06. Dezember 2019 / 18:32 Uhr

Meinertshagen: „Wir wollen auch in München gewinnen“

Meinertshagen: „Wir wollen auch in München gewinnen“

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Kyan Anderson zeigte zuletzt ansteigende Form auf der Point-Guard-Position. Der US-Amerikaner tritt mit seinem Team beim Ligaprimus FC Bayern München an.
Kyan Anderson zeigte zuletzt ansteigende Form auf der Point-Guard-Position. Der US-Amerikaner tritt mit seinem Team beim Ligaprimus FC Bayern München an. © Foto: Pförtner
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Die BG Göttingen steht vor einer hohen Auswärtshürde: Die Veilchen gastieren am Sonntag um 15 Uhr beim Deutschen Meister FC Bayern München. Ein Comeback von Ex-Leistungsträger Aley Ruoff scheint noch immer möglich.

Es ist das viel zitierte Duell „David gegen Goliath“, wenn die Bundesliga-Basketballer der BG Göttingen am Sonntag, 8. Dezember, um 15 Uhr beim FC Bayern München antreten. Gegen das Starensemble des Euroleague-Teilnehmers sind die Veilchen krasser Außenseiter – zugleich ist es das Spiel mit dem geringsten Druck.

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Ein Blick auf die Tabelle der easyCredit BBL zeigt die unterschiedlichen Vorzeichen für das Duell im Münchener Audi Dome. Die BG kassierte zuletzt eine sehr empfindliche und vor allem deutliche Heimpleite gegen die JobStairs GIESSEN 46ers. Das Zwischenhoch nach dem überraschenden Sieg gegen Playoff-Kandidat Oldenburg und dem Erfolg beim Aufsteiger Hamburg Towers scheint ein wenig verflogen. Nach neun Partien rangieren die Göttinger mit zwei Siegen auf dem 14. Platz und nun steht das Gastspiel beim Ligaprimus in München an.

Das Team von Dejan Radonjic gewann seine bisherigen zehn Ligapartien allesamt und ist erneut turmhoher Titelfavorit in der BBL. In der Euroleague drückt bei den Bayern hingegen der Schuh. So gab es am Donnerstagabend bei Maccabi Fox Tel Aviv eine deutliche 55:77-Pleite. Erneut brachen die Münchener im zweiten Viertel (8:19) wieder einmal ein und lagen bereits zur Pause mit 26:41 zurück. Stark war dann der dritte Abschnitt, in dem das Radonjic-Team zwar wieder herankam, sich am Ende aber die Klasse der Israelis durchsetzte. Mit Platz 16 scheint der Einzug in die Playoffs für den FC Bayern München in weite Ferne gerückt zu sein.

Der Titelfavorit wirkt etwas müde

Vielleicht eine Chance für die Göttinger: Die häufigen Spiele, zumeist drei Partien in der Woche, die Reisen durch Europa, die verletzten Leistungsträger – der Titelfavorit wirkt etwas müde. Kann die BG dies nutzen? Topspieler wie Maodo Lo oder Greg Monroe wirkten überspielt und waren in Tel Aviv kein Faktor. Und nun steht die unangenehme Pflichtaufgabe gegen die Göttinger an.

„Ziel der Bayern wird es sein, uns nicht zu unterschätzen. Außer beim Pokal-Aus haben sie das bisher in der Liga immer sehr gut hinbekommen“, sagt Frank Meinertshagen, Geschäftsführer der BG Göttingen. Besonders nach der Niederlage gegen Tel Aviv vermutet Meinertshagen einen umso konzentrierteren Auftritt gegen die BG. „Sicherlich spielt der Reisestress eine Rolle. Allerdings haben die Bayern 14 bis 15 starke Spieler, um das zu kompensieren. Vor allem können alle in der Liga 20 Punkte erzielen“, so der Geschäftsführer.

In den bisherigen zwölf Partien sieht die Bilanz des Roijakkers-Team alles andere als positiv aus: Zwei Erfolgen stehen zehn Niederlagen gegenüber. 2014 gewannen die Göttinger die einzigen Partien, damals als Aufsteiger beim Meister.


„Es ist zwar sehr ambitioniert und auch ein Stück weit unrealistisch, aber wir wollen auch in München gewinnen“, äußert sich Meinertshagen selbstbewusst. Die zweiwöchige Pause habe dem Team nach der Pleite gegen Gießen allerdings gar nicht so gut getan – der Rhythmus sei ein wenig verloren gegangen. Mit dem bisherigen Saisonverlauf ist der BG-Geschäftsführer nicht unzufrieden. „Es ist völlig im Rahmen. Gegen Oldenburg haben wir unerwartet gewonnen, dafür haben wir in anderen Spielen nichts mitgenommen. Die Partie gegen Gießen war definitiv ein Rückschritt“, betont Meinertshagen.

Noch eine Spur deutlicher wird BG-Trainer Johan Roijakkers: „Das war eines der schlechtesten Spiele in meiner Zeit bei der BG Göttingen.“ Die zweiwöchige Spielpause habe das Team insbesondere dafür genutzt, weiter an den Grundlagen zu arbeiten. Dabei wünscht sich der 39-jährige Niederländer besonders, dass seine Akteure beherzter und mit mehr Energie agieren und vor allem mehr kommunizieren. „Das miteinander Sprechen fehlt uns besonders in der Verteidigung. Da müssen wir besonders bei den Hilfen mehr sprechen“, so Roijakkers.

In der Vorbereitung auf das Match in München habe er mit seinem Scouting-System einige Auffälligkeiten ausmachen können. Roijakkers lässt den Gegner nach auffälligen Unterschieden in der Statistik bei Siegen und Niederlagen untersuchen. „Um die Bayern schlagen zu können, müssen wir es verhindern, dass sie Freiwürfe bekommen. Zudem müssen wir selbst in Korbnähe punkten und unsere Dreipunktewürfe nutzen“, skizziert Roijakkers.

Die BG Göttingen hat deutlich gegen die GIESSEN 46ers verloren. Zur Galerie
Die BG Göttingen hat deutlich gegen die GIESSEN 46ers verloren. © Swen Pförtner

Ruoff weiter in der Warteschleife

Dass dies gegen den Etat-Krösus mit seinen geschätzt zur Verfügung stehenden 25 Millionen Euro allerdings kein leichtes Unterfangen sei, verstehe sich von selbst. Die Bayern hält er für das BBL-Team mit dem meisten Talent, auch wenn es auf der Guard-Position auf höchsten europäischem Niveau noch nicht ausreiche.

Auf den Weg nach München hat sich die BG bereits am Sonnabendnachmittag gemacht. Ankünft in der bayrischen Landeshauptstadt war um 19.42 Uhr. Ein Training im Audi Dome ist nicht geplant. Letzte Vorbereitungen auf dass Duell an der Isar gibt es bei einer Video-Einheit im Hotel am Sonntagvormittag. „Wir werden gut vorbereitet sein“, verspricht Roijakkers. Gut möglich, dass er zum Einstimmen Bilder und Clips vom einzigen BG-Sieg in München vom 19. Oktober 2014 zeigt. Damals gab ein gewisser Alex Ruoff, aktuell nur Trainingsspieler der BG, nach überstandener Verletzung sein Comeback und Erstliga-Debüt im Veilchen-Dress.

Angeführt von Spielmacher Khalid El-Amin (20 Punte/8 Assists) düpierte die BG mit ihren Leistungsträgern Raymar Morgan, Harper Kamp und Ruoff (13 Punkte) den Deutschen Meister und feierte einen überraschenden 95:81-Auswärtssieg. Es gibt wohl nicht wenige im Veilchen-Anhang, die sich wünschen würden, wenn sich Geschichte wiederholt.

Von Jan-Philipp Brömsen und Mark Bambey