22. Februar 2021 / 18:32 Uhr

Jung, aber oho! Beim Mellendorfer TV sind viele talentierte Schlägerkünstler unterwegs

Jung, aber oho! Beim Mellendorfer TV sind viele talentierte Schlägerkünstler unterwegs

Ole Rottmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Rot, rot, rot, sind alle meine Kleider: Wenn man aktuell schon nicht mit den Hockeyschlägern auf den Platz darf, gibt's zumindest was Schickes zum Anziehen. Einige C-Mädchen des Mellendorfer TV präsentieren ihren neuen Dress.
Rot, rot, rot, sind alle meine Kleider: Wenn man aktuell schon nicht mit den Hockeyschlägern auf den Platz darf, gibt's zumindest was Schickes zum Anziehen. Einige C-Mädchen des Mellendorfer TV präsentieren ihren neuen Dress. © Lars Riemeier
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Erst seit wenigen Jahren existiert die Hockeysparte des Mellendorfer TV, doch ist sie bereits auf über 100 Mitglieder gewachsen. Sieben Mannschaften sind im Einsatz - wenn eine Pandemie sie nicht gerade ausbremst. Es ist nicht zu übersehen, dass da viele talentierte Schlägerkünstler beim MTV am Ball sind.

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Fuß aufs Gaspedal – und ab auf die linke Spur. Die bisherige Geschichte der Hockeysparte des Mellendorfer TV ist kurz, aber erfolgreich. Als der Verein aus der Wedemark im Jahr 2013 seine schmucke Anlage an der Industriestraße eröffnete, die mittlerweile Silke-Hanebuth-Immobilien-Sportpark heißt, hat Gründer Rainer Wahl die Gunst der Stunde genutzt, um seine Lieblingssportart dort zu platzieren.

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Der nagelneue Kunstrasenplatz schien dafür prädestiniert, „er ist so angelegt, dass er für Fußball und Hockey taugt“, erklärt Matthias Frank, seit dem vergangenen Jahr Leiter des noch jungen MTV-Zweiges. „Wir haben über 100 Mitglieder und sollten damit die viertstärkste Sparte im Verein sein“, sagt er. Klassischer Fall von: Kurz den Blinker gesetzt – und fix am (fast) kompletten Rest vorbeigezogen.

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Eine aktive Hockeyvergangenheit hat der 46-Jährige nicht, doch seine Kinder steckten ihn schnell damit an. „Hanna spielt bei den ­C-Mädchen und Joshi bei den Knaben A“, erzählt Frank, der neben dem Vorstandsamt auch als Betreuer der Mannschaft seines Sohnes unter Trainer Milan Lavic sowie als Schiedsrichter bei Nachwuchspartien mit anpackt.

Aushängeschilder der Schlägerkünstler

Mal eben den Coach zu vertreten oder als Elternteil gar komplett ein Team zu übernehmen, wie es beispielsweise in unteren Fußballjahrgängen öfter der Fall ist, sei in dieser Sportart eher nicht üblich, berichtet der Spartenleiter: „Das geht schon bei der Schlägerhaltung los, da ist eine Menge Technik dabei“, weswegen es qualifizierter Trainer bedürfe.


Die Mannschaften, in denen Franks Nachwuchs spielt, sind dann auch direkt zwei Aushängeschilder der Mellendorfer Schlägerkünstler. Mit sechs Juniorenteams, nach männlich und weiblich getrennt, sowie einer Frauenmannschaft, die in der Oberliga spielt, geht der MTV an den Start. Da aktuell aber auch im Hockey die Pandemie stärker ist als jeder noch so unangenehme Gegenspieler, muss der Blick etwas weiter zurückschweifen, um von ein paar Glanzlichtern zu berichten.

In der Hallensaison 2019/2020 etwa waren die A-Knaben mit großen Ambitionen in den Jugendpokal gestartet. Luka Thomassek („seit 2016 bei uns und hochtalentiert“, Frank) würde es schon richten. Der Offensivspieler ist in dieser Altersklasse so etwas wie die personifizierte Lebensversicherung des MTV. Doch in der Endrunde verletzte sich Mellendorfs bester Mann in der Partie gegen den MTV Eintracht Celle und konnte seinen Kollegen nicht mehr helfen.

Die Hallensaison fällt coronabedingt aus. Die MTV-Mädchen warten deshalb auf schönes Wetter.
Die Hallensaison fällt coronabedingt aus. Die MTV-Mädchen warten deshalb auf schönes Wetter. © privat

„Am Ende wurde es daher leider nur der sechste Platz in Niedersachsen“, sagt Frank. „Wir waren enttäuscht, da wir nach einer tollen Hallensaison mehr hätten erreichen können.“ Klagen auf hohem Niveau freilich – aktuell wären sicher viele froh, wenn sie die etwas mehr als 150 Gramm schwere Kunststoffkugel überhaupt mal wieder gen Kasten befördern dürften.

Bei den C-Mädchen steht Jessy Suhr im Tor – und im Fokus. Trainer Robin Klerx, der die Mädchen mit Martha Wendt trainiert, hält große Stücke auf seine Keeperin. „Er sieht sie als zukünftige Kaderspielerin“, weiß Frank – und ergänzt schmunzelnd: „Und als Torwart von Hannover 78 muss er das ja wohl wissen.“

"Die künftigen Gegner müssen sich warm anziehen"

Wie schlau, dass der so Gelobten im eigenen Klub zusätzliche Schulungseinheiten zuteil werden. Gemeinsam mit Magic Goalies, einer von Ex-Bundesliga-Schlussmann Heiko Milz betriebenen Torwartschule aus Hamburg, richtete der MTV ein Keepercamp auf seiner Anlage aus. Schlussleute aus ganz Niedersachsen arbeiteten an ihrem Reaktionsvermögen, bekamen teilweise mit Tennisschlägern Bälle aufs Tor gezimmert. Die geplante Neuauflage fiel Corona zum Opfer, „es wird aber sicher eine Wiederholung geben“, verspricht Frank.

Für die jüngsten MTV-Asse, die „Wusel“, besteht diesbezüglich eher kein Bedarf. Denn die Anfänger ab vier Jahren, denen Daniela Zychlinski das Hockey spielerisch näherbringt, sind defensiv schon jetzt sehr sattelfest. „Das erste Testspiel gegen den TSV Engensen haben sie zweistellig für sich entschieden“, sagt Frank lachend. „Und zwar zu null. Die künftigen Gegner müssen sich warm anziehen.“

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Die rasante Entwicklung ist auch dem Deutschen Hockey-Bund (DHB) nicht verborgen geblieben. 2015 – nur zwei Jahre nach der Grundsteinlegung – wurde den Frischlingen das mit 1000 Euro dotierte „Goldene Feld“ verliehen. Eine „Auszeichnung für erfolgreiche Vereinsentwicklung durch besonderes ehrenamtliches Engagement und erfolgreiche Jugendarbeit im Verein“, informiert der DHB.

„Die Sparte ist gut aufgestellt und hat Ambitionen, schrittweise ein noch härterer Gegner für die hannoverschen Vereine zu werden“, sagt Frank optimistisch. Mal zwischendurch auf die Bremse treten? Auf keinen Fall.