29. Oktober 2020 / 21:28 Uhr

Mehr Tore? Der VfL will nicht darüber reden, sondern machen

Mehr Tore? Der VfL will nicht darüber reden, sondern machen

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Steffen
Und diesmal bitte rein damit: VfL-Angreifer Renato Steffen (r.) bei einer seiner beiden Top-Chancen gegen Arminia Bielefeld. Trainer Oliver Glasner will die Chancenverwertung vorm Team nicht großartig thematisieren. © Boris Baschin
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Der VfL Wolfsburg und das Toreschießen - das ist noch ein Problem. Kriegt der Wolfsburger Fußball-Bundesligist das schon am Sonntagabend im Duell mit Hertha BSC in den Griff?

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In der Bundesliga ist der VfL noch ungeschlagen - das ist gut. In der Tabelle ist er Zehnter - das ist nach fünf Spieltagen noch nicht so wichtig. Erst drei Gegentore hat er kassiert - das ist sehr gut. Aber wenn es darum geht, Tore zu machen, ist Wolfsburgs Fußball-Bundesligist weiter ein Sorgenkind. Und so geht es auch vor dem Spiel am Sonntag (18 Uhr) bei Hertha BSC vor allem um die richtige Balance. Und ums richtige Personal.

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Vier Tore bei 91 Torschüssen - das ist nach Schalke 04 die zweitschlechteste Quote der Liga. Manager Jörg Schmadtke hatte dieses Problem nach dem 2:1-Sieg gegen Bielefeld thematisiert („Die Chancenverwertung ist nach wie vor nicht gut“), Trainer Oliver Glasner geht die Sachen lieber im wahrsten Sinne des Wortes stillschweigend an. Mit der Mannschaft „thematisieren wir das gar nicht groß“, sagte er am Donnerstag, „ich sehe uns da auch auf einem guten Weg und vertraue den Qualitäten meiner Spieler.“ Als Beispiel nannte er Renato Steffen. „Er stand gegen Bielefeld zweimal vor dem Torwart, schiebt den Ball einmal daneben und scheitert einmal am Keeper.“ Das sei weder Leichtsinn noch Absicht, sondern „das gibt es nun einmal im Fußball.“ Wichtig jetzt: „Dranbleiben und den Ball, wenn er in Berlin die dritte Möglichkeit bekommt, reinzuschieben...“

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Mit welchen Mitspielern er dann jubeln dürfte, ist nur zum Teil klar. Während Steffen und Wout Weghorst gesetzt sind, könnte auch Josip Brekalo wieder in die Startelf drängen. Der Flügelstürmer, der sich nach einer Corona-Infektion in häuslicher Quarantäne befand, kann am Freitag wieder mit der Mannschaft trainieren - und stünde auch für das Spiel am Sonntag zur Verfügung. Ob er zum Kader für die Partie in der Hauptstadt gehört, ließ Trainer Oliver Glasner allerdings noch offen. „Er hatte keine Symptome, aber ich muss erst einmal schauen, in welchem Zustand er ist. Es sind 13 Tage, an denen er kein Fußballtraining absolvieren konnte. Ich mache mir einen Eindruck im Training und entscheide dann, ob es sinnvoll ist, ihn mitzunehmen.“

Keine Alternative scheint dagegen im Moment Daniel Ginczek zu sein - auch weil neben Weghorst im VfL-System offenbar kein Platz für einen zweiten Mittelstürmer ist. „In der Offensive haben wir aber eben viele Optionen“, so Glasner - und nennt mit João Victor, Neuzugang Maximilian Philipp und Bartosz Bialek, („Er macht einen sehr guten Eindruck im Training“) weitere Alternativen. „Ich kann nicht alle Spieler gleichzeitig glücklich machen, das weiß ich.“ Bei Ginczek komme hinzu, dass er in der vergangenen Woche mit Muskelproblemen pausieren musste und darum noch nicht wieder „in einem top Fitnesszustand ist“.

Gegner Hertha hat derweil andere Sorgen, scheiterte in der ersten Pokalrunde in Braunschweig und verlor dann nach dem Liga-Auftaktsieg in Bremen viermal in Folge. Aber: Das Team von Ex-VfL-Coach Bruno Labbadia hat immerhin schon neun Liga-Tore erzielt. „In der Offensive“, so Glasner, werde bei den Berlinern „alles abgebildet, was man im Fußball braucht. Mit Jhon Cordoba haben sie Robustheit dazu geholt, sie haben Tempo und Spieler, die ins Eins-gegen-eins gehen können.“ Mit Arsenal-Leihgabe Mattéo Guendouzi sei zudem noch ein starker Mittelfeldmann gekommen. Sprich: Der VfL wird sich am Sonntag kaum darauf konzentrieren können, seine Chancen besser zu nutzen - sondern darf dafür seine defensive Stabilität auch nicht opfern. Glasner: „Wir brauchen eine sehr gute Defensivleistung.“ Das ist die andere Voraussetzung. Um Glasners Wunsch - „Wir versuchen, ein ähnliches Spiel wie beim 3:0-Sieg dort im letzten Jahr abzuliefern“ - zu erfüllen, muss das Team aber eine weitere Voraussetzung erfüllen. Siehe oben.