01. Mai 2022 / 20:46 Uhr

Meister nach fast 40 Jahren: Wie Trabzonspor die Top-Klubs Fenerbahce, Besiktas und Co. abhängt

Meister nach fast 40 Jahren: Wie Trabzonspor die Top-Klubs Fenerbahce, Besiktas und Co. abhängt

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Trabzonspor machte mit dem Remis gegen Antalyaspor die Meisterschaft perfekt.
Trabzonspor machte mit dem Remis gegen Antalyaspor die Meisterschaft perfekt. © IMAGO/Seskim Photo (Montage)
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Trabzonspor schreibt in dieser Saison ein türkisches Fußball-Märchen. Der Klub von der Schwarzmeerküste lässt in der Süperlig auch die eigentlichen Top-Klubs Fenerbahce, Besiktas und Galatasaray Istanbul hinter sich – und beeindruckt damit nicht nur in der Türkei.

Das lange Warten ist vorbei: Trabzonspor macht in der türkischen Süper Lig drei Spieltage vor Schluss die erste Meisterschaft seit 1984 perfekt. Damit durchbricht das Team von Trainer Abdullah Avci die lange Vorherrschaft von Klubs aus Istanbul. Erstmals seit Bursaspor 2010 sicherten sich wieder weder Fenerbahce, Galatasaray, Besiktas noch Basaksehir den Titel. Für das Team aus der Hafenstadt Trabzon reichte am Samstagabend ein 2:2 (1:0) gegen Antalyaspor, um die Meisterschaft zu sichern.

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"Die gute Mischung innerhalb des Teams war ausschlaggebend", betont Gökhan Yagmur, Türkei-Experte von transfermarkt.de, im Gespräch mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND): "Auch der Trainer hat nach seiner Übernahme im November 2020 sehr viel Ruhe reingebracht. Trabzon ist aktuell der Verein in der Türkei, der am ruhigsten arbeiten kann."

Im Vergleich zu den zwei großen Istanbuler Vereinen Galatasaray und Besiktas konnte an der Schwarzmeerküste der Fokus mehr auf das Sportliche gelegt werden. Während Gala nach einer enttäuschenden Saison inklusive Trainerwechsel und viel Wirbel um die anstehenden Präsidentschaftswahlen lediglich auf Rang zwölf steht, konnte Vorjahres-Doublesieger Besiktas das Meisterrennen nur aus der ganz weiten Ferne beobachten – inzwischen mit dem früheren Bundesliga-Profi Valérien Ismaël als Trainer. "Gala und auch Besiktas stecken in einer sehr bescheidenen Situation. Beide müssen viele Veränderungen am Kader vornehmen, einige gute Spieler werden zudem wohl verkauft. Die Vereine brauchen das Geld und müssen erstmal kleinere Brötchen backen", sagt der Experte.

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Trabzonspor begeistert mit vielversprechenden Talenten

Trabzon hatte in dieser Saison mit Fenerbahce eigentlich nur einen ernstzunehmenden Verfolger. Doch der Klub um den in der Türkei sehr umstrittenen Weltmeister Mesut Özil kam erst in der Saisonendphase so richtig ins Rollen. Doch an Trabzonspor führte in dieser Spielzeit einfach kein Weg in der Meisterfrage vorbei. "Ein Knackpunkt auf dem Weg zum Titel waren auch die Wintertransfers. Edin Visca hat nach seinem Wechsel von Basaksehir gleich eine führende Rolle übernommen", betont der Experte, der aber besonders den Blick der Klub-Führung auf die Zukunft lobt: "Es wurden mit Taha Altikardes, Emrehan Gedikli, Enis Destan, Batuhan Kör und Kerem Sen einige vielversprechende Talente geholt."

Daher traut Yagmur dem Team von Abdullah Avci auch mit Blick auf die nächsten Jahre einiges zu. Selbst, wenn wichtige und international gefragte Meisterstützen wie Keeper Ugurcan Cakir oder auch Offensivstar Abdülkadir Ömür den Klub verlassen sollten. "Trabzon ist so clever, dass sie mit diesen Einnahmen auch wieder gute Spieler holen würden. Es wurden zuletzt immer sehr clevere Transfers getätigt. Ich sehe sie sehr gut positioniert, um auch in der kommenden Saison den Titel anzugreifen", sagt der Türkei-Experte.

Neben Cakir und Ömür zählt Yagmur die Oldies Marek Hamsik (34 Jahre) und Anthony Nwakaeme (33) sowie Top-Torjäger Andreas Cornelius (15 Liga-Treffer) zu den wichtigen Faktoren der Meistermannschaft. "Der Verein legt ein Verhalten an den Tag, das in der Türkei als Vorbild dienen sollte. Der ganze Klub hält zusammen, es ziehen alle an einem Strang und die strategischen Entscheidungen passen einfach", sagt der Fachmann.