10. September 2021 / 17:25 Uhr

Top-Qualität zum Nulltarif: Wie Messi, Alaba, Depay & Co. ihre Teams besser machen sollen

Top-Qualität zum Nulltarif: Wie Messi, Alaba, Depay & Co. ihre Teams besser machen sollen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Lionel Messi, David Alaba und Memphis Depay (v.l.) wechselten im Sommer die Vereine zum Nulltarif.
Lionel Messi, David Alaba und Memphis Depay (v.l.) wechselten im Sommer die Vereine zum Nulltarif. © IMAGO/VI Images/NurPhoto/Pressinphoto/PanoramiC (Montage)
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Top-Qualität muss nicht teuer sein - zumindest dann, wenn es um die blanke Ablöse geht. Zahlreiche Stars wechselten in diesem Sommer nach Vertragsende und damit zum Nulltarif ihren Klub. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

Kurz vor Ablauf der Meldefristen für die internationalen Wettbewerb machte mit Jerome Boateng auch der letzte vertragslose Top-Star Nägel mit Köpfen. Der ehemalige Bayern-Profi schloss sich Olympique Lyon an und will sich über starke Leistungen in der Ligue 1 auch wieder für die deutsche Nationalmannschaft empfehlen. Boatengs Deal war so etwas wie der Abschluss eines turbulenten Transfer-Sommers, in dem trotz der Corona-Pandemie die eine oder andere hohe Ablöse floss - aber auch viele namhafte Spieler zum Nulltarif ihren Klub wechselten. Der SPORTBUZZER zeigt zehn Stars, die in den vergangenen Wochen zum Ablöse-Schnäppchen wurden.

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Lionel Messi

Der wohl spektakulärste Deal des Sommers ging in Paris über die Bühne. Nach 21 Jahren war für Lionel Messi Schluss bei seinem Herzensklub FC Barcelona. Für den Superstar – seines Zeichens sechsmaliger Weltfußballer und Rekordhalter nahezu sämtlicher Klub-Bestmarken bei den Katalanen (35 Titel, Rekordspieler, Rekord-Torschütze) – ging es zu Paris Saint-Germain. Der Wechsel des Ausnahmespielers ging mit erheblichen Nebengeräuschen über die Bühne. An Ablöse zahlte PSG dabei aber keinen einzigen Cent. Wegen finanzieller Probleme und Querelen mit den Statuten der spanischen La Liga konnte Barca den auslaufenden Kontrakt des "Zauberflohs" nicht verlängern. Seit dem 1. Juli war Messi deshalb vereinslos. Die Pariser nutzten die Gunst der Stunde und schlugen zu – zum Nulltarif. Sein Vertrag an der Seine läuft zunächst bis 2023 und ist mit einem klaren Ziel verbunden: Der erste Gewinn der Champions League soll endlich her. Verschlechtert haben sich die PSG-Chancen durch den Messi-Deal sicher nicht. Auch im Alter von 34 Jahren gehört der Argentinier noch immer zu den besten Stürmern der Welt und bildet mit Kylian Mbappé und Neymar nun wohl Europas gefährlichstes Offensiv-Trio.

David Alaba

Eine ähnlich lange währende Liaison ging im Sommer beim FC Bayern zu Ende. 13 Jahre hatte David Alaba beim deutschen Rekordmeister unter Vertrag gestanden und bei den Münchnern nicht nur zwei Champions-League-Siege und zehn deutsche Meisterschaften miterlebt, sondern auch die Entwicklung zu einem Spieler mit absolutem Weltklasse-Format durchgemacht. Für den Verteidiger war es nach der langen Ära an der Säbener Straße und erfolglosen Verhandlungen mit den Münchener Verantwortlichen Zeit für eine neue Herausforderung. Ablösefrei sicherte sich Real Madrid die Dienste des Österreichers. Für Alaba geht damit "ein Traum in Erfüllung." "Ich sitze hier beim größten Verein auf dieser Welt und es erfüllt mich natürlich mit Stolz", erklärte der 29-Jährige nach seiner Ankunft bei den "Königlichen", wo er bis 2026 unterschrieb. Sein Auftrag: Die zu PSG abgewanderte Klub-Ikone Sergio Ramos ersetzen und die Defensive stabilisieren.

Memphis Depay

Auch der Madrider Erzrivale FC Barcelona schnappte sich einen Ausnahmekönner ohne eine Ablöse zu zahlen. Memphis Depay, der zuletzt mit fünf Toren in drei Länderspielen unter Bondscoach-Rückkehrer Louis van Gaal brillierte, heuerte nach dem Ablauf seines Vertrags bei Olympique Lyon bei den Katalanen an, die in der Offensive durch den Weggang von Lionel Messi und später auch Antoine Griezmann (Atlético Madrid) nachrüsten mussten. Depay kam mit dem Empfehlungsschreiben von 22 Toren in 40 Pflichtspielen der vergangenen Saison nach Barcelona. An den Klub ist er nun bis 2023 gebunden. Kann er Barca wirklich besser machen? Wären Messi und Griezmann noch da, würde die Antwort eindeutig "Ja" lauten. Ohne das Duo muss Depay kompensieren, was noch zu kompensieren ist.

Sergio Ramos

In Paris erreichte die Schnäppchenjagd in dieser Saison ein neues Level. Auch Sergio Ramos fand ablösefrei den Weg in die französische Hauptstadt. Zur Verdeutlichung der Tragweite des Deals: Ramos gilt bei seinem Ex-Klub Real Madrid als Legende, spielte dort seit 2005 und entwickelte sich zum absoluten Leader. Mit den Madrilenen gewann er unter anderem fünf spanische Meistertitel und vier Mal die Champions League (2014, 2016, 2017, 2018). Für Spaniens Nationalmannschaft bestritt der für seine kompromisslose Zweikampfführung bekannte Innenverteidiger zudem 180 Länderspiele (23 Tore). 2008 und 2012 wurde er Europameister, 2010 Weltmeister. PSG sichert sich eine echte Ikone. Sein Vertrag dort läuft bis 2023. Genug Zeit also, um nach Verletzungsproblemen wieder in die Spur zu kommen und die Abwehr der Pariser auch im Alter von inzwischen 35 Jahren zu einem Bollwerk zu machen.

Gianluigi Donnarumma

Und wieder PSG! Den nächste prominenten Namen lotste der Scheich-Klub aus Italien an die Seine. Für Donnarumma geht mit dem Transfer nach Frankreich ein bedeutender Lebensabschnitt zu Ende: Der Torwart kam 2013 als 14-Jähriger zur AC Mailand. Bereits zwei Jahre später gab er mit nur 16 Jahren sein Debüt in der Serie A. Nach 251 Pflichtspielen verlässt er die Rossoneri nun ohne einen größeren Titel. Einzig den italienischen Superpokal konnte er 2016 mit der AC gewinnen. Allerdings gewinnt sein neuer Klub einen frischgebackenen Europameister, der sich mit zwei gehaltenen Versuchen im Elfmeterschießen des Finals bei der EM den Titel als bester Spieler sicherte, hinzu. Die Pariser statteten den Keeper mit einem Kontrakt bis 2026 aus und erhoffen sich, nun auch im Tor mit dem besten Spieler der Welt ausgestattet zu sein.


Georginio Wijnaldum

Den nächsten Star zum Nulltarif holte sich der französische Vizemeister PSG aus der Premier League. Georginio Wijnaldum – unter anderem auch beim FC Bayern und beim FC Barcelona gehandelt – folgte dem Ruf des ambitionierten Scheich-Klubs, der mit seinem Star-Ensemble einmal mehr nach dem ersehnten Triumph in der Champions League greift. Wijnaldum ist dabei einer von mehreren Bausteinen. Der Offensivspieler hatte zuvor fünf Jahre lang an der Anfield Road beim FC Liverpool gekickt und in 237 Pflichtspielen für die "Reds" 22 Tore erzielt. PSG holte ihn nun ablösefrei und stattete ihn mit einem bis 2024 gültigen Arbeitspapier aus. Mit seiner Erfahrung, Routine und Übersicht ist 30-Jährige im extrem gefüllten Terminkalender eine weitere wertvolle Alternative für Trainer Mauricio Pochettino.

Hakan Calhanoglu

Auch ein Ex-Bundesliga-Profi wechselte im Sommer ohne Ablöse die Seiten. Beim Transfer von Hakan Calhanoglu schwingt zudem eine gehörige Portion Brisanz mit, denn den Mittelfeldspieler zog es von der AC Mailand ausgerechnet zu Stadtrivale und Serie-A-Champion Inter Mailand. Der türkische Nationalspieler – in Deutschland einst unter anderem für den Hamburger SV und Bayer Leverkusen aktiv – unterschrieb bis 2024 und greift nach 172 Pflichtspielen für Milan nun mit dem Erzrivalen nach Titeln. Ganz einfach dürfte das in dieser Saison jedoch nicht werden. Mit Achraf Hakimi (zu PSG) und Romelu Lukaku (zum FC Chelsea) verlor Inter zwei absolute Top-Stars. Calhanoglu findet bei seinem neuen Verein also eine ähnliche Situation wie Depay bei Barca vor - und ist extrem gefordert.

Sergio Agüero

Nur zwei Tage nach seinem letzten Spiel für Manchester City (0:1 im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea) war die Zukunft des Offensiv-Stars geklärt. Sein auslaufender Vertrag bei den Citizens wurde nicht verlängert, der Argentinier schnürt deshalb künftig die Schuhe für den spanischen Spitzenklub FC Barcelona, der zumindest keine Ablöse für den Torjäger zahlen musste. Ablösefrei will man ihn künftig wohl nicht ziehen lassen: In seinem bis 2023 laufenden Vertrag ist eine Ausstiegsklausel in Höhe von 100 Millionen Euro verankert. Zunächst wird der 33-Jährige, der während seiner Karriere bislang auf 659 Spiele und 378 Tore kommt, den Katalanen nicht helfen können. Kurz nach seiner Ankunft in Barcelona setzte ihn eine Wadenverletzung für bis zu zehn Wochen außer Gefecht. Sollte der Routinier danach wieder seine gewohnte Leistungsstärke erreichen, wäre er die dringend benötigte Offensiv-Unterstützung für Depay.

Jerome Boateng

Um die Zukunft von Jerome Boateng rankten sich monatelang die Gerüchte. Beim FC Bayern war nach zehn Jahren Vereinszugehörigkeit kein Platz mehr für den Innenverteidiger. An Möglichkeiten mangelte es dem Weltmeister von 2014 nicht: Unter anderem wurde auch dem FC Sevilla und Hertha BSC Interesse an dem Defensivspieler nachgesagt. Am Ende machte Ligue-1-Klub Olympique Lyon, bei dem mit Ex-HSV-Torwart Julian Pollersbeck ein weiterer Deutscher im Kader steht, das Rennen und umging dank des ausgelaufenen Bayern-Vertrags die Zahlung einer Ablöse. Bei den Franzosen hat Boateng nun zwei Jahre Vertrag. Bei den Bayern konnte der 33-Jährige unter Ex-Trainer Hansi Flick fast an alte Glanzzeiten anknüpfen - schafft er es, diese Leistung zu kompensieren, dürfte Lyon viel Freude an ihm haben. Seine Zweikampfstärke und das Stellungsspiel sind immer noch herausragend.

Franck Ribéry

Selbst eine Rückkehr zum FC Bayern stand bei Klub-Liebling Franck Ribéry kurzzeitig im Raum, die Klub-Verantwortlichen schoben einem Sensations-Comeback beim deutschen Rekordmeister aber einen Riegel vor. So ging es für den 38 Jahre alten Franzosen, dessen Vertrag bei der AC Florenz zum Saisonende ausgelaufen war, zu Serie-A-Aufsteiger US Salernitana. Einen bleibenden Eindruck wie in München möchte der Offensivmann auch dort hinterlassen. Ribery hatte insgesamt zwölf Jahre für die Bayern gespielt und in dieser Zeit unter anderem neun deutsche Meistertitel gewonnen. 2013 gewann er mit dem FCB zudem das Triple aus Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal. Europas Fußballer des Jahres von 2013 absolvierte 273 Bundesliga-Spiele (86 Treffer) und kam in der Königsklasse 87 Mal für den FC Bayern zum Einsatz (18 Tore) – keine schlechte Bilanz für einen ablösefreien Spieler. Fakt ist: Trotz seines Alter kann Ribéry mit seinen Fähigkeiten in Eins-gegen-Eins-Situationen, der Erfahrung und seiner Torgefahr immer noch eine große Hilfe - gerade für ein unerfahrenes Team - sein.