17. Oktober 2019 / 11:28 Uhr

Mesut Özil über DFB-Rücktritt, Erdogan-Foto und Rassismus in Deutschland: "Kommt aus Mitte der Gesellschaft"

Mesut Özil über DFB-Rücktritt, Erdogan-Foto und Rassismus in Deutschland: "Kommt aus Mitte der Gesellschaft"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mesut Özil trat nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 aus dem DFB-Team zurück. Knapp anderthalb Jahre später hat er Deutschland und die Führung der Nationalmannschaft erneut scharf kritisiert.
Mesut Özil trat nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2018 aus dem DFB-Team zurück. Knapp anderthalb Jahre später hat er Deutschland und die Führung der Nationalmannschaft erneut scharf kritisiert. © Getty
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Ex-Nationalspieler Mesut Özil hat sich erstmals ausführlich über seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft und das Foto mit Recep Tayyip Erdogan geäußert. Zudem sieht er ein generelles Rassismus-Problem in Deutschland.

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Ex-Nationalspieler Mesut Özil hat knapp 15 Monate nach seinem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft seine Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund bekräftigt und sein umstrittenes Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verteidigt. "Nach dem Foto habe ich mich nicht mehr geschützt, nicht mehr respektiert gefühlt. Ich wurde rassistisch angegangen - sogar von Politikern und bekannten Persönlichkeiten", sagte Özil im Interview des Portals The Athletic am Donnerstag. "Dennoch hat sich zu dieser Zeit niemand von der Nationalmannschaft vor mich gestellt und gesagt: 'Hey, das reicht. Das ist unser Spieler.' Jeder hat einfach geschwiegen und es geschehen lassen."

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Özil war nach der WM 2018, die für Deutschland bereits nach der Vorrunde beendet war, mit einem Knall zurückgetreten. In einer mehrteiligen Stellungnahme in den sozialen Medien hatte der Weltmeister von 2014 den DFB und dessen damaligen Präsidenten Reinhard Grindel scharf angegriffen. Auslöser der Krise war das Erdogan-Foto vor der WM, das in Deutschland zum Politikum und Anlass zu lautstarken Diskussionen über Rassismus wurde.

Mesut Özil erklaärt Foto mit Recep Tayyip Erdogan

"Er ist der aktuelle Präsident der Türkei und ich würde dieser Person immer meinen Respekt erweisen - egal, wer es ist“, sagte der einstige Bundesliga-Profi. "Auch wenn ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, ist die Türkei Teil meines Erbes." Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel damals nach London gereist wäre "und nach einem Treffen, einem Gespräch gefragt hätte, hätte ich das natürlich auch getan. Es ging allein darum, Respekt vor dem höchsten Amt eines Landes zu zeigen."

Der Ablauf der Özil-Erdogan-Affäre in Zitaten

Mesut Özil ist nach langem hin und her um sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Doch wie hat sich die ganze Affäre eigentlich nochmal zugetragen? Der SPORTBUZZER rekonstruiert mit den wichtigsten Zitaten! Zur Galerie
Mesut Özil ist nach langem hin und her um sein Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Doch wie hat sich die ganze Affäre eigentlich nochmal zugetragen? Der SPORTBUZZER rekonstruiert mit den wichtigsten Zitaten! ©
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Seinen Rücktritt bezeichnete der Profi des englischen Erstligisten FC Arsenal auch mit dem Abstand mehrerer Monate als "richtige" Entscheidung. "Es war eine sehr schwere Phase für mich, ich habe neun Jahre für Deutschland gespielt und war einer der erfolgreichsten Spieler. Ich habe die WM und mehr gewonnen, eine Menge Spiele gespielt - viele davon waren sehr gut - und habe alles gegeben." Er erwarte nicht, dass die Menschen ihn liebten, aber man müsse ihn für das, was er "für Deutschland geleistet" habe, respektieren: "Meine Generation hat den deutschen Fußball verändert. Es macht jetzt mehr Spaß, ihn anzuschauen."

Özil sieht großes Rassismus-Problem in Deutschland

Losgelöst von seiner eigenen Situation sieht Özil ein generelles Rassismus-Problem in seinem Geburtsland. "Es gibt große Probleme in Deutschland. Man muss sich nur anschauen, was in Halle passiert ist, eine weitere antisemitische Attacke", sagte der frühere Bundesliga-Profi und verwies auf den Anschlag in der vergangenen Woche: "Rassismus ist unglücklicherweise nicht nur ein Thema am rechten Rand des Landes, er kommt aus der Mitte der Gesellschaft."

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