18. September 2022 / 13:53 Uhr

Kovac, Fitness, umstrittene Interviews: So geriet Max Kruse beim VfL Wolfsburg auf das Abstellgleis

Kovac, Fitness, umstrittene Interviews: So geriet Max Kruse beim VfL Wolfsburg auf das Abstellgleis

Christian Müller
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Max Kruse wurde beim VfL Wolfsburg aussortiert, trainiert aber weiter mit.
Max Kruse wurde beim VfL Wolfsburg aussortiert, trainiert aber weiter mit. © IMAGO / Hübner (Montage)
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Fußballprofi Max Kruse spielt beim VfL Wolfsburg sportlich keine Rolle mehr. Sein Trainer Niko Kovac will ihn für ein Bundesliga-Spiel nicht mehr berücksichtigen, obwohl der 34-Jährige einen gültigen Vertrag bis zum Saisonende hat. Eine Situation, an der beide Seiten nicht schuldlos zu sein scheinen.

Es gibt Geschichten, wie es so schön heißt, die schreibt nur der Fußball. Nun, eine vermeintlich ziemlich vorhersehbare wird er nicht schreiben, zumindest nicht an diesem Sonntag. Denn wenn der VfL Wolfsburg (15.30 Uhr, DAZN) in der Bundesliga bei Union Berlin zu Gast ist, wird der frühere Union-Profi Max Kruse beim VfL nicht dabei sein.

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Kruse war in dieser Woche lange das ganz große Thema rund um Wolfsburg. Als Niko Kovac im Sommer neuer Trainer der Niedersachsen wurde, wirkte das Verhältnis des Coaches zu dem 34 Jahre alten Offensivspieler schnell ambivalent. Während der Vorbereitung im Sommer sagte Kovac über Kruse: "Wenn er fit ist und körperlich alles herausholen kann, hat er Fähigkeiten wie ein Thomas Müller."

Man kann das als Ritterschlag deuten. Denn auf eine Stufe mit dem Weltmeister von 2014, seit mehr als einem Jahrzehnt eine prägende Figur im Offensivspiel des FC Bayern München, werden nicht viele gehoben. Allerdings war Kovac von 2018 bis November 2019 selbst Trainer in München. Und wenn es in all den Jahren einen Coach gab, mit dem Müller Schwierigkeiten hatte, warm zu werden, dann wohl mit dem heute 50 Jahre alten Kroaten. Phasenweise setzte Kovac Müller mehrfach auf die Bank, viel öfter, als der es gewöhnt war. Als Müller bei einem müden 1:1 im November 2018 gegen den SC Freiburg wieder mal nur eingewechselt wurde, schimpfte sogar Müllers Ehefrau via Instagram über den Trainer. Alle Beteiligten hatten danach tagelang damit zu tun, dem Thema die Schärfe zu nehmen.

Schärfe kam denn jüngst auch in die Personalie Kruse. Dass der Ex-Nationalspieler zum Saisonstart gegen seinen früheren Klub Werder Bremen (2:2) nur auf der Bank saß, begründete Kovac mit einer Wadenverletzung und einer Erkrankung, die Kruse gerade überstanden habe. Doch auch in den Partien bei den Bayern (0:2) und gegen Schalke 04 (0:0) kam der Angreifer nur als sogenannter Joker zum Zuge. In den beiden folgenden Begegnungen spielte Kruse durch, setzte beim 0:2 bei RB Leipzig und beim 2:4 gegen den 1. FC Köln aber keine entscheidenden Akzente.

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Nebengeräusche sorgten für Verstimmungen

Die Fragen nach Kruse und seinem Verhältnis zu dem Spieler blieben Kovac genauso erhalten wie die Debatten um das Verhalten des 34-Jährigen neben dem Platz. Eine Videoshow mit seiner Frau bei Youtube, umstrittene Interviewaussagen wie die, dass er nur vier Stunden am Tag arbeiten müsse – es heißt, dass Nebengeräusche wie diese beim VfL und Partner Volkswagen nicht besonders gut angekommen seien. Schließlich sollte nach der desaströsen Vorsaison mit Platz zwölf doch ein Neustart her.

Nach dem ersten Saisonsieg, dem 1:0 bei Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt am vergangenen Samstag, schaffte Kovac Fakten – und verkündete, dass Kruse beim VfL kein Spiel mehr machen werde. Das Signal wirkte klar: Nach dem arbeitsreichen Transfersommer mit mehr als einem halben Dutzend Zu- und Abgängen wollen er und die Klubbosse um Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer Ruhe in der Mannschaft haben. Wie es mit Kruse weitergehen soll? "Wir werden das regeln, aber nicht auf dem Marktplatz", sagte Schmadtke dazu dem Kicker.

Diese Optionen hat der ausgebootete Kruse jetzt noch

Eine Vertragsauflösung scheint denkbar, ebenso ein Transfer in der Winterpause, wenn die "Wölfe" noch eine Ablösesumme für den extrovertierten Offensivkünstler erzielen könnten. Oder eben ein Abschied zum Saisonende, wenn der Kontrakt ohnehin ausläuft. Ein Vertrag übrigens, für den Kruse Anfang des Jahres auf die Europa-League-Perspektive und die Rolle des Anführers bei seinem vorherigen Klub Union Berlin verzichtete. Dafür Abstiegskampf mit dem VfL unter seinem Vertrauten aus Bremer Zeiten, Florian Kohfeldt – dem weitgehend glücklosen Vorgänger von Kovac.

Trainieren darf Kruse noch beim VfL. Eine Belastung für die Mannschaft sieht Kovac darin nicht. "Es gab überhaupt keine Probleme. Über die Person Max gibt es nichts Negatives zu berichten – im Gegenteil. Er ist ein netter Mensch", sagte er am Freitag. Allerdings wurde schnell klar, dass Kruse im Wolfsburger Ensemble ab sofort bestenfalls Nebendarsteller ist. Zwischenzeitlich absolvierte er als einziger Feldspieler Übungen mit den Torhütern. Kein alltägliches Gefühl für einen, der ansonsten gern den Mittelpunkt zu suchen scheint. Bleibt der VfL bei seiner eindeutigen Haltung, wird er sich an so eine Rolle vorerst gewöhnen müssen.

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