09. April 2020 / 10:00 Uhr

Die neuen Superstars: Matthijs de Ligt im Porträt – Vom "Fatty" zum Heilsbringer

Die neuen Superstars: Matthijs de Ligt im Porträt – Vom "Fatty" zum Heilsbringer

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Matthijs de Ligt wechselte für die Rekordsumme von 75 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin. 
Matthijs de Ligt wechselte für die Rekordsumme von 75 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin.  © imago images / LaPresse
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Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sind noch da, aber die nächste Generation lauert schon – der SPORTBUZZER stellt die neuen Superstars des Fußballs in einer Serie mit eingebettetem Podcast vor. Teil vier: Matthijs de Ligt von Juventus Turin.

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Als Heiko Westermann Ajax Amsterdam 2017 nach einer Saison verließ, war sein Auftrag erfüllt. Dabei stand der ehemalige Verteidiger des Hamburger SV selten auf dem Platz. Dafür war er von Trainer Peter Bosz auch nicht geholt worden. "Eine meiner Aufgaben bei Ajax war, mich Matthijs de Ligts anzunehmen. Das war mit dem Trainer so vereinbart", sagt Westermann. "Ich habe schnell gemerkt, dass Matthijs ein riesiges Talent ist, das viel Spielzeit bekommen würde. Deshalb war es für mich kein Problem, ihn zu unterstützen."

Aufgabe erfüllt: Als Westermann Ajax Richtung Austria Wien verließ, bedankte sich unter einem Facebook-Post des Vereins auch de Ligts Großmutter bei dem Deutschen. "Als Matthijs’ Oma will ich mich herzlich dafür bedanken, dass du meinen kleinen Matthijs super begleitet hast. Er hat viel von dir gelernt. Super, dass du ihn nach Hause gebracht hast, wenn es wieder spät wurde", schrieb sie. Westermann klärt auf: "Er war damals 17 Jahre alt und hatte keinen Führerschein. Ich habe ihn ein-, zweimal nach dem Training nach Hause gebracht, wenn es später wurde. Deswegen hat mir seine Oma gedankt."

Experte Mulder: "De Ligt hat eine Siegermentalität"

Heute braucht de Ligt keinen Aufpasser mehr. Aus dem kleinen Jungen aus den Niederlanden ist ein Volksheld geworden – mit nur 20 Jahren. Im Sommer wechselte er für 75 Millionen Euro plus Nebenkosten von Ajax zu Juventus Turin, ist Stammspieler in der „Elftal“ und wird in seiner Heimat als Heilsbringer einer ganzen Fußballgeneration angesehen. „Wir sind inzwischen in der Lage Verteidiger auszubilden. De Ligt ist das perfekte Modell dieser Vision. Er vereint eine starke Zweikampfführung mit einem sehr guten Aufbauspiel. Er ist körperlich stark und hat eine Siegermentalität“, sagt der Ex-Schalker und heutige TV-Experte Youri Mulder.

Noch mehr Infos, Experten-Einschätzung & Co.: Hier geht es zum Podcast zur neuen SPORTBUZZER-Serie

Abzusehen war das nicht, als Ajax de Ligt beim FC Abcoude erstmals beobachtete. "Zu dick, zu langsam, zu unbeweglich" soll der Scout geschrieben haben. Dennoch lotste der Verein Matthijs in die Ajax-Akademie. Dort entwickelte er sich zum Innenverteidigertalent – mit Westermanns Hilfe. "Er wollte immer wissen, wie man sich in bestimmten Situationen verhält", erinnert sich dieser. "Er war extrem lernwillig und erwachsen für sein Alter. Vom Kopf her ist er schon auf einem Level gewesen, das andere mit 25 haben." Auch sein Körper entwickelte sich. "Fatty", das Dickerchen, wie er anfangs in der Ajax-Kabine gerufen wurde, feierte schon im November 2016 sein Debüt bei den Profis.

Ex-Ajax-Profi Westermann: "Er sagt immer seine Meinung"

Westermann stand ein paar Mal in der zweiten Mannschaft von Ajax mit de Ligt auf dem Platz. Im Kraftraum absolvierten sie täglich vor dem Training einige Übungen. "Er ist ein richtiger Arbeiter, der viele Extraschichten macht", so Westermann. Mit 18 Jahren wurde de Ligt jüngster Kapitän in der Ajax-Geschichte. "Er sagt immer seine Meinung und führt die Leute neben sich", erinnert sich Westermann. De Ligt ließ sich auch von dem Hype um seine Person nicht beeindrucken.

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Trotz aller Lobeshymnen, trotz der Ablösesumme, die Juve für ihn bezahlt hat – de Ligt ist auf dem Boden geblieben. Als er für die U17-Nationalmannschaft spielte, bedankte er sich nach dem EM-Aus beim Hotelpersonal. Als Profi in Amsterdam schaute er bei den Spielen der U19 oder der zweiten Mannschaft vorbei. "Er ist nahbar, ein solider Kerl", sagt Westermann. Dicke Autos, verrückte Frisuren oder Klamotten sieht man bei ihm nicht. Er ist ein ziemlich normaler Junge – auf dem Weg zum Weltstar.

Teil 5 der Serie: Kai Havertz

Die Serie "Die neuen Superstars des Fußballs" gibt es auch als Podcast bei rnd.de, sportbuzzer.de und allen bekannten Anbietern zum Anhören. Am Samstag erscheint der fünfte Teil. Dann geht es um Kai Havertz von Bayer Leverkusen.