16. Juni 2021 / 17:14 Uhr

Mein Verein: Mit Hechten um die Wette tauchen

Mein Verein: Mit Hechten um die Wette tauchen

David Joram
Märkische Allgemeine Zeitung
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Gang in die Tiefe: Wenn die Mitglieder des Tauch-Clubs Brieselang/Spandau ’92 e.V. ins Wasser steigen, muss die Ausrüstung stimmen. © Verein
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Seit 1992 erkunden die Mitglieder des Tauch-Clubs Brieselang/Spandau den Brieselanger Nymphensee.

Mike Friedenberger hat schon viele Tiefen erlebt. Sein Rekord unter Wasser sind 72 Meter, so weit ist der Vorsitzende des Tauch-Clubs Brieselang/Spandau ’92 e.V. schon nach unten geschwommen, hinab in die Dunkelheit, wo der Druck groß ist und die Ruhe trügerisch. „Es ist stockdunkel, da hilft nur eine Taschenlampe“, präzisiert Friedenberger, „man nimmt alles viel intensiver wahr, das ist schon eine nervenkitzelnde Angelegenheit.“ Konzentriert müsse man sein, erzählt Friedenberger, „nicht schluderhaft werden“. Und eines sei auch klar: „Wenn die Technik ausfällt, dann bleibt man da unten.“ Sein Motto lautet deshalb: Angst nein, Respekt ja.

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Friedenberger ist ein erfahrener Taucher, der auch schon Schiffwracks erkundet hat. Normalerweise taucht er in 30 bis 40 Metern Tiefe, weiter unten werde Spezialgerät nötig. Über einen Tauchcomputer kann er die wichtigsten Parameter prüfen; wie viel Luft noch im Tank ist oder eben in welcher Tiefe er gerade seine Flossen bewegt. Und natürlich hat er immer einen Kompass dabei, damit oben nicht zu unten wird.

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Taucht gern ab: Vorsitzender Mike Friedenberger (r.). © Verein

Die wichtigsten Lehren des Tauchens vermittelt Friedenberger seinen Schülerinnen und Schülern im Tauch-Club Brieselang/Spandau. Ab acht Jahren könne man mit dem aufregenden Sport beginnen, sagt Friedenberger. Wie lange die Ausbildung dauert, hängt von den Qualitäten der Taucherinnen und Taucher ab. „Wir üben so lange, bis wir der Meinung sind, das passt“, sagt Friedenberger, der selbst 2007 mit dem Tauchen begann und seit rund zehn Jahren als Vorsitzender des Tauch-Clubs amtiert.

Mindestens sechs Termine im Hallenbad seien Pflicht, um die Grundtechniken zu lernen und zu verstehen, anschließend bietet der Verein fünf Tauchgänge im Brieselanger Nymphensee an. Das Gewässer habe den Ruf, „der sauberste See in ganz Havelland zu sein“, sagt Friedenberger, wenngleich die Fischbestände in den vergangenen Jahren zurückgegangen seien. Beim Tauchen trifft Friedenberger dort aber immer noch auf Welse, Aale, Krebse oder auf „zwei große Hechte“. Gefährlich seien die Wasserbewohner nicht, ihre Scheu vor den Menschen überwiege. Nur habe sich mal eine Schülerin ziemlich erschrocken, als sie nichts ahnend über einen Hecht hinweg tauchte, der sie dann mit seinen zwei Augen angeglubscht habe, erzählt Friedenberger.

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Im Winter ist Eistauchen angesagt. Weil das Dreieck als stabile Form gilt, wird vorab ein solches ins Eis gesägt. © Verein

Seit 1992 ist der Tauch-Club am Nymphensee beheimatet, wo die neun Gründungsmitglieder Knut Lembke, Jürgen Schrödter, Andre Koppel, Klaus Malecha, Monika Giese, Ulrike Behnke, Michael Kultus, Werner Kreitner und Frank Noack am 9. Mai 1992 den Grundstein des Vereins legten.

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Seither hat sich viel getan. Die Vereinsmitglieder unternehmen nicht nur Tauchgänge zwischen dem „Antauchen“ (1. Mai) und dem „Abtauchen“ (Ende September/Oktober), sondern teilweise auch in der kalten Jahreszeit. Beim Eistauchen schneiden sie Dreiecke in die zugefrorene Wasseroberfläche und gleiten an einem Seil nach unten. „Das Eistauchen ist schon etwas ganz Besonderes, das kann man genießen“, sagt Friedenberger. Einmal sei es so klar gewesen, dass die Taucher ihre Helfer über dem Eis sehen konnten und umgekehrt, „ein tolles Erlebnis.“ Nur eines, so Friedenberger, dürfe man nicht vergessen – das Loch, durch das man am Ende wieder nach oben muss.