ja trotzdem alles auf und vergisst das nicht. 24.000 Zuschauer im Hinspiel in Magdeburg, ein Hexenkessel in Offenbach und am Ende steigt man auf - das war überragend", sagt der Kicker mit der Rückennummer sieben, der beim BFC Dyamo mit dem Kicken begann, stets ein Vorbild an Einsatz ist und auf seinen Stationen bei den Fans immer ganz hoch im Kurs stand.

Lok-Trainingslager in der Sportschule Egidius Braun

Dass die anstehenden Partien, auf die sich die Leipziger vom bundesliga-erfahrenen Trainer Wolfgang Wolf im Trainingslager in der Sportschule Egidius Braun im Nordosten Leipzigs vorbereiten, ohne Zuschauer stattfinden, ist für ihn eine Katastrophe. "Ich hätte nie gedacht, dass Zuschauer beim Fußball wirklich so wichtig sind. Aber wenn ich aktuell Bundesliga-Spiele sehe, bekomme ich ja eher Lust, meinen Staubsauger rauszuholen und die Wohnung auf Vordermann zu bringen", sagt Steinborn, der nie um einen knackigen Satz verlegen ist. Er hätte daher, in Anbetracht der Umstände, auf Relegationsspiele verzichtet und fünf Regionalligisten aufsteigen lassen.

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"Dann wäre in der kommenden Saison eben ein Team mehr aus der 3. Liga abgestiegen. Was jetzt für ein Aufwand betrieben und zusätzliches Geld investiert wird, um die Spiele zu ermöglichen, ist auf Regionalliga-Niveau schon verrückt", sagt der Rechtsfuß, dessen auslaufender Vertrag sich im Fall eines Aufstiegs automatisch um zwei Jahre verlängern würde. "Wir wollen mit aller Macht hoch, das war vom ersten Spieltag an unser Ziel", stellt "Steini" klar und würde bei der anschließenden Aufstiegssause trotz aller Einschränkungen sicherlich ebenfalls Führungsqualitäten an den Tag legen.