02. Mai 2021 / 17:35 Uhr

Melchiori lässt die Grizzlys tanzen: Wolfsburg siegt zum Final-Auftakt mit 3:2 in Berlin

Melchiori lässt die Grizzlys tanzen: Wolfsburg siegt zum Final-Auftakt mit 3:2 in Berlin

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
copy of (L-R) Julian Melchiori, Garrett Festerling, Mathis Olimb, Anthony Rech und Gerrit Fauser von den Grizzlys Wolfsburg feiern das Tor zum 0:1 wŠhrend des Spiels zwischen den EisbŠren Berlin gegen die Grizzlys Wolfsburg am 02.05.2021 in Berlin, Deutschland. (Foto von City-Press GmbH)
Da kommt Freude auf: Torschütze Gerrit Fauser und Grizzlys-Teamkameraden nach dem Treffer zum 1:0 beim Final-Auftakt in Berlin. © City-Press / Grizzlys Wolfsburg
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Neuauflage des Play-Off-Finales um die deutsche Eishockey-Meisterschaft. Wie 2011 stehen sich die Eisbären Berlin und die Grizzlys Wolfsburg gegenüber. Zum Start der Best-of-Three-Serie gewann der Außenseiter in der Bundeshauptstadt mit 3:2. Wolfsburg kann im Heimspiel am Mittwoch seinen ersten deutschen Eishockey-Titel holen.

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Die Grizzlys Wolfsburg in den Play-Offs 2021. Der Außenseiter liefert fast in jeder Partie einen Krimi. Am Sonntag, zum Auftakt der Final-Serie war es nicht anders. Gerrit Fauser und Garrett Festerling hatten die Niedersachsen bei den Eisbären Berlin zweimal in Führung gebracht. 38 Sekunden vor Schluss glich Berlin zum 2:2 (0:0, 0:1, 2:1) aus. In der Verlängerung entschied Julian Melchiori die Partie mit sensationeller Einzelleistung.

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Personal

Wolfsburg konnte mit dem gleichen Personal wie beim Final-Einzug in Mannheim beginnen. Und das war eine ebenso wichtige wie positive Nachricht: Denn beim 2:1 im entscheidenden Spiel beim haushohen Titelfavoriten hatte Julian Melchiori schon früh im ersten Drittel aufgegeben (es sah nach Knieproblemen aus). Der Verteidiger hatte es zwar noch einmal kurz im zweiten Drittel versucht. Danach aber hatte der Vielspieler (oft die meiste Eiszeit aller Grizzlys) nur noch zugesehen, war aber auf der Ersatzbank geblieben. Am Sonntag stand er wieder auf dem Eis.

Es entwickelte sich, was Play-Off-Rekordspieler Frank Hördler von den Eisbären in der ersten Pause so beschrieb: "Viel Lauf, viel Arbeit, großer Kampf." Die Grizzlys wirkten etwas offensiver als in der Serie gegen Mannheim, blieben aber ihrem Grundprinzip treu: Sowie sich ein Berliner Angriff zu entfalten schien, machten sie dicht, erwarteten den Angriff hinter der Mittellinie, um ihn dann empfindlich zu stören.

Die Eisbären, 2011 im Finale schon einmal deutscher Meister gegen Wolfsburg geworden (mit 3:0 Siegen), hatten mehr vom Spiel, Wolfsburg setzte Nadelstiche. Simon Despres und Ryan McKiernan zwangen Dustin Strahlmeier im Wolfsburger Kasten zu starken Paraden, auf der anderen Seite war Mathias Niederberger gegen den von Fauser abgefälschten Schuss von Pekka Jormakka und den Knaller von Dominik Bittner auf dem Posten.

Szenen vom Play-Off-Finalspiel 1 zwischen den Eisbären Berlin und den Grizzlys Wolfsburg.

Szenen vom Play-Off-Finalspiel 1 zwischen den Eisbären Berlin und den Grizzlys Wolfsburg am 2. Mai 2021. Zur Galerie
Szenen vom Play-Off-Finalspiel 1 zwischen den Eisbären Berlin und den Grizzlys Wolfsburg am 2. Mai 2021. © Grizzlys Wolfsburg / City-Press GmbH

Wolfsburg verdient sich die Führung

Berlin kam mit mehr Druck ins zweite Drittel, Hördler prüfte Strahlmeier, direkt danach traf Marcel Noebels den Pfosten. Die Gäste aber erholten sich dann, Phil Hungerecker forderte nach Spencer Machaceks tollem Querpass die nächste Glanzparade von Niederberger, Mathis Olimb schoss vorbei. Schade: Das erste Powerplay der Grizzlys brachte nichts ein. Bitter dabei: Nach McKiernans Foul war Max Görtz zu Boden und anschließend in die Kabine gegangen. Damit fehlte er als Schlüsselspieler im Powerplay.

Kurz danach langte McKiernan wieder hin, musste die nächsten zwei Minuten absitzen. Nun war Görtz wieder da. Für die Führung der in den Play-Offs im Powerplay überragenden Grizzlys sorgte aber die andere Powerplay-Formation: Mathis Olimb täuschte den Schuss an, Toto Rech hämmerte die Vorlage des Norwegers auf den Kasten, diesmal konnte der bis dahin extrem fangsichere Niederberger den Puck nicht festhalten, Fauser staubte ab - 1:0 für Wolfsburg.

Auch danach spielten die Grizzlys weiter sehr solide, die Eisbären taten sich schwer, vor Wolfsburgs Kasten zu kommen. Sie leisteten sich sogar noch eine Strafe kurz vor der zweiten Pause - Fauser hatte das 2:0 auf dem Schläger, scheiterte aus Nahdistanz aber am Berliner Torwart.

Der wilde dritte Abschnitt

"Brutal umkämpft, wir dürfen keinen Zentimeter nachlassen", sagte Torschütze Fauser in der zweiten Pause im Magentasport-Interview. Die Hauptstädter legten wieder schwungvoll los, erarbeiteten sich ihr erstes Überzahlspiel. Doch die zwingendste Chance hatten hier die Niedersachsen: Festerling fuhr das Break, verzog dann, im letzten Moment von Matt White gestört, ganz knapp.

Berlin bekam noch ein Powerplay, erneut hatten die Gäste kaum Probleme. Und kurz danach hatte Rech das 2:0 auf dem Schläger. Wie in praktisch jedem Play-Off-Spiel der Grizzlys dieser Spielzeit und wie in allen Saisonspielen bisher gegen Berlin ging es in eine enge Schlussphase. In der bekam Phillip Bruggisser eine ziemlich harte Strafe wegen Hakens. Und Berlin nutzte sie. glücklich. Janik Möser lenkte den Schuss ins eigene Tor ab - 1:1.

Doch wieder zeigten die Grizzlys mentale Stärke. Sie bewahrten die Ruhe, hielten das System, schnappten wieder zu, als sich die Situation ergab. Hinter Berlins Tor wurde nachgesetzt, vor dem Kasten lauerte Festerling, diesmal ließ er sich nicht stören - 2:1 für Wolfsburg nach 57:42 Minuten. Berlin nahm wenig später den Keeper zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis, versuchte alles. Und hatte Erfolg: Zach Boychuk stocherte den Puck zum 2:2 über die Linie. Nur zehn Sekunden später scheiterte Machacek an Niederberger.

Dann hieß es mal wieder: Verlängerung. Die hatten die Grizzlys in jeder Play-Off-Runde gehabt. Und in der Hauptrunde auch schon dreimal gegen Berlin.

Die Entscheidung

Die Verlängerung war packend. Die Kontrahenten starteten mit Vollgas-Eishockey. Es wurde nicht mehr taktiert, es ging rauf und runter. Rech und Machacek verzogen, Noebels für Berlin ebenfalls. Festerling scheiterte an Niederberger. Pföderl schoss an Wolfsburgs Tor vorbei. Festerling prüfte Niederberger. Chance jagte auf einmal Chance. Doch das entscheidende Tor ließ auf sich warten. Bis zur 78. Minute. Da tanzte Melchiori die gesamte Berliner Defensive in aller Bärenruhe aus, netzte ein und ließ die Grizzlys tanzen.

Eine Serie hielt: Das Team von Trainer Pat Cortina gewann auch das fünfte Saison-Duell mit den Eisbären. Und eine Serie riss: Die Eisbären verloren im vierten Anlauf erstmals ein Play-Off-Heimspiel gegen Wolfsburg, nachdem die Final-Serie 2011 mit 3:0 und das Viertelfinale 2018 mit 4:1 an sie gegangen war. Nun braucht Wolfsburg nur noch einen Sieg aus maximal noch zwei Partien für den Titel.

Melchiori sagte: "Das ist ein Traum, kaum zu beschreiben, nach dem was wir in dieser Saison alles erlebt haben. Aber: Es ist nur der erste Schritt." Sein Tor war sensationell gewesen. In aller Ruhe wackelte er die Berliner aus, traf dann knallhart in Stürmermanier. Melchiori: "Ich dachte mir, ich bleibe einfach ruhig. Das habe ich in in all den Jahren als Profi gelernt."

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Eisbären: Niederberger - McKiernan, Despres; Wissmann, Hördler; Ramage, Müller; Mik - Pföderl, Reichel, Noebels; Fiore, Boychuk, White; Foucault, Olver, Tuomie; Streu, Zengerle, Labrie.

Grizzlys: Strahlmeier – Likens, Melchiori; Bruggisser, Wurm; Bittner, Möser; Adam – Görtz, Järvinen, Furchner; Machacek, Olimb, Rech; Jormakka, Festerling, Fauser; Busch, Hungerecker, Raabe.

Schiedsrichter: Rantala/Rohatsch. Zuschauer: keine. Strafminuten: Eisbären 6 / Grizzlys 6.

Tore: 0:1 (33:05) Fauser (Rech/Olimb - 5:4), 1:1 (53:25) Noebels (5:4), 1:2 (57:42) Festerling (Jormakka), 2:2 (59:22) Boychuk (White/Pföderl - 6:5), 2:3 (77.59) Melchiori (Olimb/Fauser).