27. Mai 2020 / 15:45 Uhr

Merkwitz-Torwart Münch: Trotz Schichtdienst regelmäßig beim Training

Merkwitz-Torwart Münch: Trotz Schichtdienst regelmäßig beim Training

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
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David Münch wehrt im Pokal-Viertelfinale einen Schuss von Hartenfels-Torjäger Steven Hache ab. © Gerhard Schlechte/Sven Bartsch
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Der Merkwitzer Kreisliga-Schlussmann David Münch verpasst trotz hoher beruflicher Belastung nur selten ein Spiel. Im Team glänzt er nicht nur durch seine Zuverlässigkeit, sondern auch durch seine zahlreichen Paraden.

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Merkwitz. „Ich bin der letzte Mann, die letzte Rettung für das Team, bevor es einschlägt, der Einzige, der noch helfen kann“, sagt David Münch, „das hat mich schon immer fasziniert, deshalb bin ich Torwart geworden.“ Und so steht der 33-Jährige mittlerweile seit fast zweieinhalb Jahrzehnten zwischen den Fußball-Pfosten und hat immer noch jede Menge Spaß daran, im Kasten hin- und herzufliegen und Tore zu verhindern.

Seit 2012 ist David Münch Stammkeeper beim SV Merkwitz und feierte in dieser Zeit zwei Aufstiege, 2013 und 2019. An die Feier im vergangenen Jahr kann er sich noch gut erinnern. „Es ging ziemlich flüssig zu, es war der verdiente Lohn für eine tolle Saison der Mannschaft, es war einfach schön. Wir wollten unbedingt hoch und haben es knapp geschafft.“

Zahlreiche Paraden verhinderten zweistelliges Debakel

Seit einigen Monaten hält Münch nun also in der Fußball-Kreisliga sein Gehäuse möglichst sauber. Platz elf für den Neuling und „nur“ 29 Gegentore trotz starker Konkurrenz sind auch ein Qualitätsnachweis für den Schlussmann, der in der abgebrochenen Saison starke Leistungen zeigte und sich mit seiner Mannschaft auch über den erstmaligen Einzug ins Viertelfinale des Kreispokals freuen durfte.

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Dort waren die Merkwitzer allerdings beim 0:7 gegen Nordsachsenliga-Dominator Hartenfels Torgau chancenlos. An Münch lag es freilich nicht. Seine zahlreichen Paraden verhinderten ein zweistelliges Debakel. „Dieses Spiel gegen einen übermächtigen Kontrahenten war für mich trotz der hohen Niederlage ein Erlebnis“, meint der Keeper.

Zweimal die Woche Training

Trainer Rene Zwetkoff hält jedenfalls große Stücke auf seinen Schlussmann. „David ist mit seinem Trainingsfleiß und seiner Zuverlässigkeit nicht nur ein guter Rückhalt, sondern auch Vorbild und wichtige Führungsfigur für die junge Mannschaft“, sagt der Coach, „obwohl es für ihn sehr schwierig ist, Beruf und Sport miteinander zu verbinden.“

Denn Münch arbeitet im Vier-Schicht-System bei Laminat-Hersteller Kronospan in Lampertswalde. „Rollende Woche, also auch am Wochenende. Ich bin Lagerist, fahre Gabelstapler und bin als Versandmeister für die Verladung zuständig“, erzählt der Keeper. Für den Job sitzt er täglich anderthalb Stunden im Auto, 50 Kilometer hin, 50 Kilometer zurück. Trotzdem schafft er es fast immer zweimal die Woche zum Training. „Wenn ich Frühschicht habe, ist das ja eh kein Probleme. Bei Nachtschichten fahre ich eben direkt nach dem Training zur Arbeit.“

Zunächst Mittelfeldspieler

Und am Wochenende verpasst er nur ganz selten ein Spiel seiner Mannschaft. „Da fange ich auf Arbeit früher oder später an, oft bummle ich auch Überstunden ab. Zum Glück haben meine Kollegen viel Verständnis und springen dann für mich ein, sonst könnte ich das alles nicht machen.“ Ein Wahnsinns-Aufwand, der auf die Knochen geht. „Natürlich bin ich manchmal total kaputt, aber ich bin ein Fußball-Verrückter, das ist nun mal mein Leben“, erklärt David Münch.

Er wohnt im winzigen Zeicha, einem Ortsteil von Naundorf, und begann dort auch als Kind mit dem Fußball. Zunächst als Mittelfeldspieler, aber dann ging es schnell ins Tor, dem er stets treu geblieben ist, auch später im Mügelner Nachwuchs.

„Oliver Kahn war immer mein Held“

Das lag auch daran, dass er ein großes Vorbild hatte, dem er unbedingt nacheifern wollte. „Oliver Kahn war immer mein Held. Der war extrem ehrgeizig, hat nie aufgegeben, seine Mannschaft angetrieben. Ich habe versucht, mir so viel wie möglich von ihm abzuschauen.“

Titan zu sein wie Kahn ist aber schwer, wenn man kaum spielen darf wie Münch in seiner Zeit bei den Mehderitzscher Männern. Dort kam er in der Nordsachsenliga nur zu wenigen Einsätzen und war unzufrieden. „Da haben Spaß und Anerkennung gefehlt, ich wollte nicht länger nur Ersatztorwart sein, das hat mich nicht ausgefüllt.“

Von größeren Verletzungen verschont

Als sich in Merkwitz die Gelegenheit ergab, griff er zu und hat es nicht bereut. „Im Verein geht es sehr familiär zu, der Zusammenhalt in der Mannschaft ist riesig, das gefällt mir. Und mit den Trainern passt es auch.“

Silvio Huke (m) Tobias Roßbrich, David Moritz (l) und Hüter David Münch im Spiel Spröda  - Merkwitz, Fußball-Kreisliga.
Im Spiel gegen Spröda ist David Münch schon geschlagen, doch ein Merkwitzer Verteidiger rettet für ihn. © Alexander Prautzsch
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Von größeren Verletzungen blieb er verschont – bis auf einen Kreuzbandriss 2016, der ihn zu einer monatelangen Pause zwang. „Das war ein Schock, und es kostete Überwindung, das Knie wieder voll zu belasten. Aber ich habe mich relativ schnell zurückgekämpft und noch in der gleichen Saison mein Comeback gegeben.“

Nicht gerade Gardemaße

Wer so für seinen Sport brennt, hat wenig Verständnis für Teamkollegen, die sich hängen lassen und nicht zum Training kommen. Bei manchen jungen Spielern vermisst er unbedingten Ehrgeiz und Zuverlässigkeit. „Da gibt es manchmal zu viele Ausreden. Dann versuche ich gemeinsam mit den anderen Routiniers gegenzusteuern.“

Für einen Torwart hat David Münch nicht gerade Gardemaße: nur 1,79 Meter groß, 79 Kilo. Er kompensiert die relativ geringe Größe mit Sprungkraft und Reaktionsschnelligkeit. „Aber das Herauslaufen ist nicht meine Stärke, die liegt eher auf der Linie.“ So hat er in seiner langen Karriere schon viele Elfmeter gehalten, in dieser Saison allein vier.

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Elfmeter-Töter: David Münch hält allein in dieser Saison zur Freude seiner Teamkollegen vier Strafstöße. © Gerhard Schlechte

Seine Beweglichkeit hilft ihm auch bei Hallenturnieren. „Dort spiele ich sehr gerne.“ Etliche Pokale als bester Torwart unterm Dach hat er schon in der Schrankwand stehen, und es sollen noch einige dieser Auszeichnungen dazukommen. „So lange ich gesund und fit bin, mache ich weiter.“