29. Januar 2021 / 21:07 Uhr

Mentalität von RB Leipzig wird auf die Probe gestellt

Mentalität von RB Leipzig wird auf die Probe gestellt

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
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Das Team von Trainer Julian Nagelsmann hatte gegen Mainz wieder Probleme damit über 90 Minuten konstant gute Leistung zu bringen. © Getty Images
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Der coronabedingt straffe Spielplan scheint RB Leipzig nicht nur physisch, sondern auch mental zuzusetzen. Nach der Niederlage in Mainz prangerten einige Spieler die Haltung der Mannschaft an. Das will sich Trainer Julian Nagelsmann nicht herausnehmen, kann aber verstehen, dass es vor allem psychisch aktuell nicht leicht für seine Schützlinge ist.

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Leipzig. Nach der Partie gegen Mainz äußerten sich viele Profis von RB Leipzig selbstkritisch, vor allem in Sachen Einstellung. Willi Orban sagte nach dem Spiel, dass die Mannschaft die Haltung vermissen lassen hat. Auch Emil Forsberg bedauerte im ZDF-Sportstudio im Anschluss der Partie, dass dem Team der hundertprozentige Wille gefehlt habe. „Es ist gut, wenn die Spieler gewisse Dinge selbst sehen und ein Gespür dafür haben. Denn es ist als Trainer gefährlich, wenn du Mentalität und Haltung anprangerst“, sagt Coach Julian Nagelsmann zu der Selbsteinschätzung seiner Spieler.

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Vor dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (Samstag, 18.30 Uhr/Sky) will Nagelsmann die Mentalität seiner Mannschaft definitiv nicht kritisieren, fand sie auch im Spiel gegen Mainz (2:3) grundsätzlich gut. Aber: „Wir haben sehr unterschiedliche Halbzeiten gespielt. Es hat sich die Problematik wiederholt, die wir schon gegen Manchester United (0:5) und gegen Borussia Dortmund (1:3) hatten“, erklärt er. „Das klare Ziel, das wir vor Augen hatten, war auf einmal weg.“ Nachdem dritten Gegentor von den Mainzern in der 50. Spielminute hatten seine Jungs sichtlich Probleme, wieder ins Spiel zu finden.

DURCHKLICKEN: Bilder zum Spiel in Mainz

Herber Rückschlag für RB Leipzig im Titelrennen: Die Nagelsmann-Elf unterlag bei Abstiegskandidat 1. FSV Mainz 05 mit 2:3. Zur Galerie
Herber Rückschlag für RB Leipzig im Titelrennen: Die Nagelsmann-Elf unterlag bei Abstiegskandidat 1. FSV Mainz 05 mit 2:3. ©

Dabei war gerade das in den Champions-League-Spielen – abgesehen von der Partie im Old Trafford – eine große Qualität der Roten Bullen. „Wir haben trotz Rückschlägen oder Ausgleichstreffern immer wieder den Weg zurück in die Partie gefunden.“ Zwar kann es mit dem Zurückschlagen nicht immer klappen, wichtig sei dabei sich aber nicht vom Weg abbringen zu lassen, sagt Nagelsmann. „Wir müssen weiterhin selbst dran glauben, dass wir zurückschlagen können. Denn grundsätzlich haben wir immer die Qualität, Tore zu schießen und auch mal einen Rückstand aufzuholen.“

"Jungs haben noch Frische"

Wie baut man also die eigenen Spieler wieder auf, wie motiviert man sie? Denn die mentale Bereitschaft sei ein besonderes Thema: „Das ist nicht so einfach.“ Vor allem bei dem aktuellen Pensum könnten die Profis nicht in jeder Partie die gleiche Spannung aufbringen. Das sei aber ein ligaübergreifendes Problem, das nicht nur RB Leipzig beeinflusst. Entsprechend sei die Favoritenrolle nicht immer leicht zu tragen. „Wenn der Spielverlauf so wie in Mainz ist und die Partie nicht komplett in deine Richtung läuft, dann hadert man manchmal vielleicht ein bisschen zu viel."

Deshalb habe der Bullen-Coach den eigentlich trainingsfreien Montagabend zu einer Videoanalyse genutzt. Dabei sei die Mentalität aber nicht im Vordergrund gewesen. „Es ging um inhaltliche Themen, die wir besser machen können, um wieder eine gewisse Leichtigkeit über die inhaltliche Arbeit auf dem Platz zu finden. Das wird gegen Leverkusen wichtig sein“, schätzt Nagelsmann. Denn an Gier würde es seinen Jungs nicht fehlen. „Sie sind alle gierig, spielen für einen sehr guten Verein in Deutschland und demnach wollen sie um das Maximale mitspielen.“

Den körperlichen Zustand seiner Mannschaft sehe er „aktuell noch nicht als dramatisch an“, so Nagelsmann. „Die Jungs haben immer noch Frische.“ Auf der anderen Seite muss das Team aktuell auch viele Verletzte hinnehmen, deren Ausfälle es zu kompensieren gilt. Und doch: „Die Spieler, die über weite Strecken gesund sind, sind auch in einer sehr guten körperlichen Verfassung“, gibt sich der Coach zuverlässig.