22. Mai 2020 / 11:01 Uhr

Merkwitzer Mittelfeldspieler Thomas: Zwei Aufstiege und ein großes Vorbild

Merkwitzer Mittelfeldspieler Thomas: Zwei Aufstiege und ein großes Vorbild

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Max Thomas Hallenturnier Inter Leipzig
Max Thomas trifft beim Hallenturnier in Oschatz gegen den Keeper von Inter Leipzig. © Gerhard Schlechte
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Mittelfeldspieler Max Thomas ist erst 19 Jahre alt, zählt beim Fußball-Kreisligisten SV Merkwitz aber schon zu den Leistungsträgern. Trainer Rene Zwetkoff sieht bei ihm das Potenzial für einen Mannschaftskapitän.

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Merkwitz. Wenn Rene Zwetkoff über den talentiertesten Fußballer in seiner Mannschaft spricht, dann gerät der Trainer des Fußball-Kreisligisten SV Merkwitz ins Schwärmen: „Max hat Spielwitz und Schnelligkeit, besitzt eine gute Technik und kann andere mitreißen. Er zählt jetzt schon zu den Besten.“

Dabei hat Max Thomas im Februar gerade mal seinen 19. Geburtstag gefeiert. Trotz seiner Jugend ist er bereits Stammkraft im Mittelfeld und hat großen Anteil daran, dass der Aufsteiger aus Merkwitz in der inzwischen abgebrochenen Kreisliga-Saison auf einem gesicherten Mittelfeldplatz gelandet ist. Nach vier Siegen, zwei Remis und acht Niederlagen stand Rang elf zu Buche. Zwetkoff ist damit zufrieden – und vor allem mit seinem Youngster.

„Max erfüllt seine Aufgaben in der Zehner-Rolle hinter den Spitzen oder auf der Außenbahn sehr gut, er könnte längst auch bei einem anderen Verein höherklassig spielen“, sagt der Coach, „aber er hat bei uns alle Nachwuchsteams durchlaufen und ist dem SV Merkwitz zum Glück immer treu geblieben.“

Erstes Training nach Corona-Zwangspause

Am Dienstagabend bittet Zwetkoff seine Jungs zum ersten Training nach der Corona-Zwangspause. Höchste Zeit, meint auch Max Thomas. „Schön, dass es wieder losgeht. Der Fußball hat mir schon sehr gefehlt. Zweimal in der Woche Training, am Wochenende dann ein Spiel, dieser Rhythmus hat sich über die Jahre so eingepegelt. Zuletzt konnte ich aber nur ein bisschen joggen.“

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Einziger Vorteil: Der junge Kicker konnte sich so noch intensiver um die Schule kümmern. „Ich bin gerade in der Abi-Phase, 13. Klasse am Berufsschulzentrum Oschatz, Wirtschafts-Abitur“, erzählt Max Thomas, „vier Prüfungen habe ich bereits geschafft, bisher ist es ganz gut gelaufen. Mathe und Chemie, beide mündlich, kommen noch. Ich denke, dass ich mit 2,6 abschließen werde.“

Er wohnt noch bei seinen Eltern in Oschatz, fährt gern Motorrad und nennt die Playstation als weiteres Hobby. Der Fußball aber sei durch nichts zu ersetzen. Er begann als Sechsjähriger, kam durch Freunde zum Training in Merkwitz und fing sofort Feuer. In den diversen Nachwuchsteams wurde er als Innenverteidiger und später im Mittelfeld schnell zum Leistungsträger und dann stets auch zum Kapitän.

Michael Ballack als großes Vorbild

Sein großes Vorbild hieß damals Michael Ballack. Der Sachse, lange Deutschlands bester Fußballer, imponierte ihm, nicht nur durch die Auftritte auf dem Rasen. „Er wirkte bodenständig und sehr menschlich, ich habe im Fernsehen viele Spiele von ihm gesehen und war begeistert. Eigentlich habe ich wegen ihm angefangen.“

Andere Vereine wurden auf das Talent aus Merkwitz aufmerksam, Als 15-Jähriger absolvierte Max Thomas ein Probetraining bei Stahl Riesa. „Das war zwar okay, aber ich wollte nicht wirklich weg, auch weil ich hier einen großen Freundeskreis habe und ich mich im Verein wohl fühle“, sagt er, „da war mein Heimatgefühl zu groß.“

Die Saison 2018/19 bezeichnet er als seine bisher schönste. Mit der A-Jugend der Spielgemeinschaft Merkwitz/Wermsdorf/Luppa wurde er als Kapitän Nordsachsenmeister und Kreispokalsieger, schaffte den Aufstieg in die Landesklasse Nord. Und mit den Merkwitzer Männern, zu denen er nach seinem 18. Geburtstag sofort wechselte, dann auch den Sprung in die Kreisliga. „Zwei Aufstiege in einem Jahr, das hat viel Spaß gemacht.“

„In vielen Bereichen noch verbessern“

Inzwischen kickt er nur noch bei den „Großen“. Dort werde zwar robuster und schneller gespielt, „aber ich komme zurecht und habe meinen Platz in der Mannschaft gefunden“, so Max Thomas. Das Team habe sich bis zum Saisonabbruch sehr ordentlich präsentiert und als Aufsteiger seine Ziele erreicht, zum Teil sogar übertroffen.

Im Nordsachsenpokal stieß der SV Merkwitz bis ins Viertelfinale vor. Dort gab es allerdings eine Packung gegen Hartenfels Torgau, bei der Max Thomas verletzt fehlte. „Schade, das wäre auch für mich lehrreich gewesen. Die haben uns die Grenzen aufgezeigt. Ich weiß, dass ich mich in vielen Bereichen noch verbessern muss.“

Ausbildung zum Chemikanten

Er sieht sich zwar als Leistungsträger, aber noch nicht als Führungsfigur. Dies seien in Merkwitz Spielführer Michael Haupt, Daniel Schober und Torwart David Münch. „Dafür fehlt mir noch die Erfahrung, aber ich sage meine Meinung, wenn es nötig ist.“ Das hat auch Trainer Rene Zwetkoff registriert, der Max Thomas noch viel zutraut: „Er hat zweifellos das Zeug zum Mannschaftskapitän, wenn er etwas älter und reifer geworden ist.“

Nach dem Abitur wird Max Thomas in Nünchritz eine Ausbildung zum Chemikanten absolvieren – und weiter beim SV Merkwitz Fußball spielen. „Nächste Saison wollen wir in der Tabelle noch ein Stück klettern, vielleicht schaffen wir ja einen Platz unter den besten Sechs.“