20. Dezember 2019 / 18:05 Uhr

Merlin Röhl: Mit Eigeninitiative von Babelsberg 03 in die Nationalmannschaft

Merlin Röhl: Mit Eigeninitiative von Babelsberg 03 in die Nationalmannschaft

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Merlin Röhl wechselte vom SV Babelsberg 03 (u.) zum FC Ingolstadt (r.). Im Dezember kam er in Israel beim Spiel gegen Serbien zu seinem Debüt in der U18-Nationalmannschaft.
Merlin Röhl wechselte vom SV Babelsberg 03 (u.) zum FC Ingolstadt (r.). Im Dezember kam er in Israel beim Spiel gegen Serbien zu seinem Debüt in der U18-Nationalmannschaft. © Thomas Boecker/DFB, Verein/SPORTBUZZER-Montage
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Kreis Havelland: Merlin Röhl lebt den Fußballer-Traum. Der 17-Jährige wurde beim SV Babelsberg 03 ausgebildet.

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„Manchmal kann ich es selbst noch nicht realisieren“, sagt Merlin Röhl, wenn er auf seine Entwicklung in den vergangenen eineinhalb Jahren blickt. Im Sommer 2018 wechselte der gebürtige Potsdamer von der B-Jugend des SV Babelsberg 03, mit der er die Meisterschaft in der Fußball-Brandenburgliga holte, zum Nachwuchs des FC Ingolstadt.

Über die App „Tonsser“, in der Fußballer ihre Statistiken selbst einpflegen und diese an Scouts oder Vereine schicken können, hatte er sich bei den „Schanzern“ für ein Sichtungstraining beworben, wurde eingeladen und wusste zu überzeugen. „Dann wurde ich später nochmal für vier Tage genauer unter die Lupe genommen“, so Röhl, der das Fußball-Abc am Babelsberger Park erlernte und von sich selbst sagt, dass er sich mit dem Kiezverein immer „sehr stark identifiziert“ hat. Der Schritt nach Bayern, wo er im Sommer 2018 einen Fördervertrag über drei Jahre unterschrieb und nach einem Jahr im Internat inzwischen in einem eigenen kleinen Appartement wohnt, sei eine „große Veränderung“ im Leben des 1,91 Meter großen Nachwuchskickers gewesen.

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Trotz der räumlichen Trennung von Familie und Freunden hatte der feine Techniker sportlich keine Anpassungsprobleme. Obwohl er erst nach der Vorbereitung zum B-Jugend-Team des FCI gestoßen war, eroberte er sich sofort einen Stammplatz, den er auch in dieser Saison bei den A-Junioren inne hat – elf Spiele und zwei Tore stehen in der Statistik des im Mittelfeld flexibel einsetzbaren Akteurs, der inzwischen sogar den Sprung in die Nachwuchs-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geschafft hat.

Nach einem Lehrgang in Spanien inklusive Testspiel gegen die U19-Mannschaft des FC Valencia, bestritt Röhl am 10. Dezember in Israel sein erstes offizielles Länderspiel, das am Ende gegen die serbische Nachwuchsnationalmannschaft mit 1:2 verloren wurde. „Das war einfach ein geiles Gefühl“, blickt Röhl zurück. Sein Trainer bei den DFB-Junioren ist der ehemalige Bundesliga-Profi und Nationalspieler Christian Wörns (47), den der Ex-Babelsberger als „sehr ruhig“ beschreibt. „Er hat natürlich unglaublich viel Erfahrung, die er jetzt weitergeben will. Ich kann nur Positives über ihn sagen.“

Für diese SpielerInnen bekamen Brandenburger Vereine in fünf Jahren die DFB-Prämie

Jannis Lang, Leon Schaffran und Lennart Czyborra (v.l.) zählen zu den Brandenburger Talenten, für die ihre Jugendvereine in den vergangenen fünf Jahren eine DFB-Prämie kassierten. Zur Galerie
Jannis Lang, Leon Schaffran und Lennart Czyborra (v.l.) zählen zu den Brandenburger Talenten, für die ihre Jugendvereine in den vergangenen fünf Jahren eine DFB-Prämie kassierten. ©

Dass er trotz des – im Alter von 16 Jahren – verhältnismäßig späten Wechsels in ein Nachwuchsleistungszentrum inzwischen sogar den Bundesadler auf der Brust tragen darf, schreibt Merlin Röhl auch der guten Arbeit im Nulldrei-Nachwuchs zu. „Dort wurde ich immer bestmöglich gefördert und konnte als jüngerer Jahrgang schon gegen Ältere mitwirken.“ Daher hätte er beim Wechsel von der Brandenburg- in die Bundesliga relativ wenig Anpassungsprobleme gehabt. Am meisten Nachholbedarf sah und sieht er vor allem im athletischen Bereich. Sein ehemaliger Nachwuchstrainer Matthias Boron ist über den Elftklässler voll des Lobes: „Er war immer ein sehr fleißiger, ehrlicher Junge, der sich diese Entwicklung auf jeden Fall verdient hat. Als Trainer kann man sich solch einen Spieler nur wünschen.“

Die Ingolstädter Profis um den Ex-Babelsberger Stefan Kutschke rangieren in der 3. Liga auf Tabellenplatz zwei und peilen den sofortigen Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga an. Wohin ihn sein Weg noch führen wird, kann Röhl, der über Weihnachten und Silvester bei seiner Familie in Potsdam sein wird, selbst nicht einschätzen und will auch nicht zu viel in die Zukunft schauen. „Früher war es mein Ziel, für die erste Mannschaft in Babelsberg aufzulaufen. Jetzt wäre es natürlich ein Traum, hier in Ingolstadt im Profibereich anzukommen. Als kleines Kind träumt ja jeder Fußballer davon, einmal in großen Stadien zu spielen.“ Der Erfüllung dieses Traums ist Merlin Röhl in den vergangenen 18 Monaten auf jeden Fall ein großes Stück näher gekommen.