03. Mai 2021 / 19:08 Uhr

Mentalitätsproblem? HSV-Fans wundern sich über die wiederkehrende Negativ-Spirale beim Zweitligisten

Mentalitätsproblem? HSV-Fans wundern sich über die wiederkehrende Negativ-Spirale beim Zweitligisten

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Tobias Sturm hat am HSV zu knabbern.
Tobias Sturm hat am HSV zu knabbern.
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Trainer Daniel Thioune entlassen, den Aufstieg eventuell schon verspielt – trotz der stetig wiederkehrender negativen Entwicklung beim Hamburger SV hat der Zweitligist im Kreis Peine viele Fans. Die grübeln jetzt über Ursachen und darüber, wie es weitergehen kann.

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​Der ehemalige Bundesliga-Dino Hamburger SV ist ein Traditionsverein. Und weil es mittlerweile Tradition ist, dass der HSV mindestens einmal pro Saison den Trainer wechselt, ist Daniel Thioune seit Montag nicht mehr im Amt. Drei Spiele vor dem Saisonende in der zweiten Bundesliga, und kurz bevor der Club zum dritten Mal hintereinander voraussichtlich den Aufstieg auf der Zielgeraden verspielt. Warum das immer wieder passiert, darüber rätseln HSV-Fans aus dem Kreis Peine.

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„Vielleicht gibt’s in Hamburg eine Wasserader unter dem Stadion oder einen bösen Geist“, flachst Michael Brennecke, der sich die ständig wiederkehrende Pleitenserie in der Rückrunde nicht erklären kann. Der Fußball-Obmann des VfB Peine ist schon lange HSV-Fan und sagt: „Ich kapier das alles nicht mehr.“ Die Entlassungs-Entscheidung jetzt könne er insofern nachvollziehen, weil die Ergebnisse zuletzt katastrophal waren. Aber: „Ein Konzept geht doch nicht nur über wenige Monate, sondern über drei bis fünf Jahre.“

Eine Ursache für den Leistungseinbruch vermutet er in fehlender Siegermentalität. „Die Körpersprache bei einigen fehlt.“ Dem Interims-Coach, Ex-Nationalspieler und HSV-Ikone Horst Hrubesch, traut Brennecke eine kurzfristige Belebung des Teams zu. „Mehr als Platz drei liegt aber kaum noch drin.“

Wer langfristig der richtige Trainer für die Hamburger sein könnte, weiß der VfB-Obmann nicht. „Sie haben es mit jungen Trainern und mit namhaften probiert, und sie hatten mal vier Trainer gleichzeitig, davon drei entlassene, auf der Gehaltsliste. Keine Ahnung, wer da erfolgreich sein könnte.“

Tobias Sturm fiebert seit mehr als 25 Jahren mit dem Hamburger Team mit, hat ein HSV-Tattoo am Oberarm und lässt sich beim Frühstück vom HSV-Toaster das Vereinssymbol – die Raute – aufs Brot brennen. Gerade deshalb ist dem Oelerser die jüngste Entwicklung auf den Magen geschlagen. „Der Wechsel zu Horst Hrubesch hätte schon zwei Spiele früher erfolgen müssen“, sagt er. „Ich gehe davon aus, dass Thioune jetzt selbst nicht mehr wollte.“

Auch Sturm sieht ein Mentalitätsproblem als Ursache für den Absturz der Mannschaft an. „Sie hat eine super Hinrunde gespielt und dann wohl gedacht, sie bräuchte nicht mehr so viele Körner zu geben wie vorher – und ist dann in diesen Trott verfallen.“ Er traut Hrubesch zu, der Mannschaft in den letzten drei Spielen nochmal Feuer zu machen. „Aber ob das noch zum Aufstieg oder zu Platz drei reicht, ist fraglich. Dann müssten die anderen Mannschaften oben patzen, und die haben so gut gespielt, dass ich ihnen den Aufstieg auch gönnen würde.“

Für Schwicheldts Kreisliga-Spieler Max Seeler – entfernt verwandt mit HSV-Idol Uwe Seeler – ist die Notbremse voraussichtlich zu spät gezogen worden. „Ich weiß aber auch nicht, ob es wirklich am Trainer liegt. Vielleicht ist die Mannschaft untrainierbar. Vielleicht liegt es auch daran, dass der HSV ein Riesen-Verein mit einer Riesen-Erwartungshaltung auch im medialen Umfeld ist. Daran wird die Mannschaft gemessen. Dieses Umfeld ist nicht optimal, und Schalke 04 könnte es künftig ähnlich ergehen. Da gibt es Parallelen.“

Hubert Meyer, der als Kicker-Redakteur früher häufig über den HSV geschrieben hatte, sieht das Problem in der Zusammenstellung der Mannschaft. „Es sind zu unterschiedliche Spieler. Das Team hat keine Konstanz“, sagt der Klein Ilseder. Diese Zusammenstellung liege auch in der Verantwortung von Sportvorstand Jonas Boldt. Die HSV-Mannschaft selbst sei verunsichert, Thioune habe sehr oft umgestellt und auch Spieler auf Positionen gestellt, auf denen sie nicht überzeugen konnten.

Der Mannschaft mangele es zudem an der notwendigen Mentalität. „Man hat das Gefühl, einigen geht es zu gut beim HSV.“ Und sich im Spiel nur auf Torjäger Terodde zu verlassen, reiche nicht. Wer in der zweiten Liga glaubt, er sei ein Erstligist, bekomme Probleme. „Man braucht hundert Prozent Konzentration.“

Horst Hrubesch als Interimslösung hält Meyer für eine gute Wahl. „Sie hätten aber früher wechseln sollen.“ Als Trainer für die neue Saison würde er Ex-HSV-Spieler Wolfgang Rolff empfehlen. „Den hat irgendwie keiner auf der Rechnung. Aber er ist ein guter Trainer und kennt den HSV.“

Max Seeler und Tobias Sturm hoffen auf Paderborns Noch-Coach Steffen Baumgart. „Wegen seiner Mentalität“, begründet Seeler. „Einen anderen wüsste ich gar nicht“, sagt Sturm.