11. November 2020 / 11:36 Uhr

Maximilian Levy startet bei Bahnrad-EM, Leipzigs Felix Groß muss daheim bleiben

Maximilian Levy startet bei Bahnrad-EM, Leipzigs Felix Groß muss daheim bleiben

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Während Maximilian Levy (r.) bei der EM auf die Bahn darf, muss Felix Groß zu Hause bleiben. Mit der sportlichen Leistung hat das nichts zu tun.
Während Maximilian Levy (r.) bei der EM auf die Bahn darf, muss Felix Groß zu Hause bleiben. Mit der sportlichen Leistung hat das nichts zu tun. © dpa / imago images
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Felix Groß war bei der Bahnrad-EM nicht nur in der Teamverfolgung, sondern auch in den Einzelrennen über 1000 und 4000 Meter gemeldet. Doch der Leipziger muss zugucken. Maximilian Levy dagegen geht in Plowdiw an den Start, als einziger Deutscher. Möglich macht das seine ganz spezielle "Unabhängigkeit".

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Plowdiw. Nicht mal das mickrige Preisgeld von 670 Euro konnte Maximilian Levy von einer Reise zur Bahnrad-EM ins Risikogebiet Bulgarien abschrecken. „Ich habe keine Angst, aber Respekt vor dem Virus. Ich möchte unbedingt bei der EM starten“, sagte der viermalige Weltmeister, der als deutscher Einzelkämpfer an den ab Mittwoch beginnenden Titelkämpfen in Plowdiw teilnimmt. Dem Bund Deutscher Radfahrer war die Teilnahme angesichts stark steigender Corona-Zahlen zu heikel.

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Viel logistische Arbeit

Bei Levy war die Sehnsucht, im Oval wieder um Siege zu sprinten, aber größer. „Ich möchte endlich wieder meiner Passion nachgehen und in den sportlichen Wettstreit treten“, betonte der Cottbuser. Schließlich ist der Bahnradsport seit der Heim-WM Ende Februar fast vollends zum Erliegen gekommen.

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Bevor Levy mit seinen beiden Begleitern in den Flieger nach Sofia steigen konnte, lag nach Wochen intensiven Trainings aber auch viel logistische Arbeit hinter dem 33-Jährigen. „Wir mussten uns vor allem das nötige Wissen rund um die Corona-Regeln verschaffen. Das war sehr zeitaufwendig, aber das Gesundheitsamt hat mir akkurat geholfen“, erklärte Levy, der in Frankfurt (Oder) negativ getestet wurde.

Vor Ort im Kolodrum-Velodrom sei ein weiterer Test geplant, mit dem Levy im besten Fall am Sonntag wieder nach Deutschland ohne Quarantäne einreisen kann. Nach der Einstufung Bulgariens als Risikogebiet musste Levy erst Überzeugungsarbeit beim BDR leisten, um als Einzelstarter für Deutschland dabei zu sein. „Ich bin immer gut damit gefahren, nicht gleich das erste Nein zu akzeptieren“, sagte Levy.

"Meine Motivation ist nicht das Geld"

Der BDR bewertete die Situation anders. „Wir sehen bei einer Indoor-Veranstaltung ein zu großes Risiko, auch im Hinblick auf eine mögliche weitere Verbreitung des Virus nach Rückkehr unserer großen Delegation“, erklärte BDR-Generalsekretär Martin Wolf. Um einer möglichen rechtlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen, stimmte der Verband letztlich dem Einzelstart zu.

Levy führt ausschließlich sportliche Gründe an – was die Preisgelder der UEC belegen. „Meine Motivation ist nicht das Geld. Ich habe so viel auf mich genommen, um im nächsten Jahr zum vierten Mal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Es geht mir um den Wettkampf“, sagte Levy. Trotzdem macht der dreifache Olympia-Medaillengewinner auch auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise aufmerksam.

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Die Sechstage-Saison ist komplett abgesagt, es gibt deutlich weniger PR-Termine als vor Corona. Auf bis zu 40.000 Euro schätzt Levy die Einnahmeverluste für 2020 und 2021. „Solange es nicht an die Existenz geht, muss ich damit leben“, sagte der dreifache Familienvater. Immerhin habe die Deutsche Sporthilfe die Elite-Plus-Förderung für ihn unkompliziert für 2021 verlängert. Und auch das Chemnitzer Profi-Team Theed Projekt Cycling, für das Levy seit 2012 fährt, sei seinen Verpflichtungen nachgekommen.

„Ich bin der einzige Normale“

Wäre ein privat organisierter Einzelstart auch eine Option für den Leipziger Felix Groß gewesen? „Nein“, sagt der 22-Jährige schweren Herzens. Der Athlet vom SC DHfK verweist auf den entscheidenden Unterschied: „Maximilian ist Profisportler, wir anderen sind Angehörige der Bundeswehr oder Bundespolizei. Unser Arbeitgeber hat mit entschieden, dass wir im Risikogebiet nicht starten dürfen.“ Auf diesen Aspekt hatten auch die Kanuten Andrea Herzog und Franz Anton (LKC) verwiesen, als ihr Verband die Teilnahme an der Slalom-EM in Prag sowie den Weltcups in Slowenien und Frankreich gestrichen hatte.

Der gelernte Industriekaufmann Levy formuliert es mit Augenzwinkern so: „Ich sage immer: Ich bin der einzige Normale – mit bürgerlichem Beruf. Ich bin einen anderen Weg gegangen und froh darüber.“ Er finanziert seinen Lebensunterhalt über eine Halbtagsstelle bei einem Lausitzer Energieunternehmen.

Felix Groß war in Plowdiw nicht nur in der Teamverfolgung, sondern auch in den Einzelrennen über 1000 und 4000 Meter gemeldet. In allen drei Disziplinen hatte der WM-Fünfte von Berlin zuletzt bei der U23-EM in Italien Medaillen errungen. In Bulgarien hätte er sogar zu den Favoriten in der Einerverfolgung der Männer gehört, da Bahn-Weltmeister und Zeitfahrweltmeister Filippo Ganna (Italien) wegen eines Coronabefundes ausfällt. „Ganna war sicher nach dem Giro in der Form seines Lebens und hätte den Weltrekord attackiert“, sagt Felix Groß: „Auch ich war top drauf, ich konnte meine Form nach der U23-EM noch mal steigern.“ Deshalb sei er so traurig, dass es mit dem EM-Start nichts wird.

Dennoch saß der Miltitzer am Dienstag bei empfindlich kühlen 3 Grad schon wieder auf dem Rennrad, damit er nach der nun folgenden längeren Wettkampfpause nicht bei Null beginnen muss. Ist Felix Groß neidisch auf Maximilian Levy? „Das nicht. Ich freue mich für ihn, dass der Verband seinem Antrag zugestimmt hat.“

T. Juschus, F. Schober, T. Gutsche