22. Januar 2021 / 07:18 Uhr

MDR-Fernsehverträge auf der Kippe: Droht der Regionalliga Nordost das TV-Aus?

MDR-Fernsehverträge auf der Kippe: Droht der Regionalliga Nordost das TV-Aus?

Max Hempel
Leipziger Volkszeitung
Verschwinden die Traditionsvereine der vierten Liga bald von den Bildschirmen?
Verschwinden die Traditionsvereine der vierten Liga bald von den Bildschirmen? © Archiv/LVZ
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Der Mitteldeutsche Rundfunk und der Nordostdeutsche Fußballverband streiten sich über kommende TV-Übertragungen in der Regionalliga. Werden ostdeutsche Fußballfans bald in die Röhre schauen?

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Leipzig. Kündigt der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) die TV-Verträge? Ein Zeitungsbericht legte dies am Donnerstagmorgen nahe. Es wäre ein kleines Erdbeben für die krisengeschüttelten Regionalliga-Clubs in Ostdeutschland. Schließlich berichtet der MDR seit Jahren ausführlich rund um die Spiele der höchsten deutschen Amateurklasse, in der unter anderem Traditionsvereine wie Lok Leipzig, BSG Chemie Leipzig, Carl-Zeiss-Jena, BFC Dynamo oder der Chemnitzer FC spielen. Die Regionalliga ist seit Jahren fester Bestandteil der Marke "Sport im Osten" und kann sich dort großer Beliebtheit erfreuen. Und gerade während der Pandemie, als Fans nicht mehr in die Stadien gehen konnten, schalteten mitunter bis zu 40.000 Zuschauer in die MDR-Livestreams. Damit soll nun Schluss sein?

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Mediale Sichtbarkeit retten

Die BILD berichtete zuerst über ein etwaiges TV-Aus zwischen MDR und NOFV. Der Grund: Zwischen der Rundfunkanstalt und dem Fußballverband soll es zum Streit um den Modus der Meisterschaft gekommen sein. Der MDR favorisiere demnach ein Playoff-Modell, das vor allem aus TV-Sicht interessant sei. Mit dem NOFV sei man sich aber nicht einig geworden. Auf SPORTBUZZER-Anfrage bestätigte der MDR, dass sich der Sender in Gesprächen mit dem NOFV befindet. Zum aktuellen Zeitpunkt wolle man sich jedoch nicht näher zu dem Sachverhalt äußern, so ein MDR-Unternehmenssprecher. Und weiter: „Die regionale Verankerung ist ein Grundprinzip des Mitteldeutschen Rundfunks. Deshalb ist uns auch die Sportberichterstattung aus der Region im Sinne unseres Publikums sehr wichtig.“

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Der neue NOFV-Chef Hermann Winkler beruhigte die heikle Situation vorerst. "Zur Zeit sind das noch Spekulationen", sagte Winkler gegenüber dem SPORTBUZZER zu einem möglichen Ende der Regionalliga-Übertragungen. "Es wäre schade, wenn der MDR aussteigt. Sie waren in all den Jahren immer ein guter Partner. Zum aktuellen Zeitpunkt gehe ich jedoch nicht davon aus."

Letztes Wort noch nicht gesprochen

Thomas Löwe, Präsident des 1. FC Lok Leipzig, reagierte besorgt auf die Meldung. Ihm geht es dabei jedoch weniger um die direkten TV-Einnahmen, die den Probstheidaern dadurch verloren gehen könnten. Der MDR zahlt nach SPORTBUZZER-Informationen lediglich einen mittleren sechsstelligen Betrag an den NOFV – die Clubs selbst erhalten gerade einmal rund 15.000 Euro. Viel mehr beschäftigt Löwe, dass den Vereinen mediale Sichtbarkeit verloren geht: „Es macht es für vorhandene und potenzielle Sponsoren, Geldgeber und Gönner der Vereine sehr interessant, dass ihre Werbung fast wöchentlich im Fernsehen zu sehen ist.“


An einen Bruch mit dem MDR glaubt der 53-Jährige derweil nicht: „Ich denke, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Der MDR und der neue NOFV-Präsident werden sich an einen Tisch setzen und eine Lösung finden, hoffentlich weiter in dieser Form.“

Mit Anton Kämpf