11. April 2019 / 14:52 Uhr

Maximilian Ladewig: "Chemie fährt sicher nicht gerne nach Ludwigsfelde"

Maximilian Ladewig: "Chemie fährt sicher nicht gerne nach Ludwigsfelde"

Kevin Päplow
Märkische Allgemeine Zeitung
Manuel Wajer (l.) und Maximilian Ladewig.
Manuel Wajer (l.) und Maximilian Ladewig (r.) sind seit ihrer Zeit beim BSC Süd 05 beste Freunde. © Sportbuzzer Brandenburg
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NOFV-Oberliga Süd: Maximilian Ladewig vom Ludwigsfelder FC und Manuel Wajer von der BSG Chemie Leipzig im Doppelinterview vor dem Kracher am Samstag im Ludwigsfelder Waldstadion.

Maximilian Ladewig vom Ludwigsfelder FC trifft am kommenden Samstag beim Oberligakracher gegen die BSG Chemie Leipzig auf seinen besten Freund. Mit Manuel Wajer konnte der Mittelfeldspieler 2013 zusammen den Sprung von den A-Junioren direkt in den Kader der Oberligamannschaft des BSC Süd 05 schaffen. Nun treffen die einstigen Mannschaftskameraden im Ludwigsfelder Waldstadion aufeinander. Was beide vor der Partie zu den Chancen ihrer Vereine zu sagen haben, wie wichtig die Fans für beide Lager sind und welche Anekdoten es aus ihrer Zeit in Brandenburg zu erzählen gibt, erfahrt ihr im exklusiven Doppelinterview mit dem SPORTBUZZER Brandenburg.

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Hallo Maximilian und hallo Manuel, wie habt ihr die Punktspiele vom letzten Samstag verarbeitet? Wir denken Manuel blickt nach dem 1:0 in Krieschow lieber auf den vergangenen Spieltag zurück als du, oder Maximilian?

Maximilian Ladewig: Ich denke, dass die Partie in Gera alles andere als zufriedenstellend verlief (0:4-Niederlage), dennoch hat jetzt auch kein Mensch ernsthaft erwartet, dass wir jedes Spiel gewinnen. Ich orientiere mich da eher an den Auftritten der letzten Wochen. Diese waren wirklich sensationell und für mich war Gera ein Ausrutscher. Wie sagt man da immer so schön - Mund abputzen und weiter geht es.

Manuel Wajer: Ich konnte leider nicht in Krieschow dabei sein. Ich schleppe seit einer Woche eine schwere Grippe mit mir herum. Ein Spiel aus dem Bett per Liveticker zu verfolgen, ist eine reine Qual, sage ich euch. Ein Glück konnte das Team trotz vieler vergebener Chancen das Spiel doch noch für sich entscheiden. Ich habe mich wirklich über diesen Sieg gefreut. Krieschow ist momentan ganz gut drauf und da ist man glücklich, dass die Jungs diese Auswärtsaufgabe gemeistert haben.

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Nun steht am kommenden Samstag das für euch beide so besondere Duell zwischen dem Ludwigsfelder FC und der BSG Chemie Leipzig an. Habt ihr euch in den letzten Wochen schon gegenseitig aufgezogen?

Manuel Wajer: Wir ziehen uns eigentlich immer auf, egal um was es geht. Genauso beglückwünschen wir uns, wenn einer von uns am Wochenende mit einem Tor erfolgreich war. Wir verfolgen uns da gegenseitig schon intensiv.

Maximilian Ladewig: Dem kann ich nur beipflichten. Es ist grundsätzlich immer so, dass wir uns aufziehen. Es fliegen immer Spitzen und nun freut man sich nach dem Hinspiel, das wir knapp verloren haben, auf die Revanche. Bei uns ist es grundlegend so, wenn der Spielplan da ist, wird geplant, wann wir uns sehen, wo der Abend verbracht wird und so weiter. Ich denke, ich konnte Manuel mit unseren vier Siegen am Stück schon ein wenig Angst machen.

Manuel, im Hinspiel verkaufte sich der LFC in Leipzig richtig gut und unterlag knapp mit 0:2. Seid ihr gewarnt, dass die Ludwigsfelder im heimischen Stadion noch gefährlicher auftreten könnten?

Manuel Wajer: Wir rechnen definitiv mit einer starken Ludwigsfelder Mannschaft. Sie haben sich in der Rückrunde stark präsentiert und haben deutlich gemacht, dass sie Oberliganiveau besitzen. Der LFC verflucht mich aber etwas. Im Hinspiel kam ich erst nach einer halben Stunde für einen verletzten Spieler in die Partie und nun ist es eben noch nicht sicher, ob ich überhaupt dabei sein kann. Der grippale Infekt legt mich leider lahm. Analysiert haben wir Ludwigsfelde natürlich schon und rechnen mit einer kämpferischen Mannschaft, die auch genügend Erfahrung mitbringt. Wir sind gewarnt und haben den nötigen Respekt.

Was benötigt die Ludwigsfelder Mannschaft, um Chemie ein Bein im Aufstiegskampf stellen zu können?

Maximilian Ladewig: Chemie fährt sicher nicht gerne nach Ludwigsfelde. Wir sollten einfach da weitermachen, wo wir vor Gera aufgehört haben. Das war wirklich stark, mitnehmen kann man gegen Chemie aber nur etwas, wenn man mehr läuft als sie und du bereit bist, alles zu investieren. Wir spielen gegen die stärkste Mannschaft der Liga, was allerdings gut ist, weil wir nichts zu verlieren haben. Wir müssen das Spiel genießen, an unser Leistungsmaximum kommen und dann ist etwas möglich für uns. Man hat schon in Leipzig gesehen, dass wir nicht chancenlos sind.

Dieses Duell ist vom Umfang her wohl das Spiel des Jahres in Ludwigsfelde. Hoffst du, dass neben den treuen Fans des Harten Kerns auch der Rest der Stadt den Weg ins Waldstadion findet?

Maximilian Ladewig: Das Spiel wird ein absolutes Highlight! Ich hatte das Glück, schon öfter gegen Chemie zu spielen und diese beeindruckende Kulisse genießen zu dürfen. Was bei den Leutzscher Fans da abgeliefert wird, ist schon der Wahnsinn. Es gibt wenige Mannschaften, gegen die es mir mehr Spaß macht zu spielen. Aber ich muss an der Stelle sagen, dass ich einen großen Respekt vor unseren Fans habe. Die Quantität ist natürlich nicht so gegeben wie bei Chemie, aber was unsere Anhänger in der Hinrunde erleiden mussten und durch welch schwierige Phase sie mit uns gingen, vergesse ich nie. Wir als Spieler sind jetzt in der Bringschuld, ihnen etwas zurückzugeben. Das haben wir teilweise in der Rückserie schon getan, ich sage nur Derbysieg, was dem Harten Kern wahrscheinlich wichtiger war, als ihre Weihnachtsgeschenke unter dem Tannenbaum. Wenn Ludwigsfelde und die Region den Weg ins Stadion finden würden, wäre das schon schön.

In Bildern: Ludwigsfelder FC gewinnt gegen den VfL Halle

Der Ludwigsfelder FC (rote Trikots) hat sein Heimspiel gegen den VfL Halle am Sonnabend mit 3:1 (2:0) gewonnen. Zur Galerie
Der Ludwigsfelder FC (rote Trikots) hat sein Heimspiel gegen den VfL Halle am Sonnabend mit 3:1 (2:0) gewonnen. © Julius Frick

Wie Maximilian schon erwähnte, genießt deine BSG Chemie Leipzig einen unglaublichen Zuschauerzuspruch. Die Fans gelten als treu und leidensfähig. Was ist das für ein Gefühl für dich, im Alfred-Kunze-Sportpark aufzulaufen?


Manuel Wajer: Aus meiner vierjährigen Erfahrung kann ich immer wieder betonen, dass es kein geileres Gefühl gibt als mit meinen Mitspielern für diesen Verein aufzulaufen. Wir haben gefühlt jedes Wochenende ein Heimspiel, weil unsere Fans nicht nur treu und leidensfähig sind, sondern auch sehr reisefreudig. Sowas kann gerade in den letzten Minuten beflügeln, keine Frage. Die Fans stehen immer hinter uns, selbst nach dem Abstieg aus der Regionalliga haben sie uns gefeiert. Jetzt haben wir auch für sie das klare Ziel, aufzusteigen. In dieser heißen Phase brauchen wir diese Fans auch, trotzdem sollte jeder dieses Gefühl zu schätzen wissen. Sowas ist nicht selbstverständlich!

Traut ihr euch, einen Tipp abzugeben?

Manuel Wajer: Ich bin eigentlich derjenige, der ungern tippt. Ich wünsche mir natürlich einen Sieg, damit wir auf Kurs bleiben und freue mich auf ein schönes sowie spannendes Spiel. Zudem sollen alle Spieler verletzungsfrei bleiben.

Maximilian Ladewig: Wenn ich es mir wünschen oder ausmalen könnte, wäre es ein 1:0-Heimerfolg. Ich würde zudem gerne ein Tor machen. Dies gelang mir gegen Manuel noch nie, also wird es mal langsam Zeit dafür. Ich will einfach nur gewinnen, egal wie. Ich tippe Samstag auf uns, aber Chemie wird aufsteigen. Am meisten hoffe ich natürlich, dass Manuel rechtzeitig fit wird und wir gegeneinander kicken können.

Ihr beide seid echte Freunde, habt 2013 den Sprung von den Junioren des BSC Süd 05 in den Oberligakader geschafft. Erinnert ihr euch gerne an die Zeit zurück?

Maximilian Ladewig: Es war eine schöne Zeit. Mir wurde als Juniorenspieler das Vertrauen gegeben, Oberliga spielen zu dürfen. Außerdem haben Manuel und ich unseren Freundeskreis in Brandenburg, der aus den Jungs besteht, die damals mit uns bei Süd kickten. Wir stehen immer noch in Kontakt und das ist nach sechs Jahren schon etwas Schönes. Wir haben mit den A-Junioren alles gewonnen, sind Landesmeister geworden. Mit 18 Jahren dann in der Oberliga zu spielen zusammen mit Manuel, ist ein schönes Gefühl und das weiß man auch zu schätzen. Ich bin dem BSC Süd für sehr vieles dankbar, wie die anderen Spieler sicher auch.

Manuel Wajer: Auch ich erinnere mich gern an diese Zeit. Besonders an die Saison 2014/15, als wir Vizemeister der Oberliga wurden. Wir haben uns beide aber auch immer zusammen aus einem Tief gezogen. Jeder war für den anderen da und gerade die erfahrenen Spieler haben uns da bei der Entwicklung maßgeblich geholfen.

Welche Anekdoten oder besonderen Erlebnisse könnt ihr uns über eure gemeinsame Zeit in Brandenburg erzählen?

Manuel Wajer: (lacht) Das würde hier den Rahmen sprengen. Ich erinnere mich gerne an die Rückfahrt, als wir in Neubrandenburg gespielt haben. Wir wurden Vizemeister und am nächsten Tag ging es gleich weiter mit dem Flieger nach "Malle". Persönlich kann ich mich auch an den ersten Trainingstag mit Max erinnern. Er kam aus Magdeburg und hat alle zehn Sekunden auf den Boden gespuckt, wo sich auch heute nicht viel dran geändert hat. (schmunzelt) Es ist bis heute noch ein super freundschaftliches Verhältnis und bin froh, dass sich daran nichts geändert hat.

Maximilian Ladewig: Ich denke an vieles zurück. Zum Beispiel an das Spiel gegen den BFC Dynamo im heimischen Stadion. Der BFC war nur zwei Punkte vor uns, es waren viele Zuschauer vor Ort und wir beide stehen da mit 18 Jahren zusammen auf dem Platz. Das war eines der schönsten Spiele für mich, auch wenn wir verloren haben. Dann, wie Manuel schon sagte, die Fahrt aus Neubrandenburg war legendär. Letzter Spieltag, wir werden Vizemeister, die Stimmung im Bus war geil, an jeder Tankstelle wurde angehalten und dann kommst du in Brandenburg an und wirst von den Fans mit Pyrotechnik und Gesängen empfangen. Sowas vergisst man als Fußballer nicht. Auch dass man mit einem Marco und René Goerisch zusammenspielen dürfte, war toll. Die haben einem das Spielen schon erleichtert.

Der BSC Süd 05 kämpft in dieser Spielzeit gegen den Abstieg. Glaubt ihr an den Klassenerhalt der Mannschaft um Torjäger Renè Goerisch?

Maximilian Ladewig: Ich gehe davon aus. Ich denke, dass da vieles im Sommer nicht so gut klappte. Im Winter haben sie dann aber noch gute Jungs geholt, mit Özkan Gümüs hat der BSC einen tollen Trainer, der letztes Jahr bewiesen hat, was mit dieser Mannschaft möglich ist. Zur Zeit stehen sie leider nicht gut da, aber im Endeffekt haben sie mit René Goerisch einen erfahrenen Angreifer da vorne drin, der für diese Liga eine Bereicherung ist. Er hat jahrelang auf hohem Niveau gezeigt, welche Klasse er hat und ich glaube, es gibt keinen weiteren Stürmer, der das über einen derart langen Zeitraum geschafft hat. Wenn er fit ist und spielt, wird er sie in der Liga halten.

Manuel Wajer: Ich sehe das ähnlich wie Max. Wenn René frisch bleibt, dann sollten sie es schaffen. Ich wünsche dem BSC da viel Erfolg. Ich bin, wenn es das Pensum bei Chemie zulässt, auch das ein oder andere Mal in Brandenburg und schaue mir ein Spiel vor Ort an. Die Verbundenheit bleibt da auch immer bestehen, von daher drücke ich alle Daumen.

Zu guter letzt die Frage aller Fragen. Werden Maximilian Ladewig und Manuel Wajer noch einmal in einer Mannschaft spielen?

Manuel Wajer: Das tun wir bereits schon! Wir spielen in zwei Freizeitmannschaften zusammen. Ob es natürlich auf einem so hohen Niveau noch einmal dazu kommt, bleibt abzuwarten. Max fühlt sich in Berlin wohl, ich in Leipzig. Mein Herz schlägt Grün-Weiß und deshalb möchte ich noch lange bei Chemie spielen. Also wenn Max es schafft zu Chemie zu wechseln, werden wir sicher nochmal zusammen spielen. (zwinkert)

Maximilian Ladewig: Das mit der Freizeitmannschaft nahm Manuel ja vorweg, dort spielen wir zum Beispiel mit den Goerisch-Brüdern zusammen. Es macht immer Spaß, mit Manuel zusammen zu spielen. Er ist ein Spieler mit einer unglaublichen Qualität, aber ich denke, er hat seinen Lebensmittelpunkt nach Leipzig verlagert und ich bin in Berlin sehr glücklich. Die nächsten Jahre wird das also erst einmal nichts. Man sollte aber niemals nie sagen.

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