26. Januar 2022 / 17:41 Uhr

Mein Verein: Beim Zellendorfer SV ist die Talentförderung das Prunkstück

Mein Verein: Beim Zellendorfer SV ist die Talentförderung das Prunkstück

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Folge der nachhaltigen Jugendarbeit: 2019 setzten sich die D-Junioren des Zellendorfer SV die Kreispokal-Krone auf. Vereinschef Ronny Heinrich (rundes Bild) ist stolz auf die Jugendarbeit.
Folge der nachhaltigen Jugendarbeit: 2019 setzten sich die D-Junioren des Zellendorfer SV die Kreispokal-Krone auf. Vereinschef Ronny Heinrich (rundes Bild) ist stolz auf die Jugendarbeit. © Verein
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Mehr als die Hälfte der gut 250 Mitglieder sind beim Sportverein aus der Gemeinde Niedergörsdorf im Landkreis Teltow-Fläming Kinder und Jugendliche - Ronny Heinrich hat seit mehreren Jahren den Vorsitz inne.

Man müsse „zu uns Kindern“ gehen, will man „fleißige Handwerker seh’n“ – so wird es in einem bekannten Volkslied besungen. Statt „Stein auf Stein“ wird beim Zellendorfer SV jedoch Hand in Hand gearbeitet. Und das bald fertige Häuschen ist in diesem Falle der Zusammenhalt, der bei dem Sportverein im etwa 360 Einwohner zählenden Ortsteil der Gemeinde Niedergörsdorf im Landkreis Teltow-Fläming groß geschrieben wird. „Das familiäre Umfeld und die große Gemeinschaft – dies beschreibt unseren Verein perfekt“, sagt Ronny Heinrich.

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Der 47-jährige Zellendorfer leitet seit mehreren Jahren bereits die Geschicke bei seinem Herzensverein, dem er als Jugendlicher, also vor etwas mehr als drei Dekaden, beigetreten ist. „Quasi über den zweiten Bildungsweg bin ich mit 16 Jahren Fußballer geworden, war immer in der Abwehr aktiv, damals sagte man noch Vorstopper. Davor habe ich in Jüterbog geboxt“, erklärt der Heizungsmonteur. Seine Leidenschaft für das runde Leder gab der zweifache Familienvater an die Söhne Hannes (15) und Bruno (13) weiter, den Jüngsten hat er als Co-Trainer der Zellendorfer C-Junioren sogar unter seinen Fittichen. Hannes kickt dagegen bei den B-Junioren des FSV 63 Luckenwalde. Jene Altersklasse ist beim ZSV in der aktuellen Spielzeit mal nicht besetzt.

In Bildern: Zellendorf gewinnt auch im Relegations-Rückspiel gegen Trebbin II.

Der Zellendorfer SV gewinnt nach dem Hin- auch das Rückspiel gegen den VfB Trebbin II mit 2:1 und sichert sich damit den Verbleib in der Kreisoberliga. Zur Galerie
Der Zellendorfer SV gewinnt nach dem Hin- auch das Rückspiel gegen den VfB Trebbin II mit 2:1 und sichert sich damit den Verbleib in der Kreisoberliga. © Heiko Voigt

Dass dies tatsächlich eher die Ausnahme ist, beweisen die Zahlen: Von den gut 250 Vereinsmitgliedern sind mehr als die Hälfte, 135 nämlich, Kinder und Jugendliche. Die hervorragende Nachwuchsförderung ist in dem kleinen Örtchen das Prunkstück, wie Ronny Heinrich stolz berichtet: „Die Arbeit an der Basis ist uns besonders wichtig, die vielen Talente sind schließlich unsere Zukunft.“ Während in der näheren Umgebung vieles eingeschlafen sei, ist die schmucke Sportanlage mit zwei Naturrasenplätzen und seit 2018 auch einem Kleinfeld-Kunstrasen („Um den haben wir lange gekämpft“) Anlaufpunkt für dutzende Fußball-Kids: „Das große Einzugsgebiet wissen wir zu nutzen, unsere Kinder kommen aus Jüterbog, Dahme oder Nonnendorf. Durch die Kooperation mit der Kita in Langenlipsdorf begeistern wir auch schon die Vier- bis Sechsjährigen, also die Bambini, für den Fußball.“ Und sogar aus Sachsen-Anhalt lockt man Mitglieder nach Zellendorf, das direkt an der Grenze zum benachbarten Bundesland liegt.

Das Thema Ehrenamt wird bei den Rot-Schwarzen von jeglichen Seiten vorgelebt – zu den insgesamt 20 Trainerinnen und Trainern (davon sieben mit Lizenz) gesellen sich etliche Eltern, die an den Spieltagen längst kein unbekanntes Gesicht mehr sind. „Wir können uns keinen Bus leisten, haben aber das große Glück, dass viele Leute eben voll mitziehen. Man kann sich aufeinander verlassen, der Gesamterfolg wird auf mehreren Schultern getragen“, lobt Ronny Heinrich. Bemerkenswert sei, dass der verhältnismäßig kleine ZSV bei den C-Junioren in der überregionalen Landesklasse im Konzert der Großen samt Begegnungen mit Teams aus Cottbus oder Frankfurt/Oder mitspielt. Mit zwölf Punkten und Rang neun (von 13) stehen die Zellendorfer Stars von morgen im Gesamtklassement sogar sehr respektabel da.

Männermannschaft ist Schlusslicht in der Kreisoberliga Dahme/Fläming

Zugegeben: Anders als die erste Männermannschaft, die in der Kreisoberliga Dahme/Fläming zum Zeitpunkt der Unterbrechung Schlusslicht ist. „Das ist schade, aber kein Beinbruch. Vielmehr ein Lernen für die vielen Jungs, die aus dem eigenen Nachwuchs sind. Selbst ein Abstieg in die Kreisliga wäre nicht schlimm“, stellt der Vereinsvorsitzende klar.

Dafür sorgen die Frauen-Gymnastiksportgruppe, welche von Anja Ehrenberg geleitet wird, die seit 1979 bestehende Vereinspartnerschaft mit dem SV Rennsteig Ernstthal (Thüringen) und neuerdings sogar eine neu ins Leben gerufene Tischtennis-Gruppe, die sich unter 2G-Regeln in der kleinen Turnhalle trifft, für Schwung. Vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie, die der ZSV aber bisher schadlos meisterte: „Es gab keinen Mitgliederschwund. Ich bin froh, dass die Kids wieder trainieren können, nun muss noch der Wettkampf starten. Es war und ist noch immer eine harte Zeit.“ Eine Zeit, die man mit Sicherheit übersteht. Als starke Gemeinschaft. Mit großem Zusammenhalt. Wer fleißige Ehrenamtler und Fußball-Kinder seh’n will, der müsse eben nach Zellendorf gehen.