28. Dezember 2021 / 17:26 Uhr

Torsten Mattuschka im Interview: "Ich bin froh, dass Max bei Union spielt"

Torsten Mattuschka im Interview: "Ich bin froh, dass Max bei Union spielt"

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Torsten Mattuschka spricht unter anderem über die Hinrunde von Union Berlin
Torsten Mattuschka spricht unter anderem über die Hinrunde von Union Berlin © IMAGO/Jan Huebner
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Torsten Mattuschka spricht im Interview unter anderem über Stürmer Max Kruse, der bei den Köpenickern eine feste Größe im Team ist und warum er für einen Vertrag beim FC Energie Cottbus einst acht Kilo abnehmen musste.

Ziemlich erfreut über die starke Hinrunde des 1. FC Union Berlin zeigt sich der Kultspieler der Eisernen, Torsten „Tusche“ Mattuschka, der von 2005 bis 2015 im Trikot der Köpenicker spielte. Der 41-jährige ehemalige Mittelfeldspieler, der seit zwei Jahren zusammen mit seiner Familie im beschaulichen Eichwalde lebt, äußert sich im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland unter anderem darüber, warum er für einen Vertrag beim FC Energie Cottbus acht Kilo abnehmen musste und warum er heutzutage immer noch auf sein 2:1-Siegtor im Derby am 5. Februar 2011 bei Hertha BSC im Olympiastadion angesprochen wird.

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SPORTBUZZER: Warum werden Sie überall nur „Tusche“ genannt?

Torsten Mattuschka (41): Torsten sagt nur meine Mutter zu mir, wenn irgend etwas passiert ist. Früher wurde ich auch „Tuschkasten“ oder „Tuschi“ genannt, am Ende hat sich „Tusche“ herauskristallisiert. Ich stelle mich übrigens auch seit etwa zwei Jahren auch immer mit „Tusche“ vor, weil mich unter diesem Namen alle kennen.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Union Berlin – und was aus ihnen wurde.

Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Union Berlin. Zur Galerie
Klickt Euch durch die Galerie der 50 ehemaligen Spieler von Union Berlin. ©

Kommen wir am Anfang gleich zu Ihrem ehemaligen Verein 1. FC Union Berlin, der ja eine wahnsinnig starke Saison spielt. Wie schätzen Sie die Hinrunde der Eisernen ein?

Dass trotz der Dreifachbelastung 27 Punkte geholt wurden, ist für mich eigentlich unfassbar. Diese Leistung habe ich dem Team im Vorfeld so definitiv nicht zugetraut. Es wäre sogar noch etwas mehr drin gewesen, wäre zum Beispiel in Stuttgart nicht noch der 1:1-Ausgleich in der dritten Minute der Nachspielzeit gefallen. Jetzt benötigt Union noch 13 Punkte, um sicher die Liga zu halten. Um viel mehr geht es bei den Eisernen auch nicht.

Darf man nach so einer starken ersten Serie dann beim bis dato sieglosen Tabellenschlusslicht Fürth verlieren?


So etwas passiert im Fußball immer mal wieder, dass Favoriten eins auf den Deckel bekommen. In den Medien waren wir dann die Deppen, die zuerst gegen die Fürther eine Niederlage kassierten. Man hat in diesem Match aber auch gesehen, wenn die Union-Spieler nicht jedes Mal an ihre Leistungsgrenze gehen, dann wird es auch gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte für sie schwer, etwas Zählbares einzufahren.

Unions Torsten Mattuschka (vorn) und Energies Ivica Banovic kämpfen um den Ball. 
Torsten Mattuschka (vorn) am 18. Oktober 2013 im Stadion der Freundschaft im Trikot des 1. FC Union Berlin im Spiel gegen den FC Energie Cottbus, bei dem der 41-Jährige zweimal in seiner Karriere kickte. © Thomas Eisenhuth

Der Schweizer Urs Fischer war doch ein absoluter Glücksgriff, als er 2018 als Trainer bei den Köpenickern unterschrieb.

Ich sehe jetzt nicht nur Urs für den alleinigen Erfolg des Teams verantwortlich, denn Präsident Dirk Zingler und Manager Oliver Ruhnert unterstützen ihn in allen Lebenslagen. Alle drei liefern in den letzten Jahren eine unfassbar gute Arbeit ab. Man darf gespannt sein, wie sie damit umgehen werden, wenn es einmal nicht so gut laufen sollte. Aber ich denke, Dirk und sein Team werden auch solche Situationen bravourös meistern.

Mit welchem Trainer haben Sie denn am liebsten bei Union zusammengearbeitet?

Ganz klar Uwe Neuhaus, unter dem ich persönlich meine beste Zeit beim 1. FC hatte. Mit ihm sind wir in die zweite Bundesliga aufgestiegen und haben die Klasse gehalten. Für mich hat er ganz klar einen richtig großen Anteil daran, wo Union jetzt ist.

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Nach dem Sieg beim VfL Bochum hat Angreifer Max Kruse etwas Stimmung in den sozialen Medien gegen einige unbelehrbare VfL-Fans gemacht, die er „Ruhrpott-Assis“ nannte. Wie fanden Sie diese Aktion?

Ich fand seine Reaktion absolut okay und vertretbar. Wenn man als Spieler mit Bierbechern und anderen Dingen beworfen wird, dann hat man sicherlich auch das Recht, sich darüber zu äußern. Entscheidend war doch nur, was aus dieser Sache am Ende gemacht wurde, denn Max sagte auch, 80 bis 90 Prozent sind echt tolle und geile Fans in Bochum. Mich regte im Nachhinein nur tierisch auf, wie auf die Aussage von Max draufgehauen wurde. Das geht in dieser Form so definitiv nicht. Ich bin froh, dass Max bei Union spielt, da er nicht nur sportlich, sondern auch menschlich ein richtig cooler Typ ist.

Neben Kruse wirbelt auch der Taiwo Awoniyi seit zwei Jahren im Sturm der Unioner. Dem Nigerianer gelangen in der Hinrunde neun Tore. Ist so ein Mann auf Dauer zu halten?

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Als Union 7,5 Millionen Euro für ihn vor dieser Serie an Liverpool zahlte, war ich noch etwas skeptisch, da Taiwo in der vergangenen Saison, in der er noch ausgeliehen war, doch extrem viele gute Chancen liegen ließ. In dieser Spielzeit macht er viele Dinge wett, denn er ist vor dem gegnerischen Kasten deutlich ruhiger und abgezockter geworden. Wenn er in der Rückrunde ähnlich gut knipsen sollte, dann wird es sicherlich schwierig, ihn auf Dauer zu halten. Dann muss Union ihn aber mindestens für 15 Millionen Euro verkaufen, um ein deutliches Plus in der Kasse durch seinen Transfer zu erzielen.

„Tusche“ beendete 2019 seine Karriere als Spieler im Trikot der VSG Altglienicke. 
„Tusche“ beendete 2019 seine Karriere als Spieler im Trikot der VSG Altglienicke. © Oliver Schwandt

Sie werden ständig auf ihr 2:1-Siegtor im Derby bei Hertha BSC angesprochen. Können Sie sich daran noch erinnern?

Natürlich. Mein Freistoß war schlecht geschossen, die Mauer und der Torwart stand falsch und mein Jubel war schlecht. Eigentlich war alles schlecht, aber der Ball zappelte im Netz. Ich erinnere mich an diesen Treffer, als wenn er gestern gewesen wäre.

Was läuft bei Union derzeit besser als bei Hertha BSC?

Ich denke, die Transferpolitik bei den Eisernen war in den vergangenen Jahren etwas besser als bei Hertha. Aber unter der Führung von Fredi Bobic wird es bei der Alten Dame sicherlich zukünftig wieder nach oben gehen.

Kommen wir zum Schluss noch kurz zum Anfang Ihrer Profikarriere. Stimmt es, dass Sie für einen Profivertrag beim FC Energie Cottbus acht Kilo abnehmen mussten?

Das stimmt. FC-Coach Eduard Geyer sagte zu mir: ,Torsten, du könntest mit Fußballspielen noch etwas Geld verdienen. Du musst nur ein wenig abnehmen, du fette Sau.’ Ich nahm innerhalb von vier Wochen acht Kilo ab und war im Team.