31. Dezember 2020 / 09:10 Uhr

Mein erfolgreiches Corona-Jahr

Mein erfolgreiches Corona-Jahr

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Überglücklich: Lea Sophie Friedrich jubelt nach ihrem WM-Triumph über 500 Meter Zeitfahren mit einer deutschen Flagge in der Hand.
Überglücklich: Lea Sophie Friedrich jubelt nach ihrem WM-Triumph über 500 Meter Zeitfahren mit einer deutschen Flagge in der Hand. © Sebastian Gollnow/DPA
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Geschichten über Athleten und Teams, die 2020 Grund zum Feiern hatten

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„Das war der größte und emotionalste Erfolg“

​Wenn Lea Sophie Friedrich aufwacht, fällt ihr erster Blick auf Trikots und Medaillen. Die 20-Jährige hat eine Wand in ihrem Zimmer dem Radsport gewidmet. Das Betrachten ihrer Glanzstücke sorgt nicht nur für gute Laune am Morgen, sondern „ist für mich Motivation“, sagt das Bahnrad-Ass aus Dassow.

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Sechs Goldene kamen in diesem Jahr dazu. Lea Sophie Friedrich krönte sich Ende Februar bei der Heim-EM zur jüngsten Titelträgerin im 500-Meter-Zeitfahren.

„Das war für mich der größte und emotionalste Erfolg“, schwärmt die Mecklenburgerin, die zuvor bereits den Titel im Teamsprint gewonnen hatte.

Auch bei den U-23-Europameisterschaften Mitte Oktober in Fiorenzuola d’Arda (Italien) räumte sie ab. Ob Teamsprint, Sprint, Zeitfahren oder Keirin – die für den Schweriner SC startende Friedrich war nicht zu schlagen.

Und doch war in der Provinz Piacenza alles anders als sonst. Die Sportler mussten ständig Maske tragen und sich streng an die Hygienevorschriften halten. Corona war allgegenwärtig.

Die Pandemie stand weiteren Titel- und Medaillengewinnen von Lea Sophie Friedrich im Weg. Etliche Wettkämpfe wurden abgesagt, die Olympischen Spiele in Tokio auf 2021 verschoben. „Ich kann nicht sagen, dass es ein tolles Jahr war. Es fing gut an, doch dann ging es rapide bergab“, meint die angehende Polizeimeisterin.

Auch ein Start bei den Europameisterschaften Mitte November in Plowdiw (Polen) blieb der Dassowerin verwehrt. Die Bundespolizei untersagte die Reise ins Risikogebiet. „Ich weiß nicht, ob ich gefahren wäre, wenn ich gedurft hätte“, sagt Lea Sophie Friedrich. Die Top-Athletin ist überzeugt: Covid-19 ist kein Spuk, der nach einem Jahr vorüber ist. „Ich bin gespannt, wann wieder Normalität herrschen wird.“

Der zweite Lockdown sei für die Gesellschaft und die Wirtschaft ­katastrophal, fügt Lea Sophie Friedrich hinzu. Die Dassowerin darf zwar weiterhin trainieren, aber derzeit nur allein. „Das ist eine richtig harte Zeit.“

Wird der Lockdown im Januar aufgehoben? Startet der Nations-Cup wie geplant im Frühjahr? Kann ich im Februar meine Abschlussprüfung absolvieren? Das sind Fragen, die Lea Sophie Friedrich beschäftigen. Konkrete Antworten gibt es nicht.

Klar ist nur: Tokio bleibt ihr ­großes Ziel. Für Lea Sophie Friedrich ist die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 „gar nicht so schlimm“. Sie sei noch jung und habe nunmehr ein Jahr länger Zeit, um Erfahrungen zu sammeln.

Vom 23. Juli bis 8. August geht es im Ariake Urban Sports Park der japanischen Metropole um Edel­metall. Zweifach-Weltmeisterin Lea Sophie Friedrich gehört zu den Medaillenhoffnungen. Im Herbst folgt die WM in Asgabat (Turkmenistan), wo die Dassowerin ihre Titel verteidigen und somit für noch mehr Glanz in ihrem Zimmer sorgen möchte.

Ich kann nicht sagen, dass es ein tolles Jahr war. Es fing gut an, doch dann ging es
rapide bergab.

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 Eric Martin: Stammkraft beim RFC

Eric Martin für den Rostocker FC am Ball.
Eric Martin für den Rostocker FC am Ball. © Johannes Weber

Erstes Männerjahr und gleich ein Aufstieg – für Eric Martin vom Fußball-Oberligisten Rostocker FC war die Debütsaison im Herrenbereich besonders. Der 20-Jährige schaffte im Sommer mit dem RFC den Sprung in die Oberliga Nordost. Die positive Entwicklung von Martin steht für das sportlich positive Jahr des Rostocker Traditionsvereins.

Nachdem Martin im ersten Halbjahr der vergangenen Saison verletzungsbedingt pausierte, schloss er sich im Januar dem RFC an. „Der Verein war eine gute Adresse, um Spielpraxis zu sammeln. Im Team kannte ich einige Spieler aus der Vergangenheit“, erzählte Martin, der sämtliche Nachwuchsmannschaften des FC Hansa durchlaufen hat.

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Der Mittelfeldspieler machte zu Beginn der zweiten Halbserie seine ersten Einsätze und stieg in der vorzeitig beendeten Spielzeit 2019/20 mit dem RFC als Verbandsliga-Zweiter auf. Spitzenreiter Anker Wismar verzichtete.

In der neuen Spielklasse etablierte sich Martin sofort in der RFC-Stammelf und war in jedem der zehn Spiele von Beginn an dabei. Nach schwierigem Start mit Auftaktsieg und sechs Niederlagen, fingen sich die Rostocker. Bis zur Corona-Zwangspause folgten drei Siege, der Aufsteiger arbeitete sich ins Mittelfeld vor. „Es war schwer den Rhythmus zu finden, aber das haben wir im Oktober geschafft. Wenn es wieder losgeht, wollen wir da weitermachen, wo wir aufgehört haben“, so Martin

Kuriose Auf- und Abstiege

Siegerselfie im Mannschaftsbus: Die Handballerinnen der Rostock Dolphins jubeln nach dem 25:24-Erfolg bei Pro Sport Berlin 24.
Siegerselfie im Mannschaftsbus: Die Handballerinnen der Rostock Dolphins jubeln nach dem 25:24-Erfolg bei Pro Sport Berlin 24. © Verein

Das Spitzenspiel gewonnen, durch zwei Patzer ins Hintertreffen geraten und dann doch aufgestiegen – die Handballerinnen des Rostocker HC erlebten ein turbulentes Frühjahr. Die Dolphins hatten bei Saisonabbruch in der Oberliga Ostsee-Spree Rang zwei hinter Pfeffersport Berlin belegt und damit den anvisierten Aufstieg eigentlich verpasst. Dennoch gab es ein Happy End. Da nicht alle Drittligisten ihre Meldungen abgaben, wurden Nachrücker nominiert – darunter der RHC und Grün-Weiß Schwerin. „Für uns war das ein Glücksfall“, sagt Olaf Meyer, Vorstandsvorsitzender des Rostocker Vereins. „Der Aufstieg hat uns sehr gut getan. Er hat bei den Spielerinnen eine Euphorie ausgelöst und wir haben uns professioneller aufgestellt“, meint Meyer. Der Auftakt verlief für den Neuling verheißungsvoll: Die Dolphins überwintern mit 4:2 Punkten auf Rang fünf.

In Bildern: So schön war der Derby-Sieg der Rostock Dolphins

So schön war der Derby-Sieg der Rostock Dolphins Zur Galerie
So schön war der Derby-Sieg der Rostock Dolphins ©

Auch die Handballer des Stralsunder HV lagen in der Oberliga Ostsee-Spree zum Zeitpunkt des Abbruchs auf dem zweiten Rang. Aufgrund der Quotientenregelung überholten sie den Rivalen HSV Insel Usedom und durften den Gang in die 3. Liga wagen. Doch die lang ersehnte Aufstiegsparty mit den Fans blieb aus.

Die Regionalliga-Volleyballerinnen des VC Greifswald verdanken dem pandemiebedingten Abbruch der Saison den Klassenverbleib. Als ESV Turbine war das Team um Kapitänin Kristin Wenzel gerade erst in die vierte Liga aufgestiegen. Kurz vor dem Ende der Spielzeit drohte der Gang zurück in die Verbandsliga – bis der Deutsche Volleyball-Verband das vorzeitige Saison-Aus erklärte. Damit verbunden war auch eine Nichtabstiegsregelung für Teams, die sich noch nicht „eindeutig“ disqualifiziert hatten. Die Turbine-Damen nutzen die zweite Chance, schlossen sich mit HSG Uni Greifswald und deren Coach Roy Brückmann zum VC Greifswald zusammen und traten zur Saison 2020/21 erneut in der Regionalliga an.

Auch im Tennis gab es zu Zeiten von Corona keine Absteiger, aber Aufsteiger. Von dieser Regelung profitierte die zweite Mannschaft des Schweriner TC. Da alle anderen Mannschaften in der Oberliga Herren 55 aufgrund der Pandemie ihren Rückzug erklärten und somit keine Meisterschaft ausgespielt wurde, durften die Landeshauptstädter an der Aufstiegsrunde zur Ostliga teilnehmen. Die Landesmeister aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verzichteten, so dass die Schweriner kampflos den Sprung in die zweithöchste deutsche Spielklasse schafften – ohne auch nur einmal den Schläger in die Hand genommen zu haben.

Endlich in der Landesliga: Alexander Brandt vom SV 90 Görmin (r.) im Duell mit dem Züssower Tom Fraus.
Endlich in der Landesliga: Alexander Brandt vom SV 90 Görmin (r.) im Duell mit dem Züssower Tom Fraus. © Ronald Krumbholz

Nicht minder kurios ist der „Erfolg“, den der SV 90 Görmin dank Corona verbuchte. Was sich die Peenetaler bereits seit mehreren Jahren gewünscht hatten, wurde zur Saison 2020/21 endlich wahr: der Abstieg in die Fußball-Landesliga. Der Klub, der sich zuletzt 2016 in die Verbandsliga kickte, verbrachte seitdem die meiste Zeit in der unteren Tabellenhälfte und wäre in den vergangenen vier Jahren auch mehrfach sportlich abgestiegen. „Am Ende der Saison kam aber immer etwas dazwischen. Entweder musste ein anderer Verein zwangsabsteigen oder uns wurden am Saisonende noch Punkte zugesprochen“, erinnert sich Cheftrainer Frank Schult. Vor dem Hintergrund, dass man sich in der höchsten Spielklasse des Landes „nur gequält“ hätte, „schien der Abstieg in die Landesliga nicht unbedingt die schlechteste Option zu sein“.

Die Lösung für das Problem lieferte der Landesfußballverband. Zwar entschied der LFV im Mai, dass keine Mannschaft nach dem Saisonabbruch sportlich absteigen müsse, doch auf einer freiwilligen Basis sei der Gang in die nächstniedrigere Spielklasse möglich. Diese Chance nutzte der SV 90. Bis heute bereut Schult den freiwilligen Abstieg nicht. „Wir haben unseren Kader erneuert und uns in der Landesliga inzwischen gefangen.“

Ruder-Ass Ocik setzt Siegesserie mit Achter fort

Ist es gewohnt, Goldmedaillen zu gewinnen: Ruderer Hannes Ocik aus Schwerin – hier mit WM- und EM-Plakette, die er 2018 gewonnen hat.
Ist es gewohnt, Goldmedaillen zu gewinnen: Ruderer Hannes Ocik aus Schwerin – hier mit WM- und EM-Plakette, die er 2018 gewonnen hat. © Danny Gohlke

2020 war nicht verschenkt. Diese Gewissheit gibt Hannes Ocik ein gutes Gefühl. Als Schlagmann führte er den Deutschland-Achter Anfang Oktober im polnischen Poznan zum achten EM-Triumph in Folge. „Das war eine runde Geschichte“, meint der gebürtige Ros­tocker.

Ocik weiß: Nur wenige Tage später wäre die Europameisterschaft aufgrund der steigenden Fallzahlen wahrscheinlich ins Wasser gefallen. „Es hätte viel schlimmer kommen können. Wir haben Glück gehabt.“

Nach dem Ausfall der Weltcups und der WM sowie dem Verschieben der Olympischen Spiele auf 2021 blieb Ocik und Co. somit zumindest ein internationaler Höhepunkt.

„Wir haben das Beste daraus gemacht“, meint der 29-Jährige rückblickend auf das Corona-Jahr. Bereits im April durften die Ruder-Recken wieder ins Training einsteigen. Einen Monat später war auch das Fahren im Großboot erlaubt. „Das war im internationalen Vergleich sicherlich ein Vorteil“, weiß Ocik.

Der Top-Athlet, der für die Schweriner Rudergesellschaft startet, hofft auf bessere Zeiten. „Ich bin optimistisch. Im Frühjahr sieht die Welt vielleicht schon wieder ganz anders aus.“

Die Welt- und Europameister starten am 2. Januar in Dortmund ins Olympia-Jahr. Ende Januar steht in Portugal das erste Trainingslager an. Nach den nationalen Ausscheidungsregatten Ende März geht es Schlag auf Schlag. Die EM in Varese und die Weltcups in Zagreb, Luzern und Sabaudia sind wichtige Zwischenstationen auf dem Weg nach Tokio.

„Wir wollen in Tokio nichts dem Zufall überlassen, sondern das abrufen, was wir geübt haben“, sagt Ocik. Das Ziel für die Sommerspiele ist klar: Deutschlands Ruder-Recken wollen ihre Erfolgsserie mit dem Olympiasieg krönen.