26. Januar 2021 / 17:31 Uhr

Premier League inside: Der stille Arsenal-Abschied des Mesut Özil  

Premier League inside: Der stille Arsenal-Abschied des Mesut Özil  

Hendrik Buchheister
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mesut Özil kehrt dem FC Arsenal nach über sieben Jahren den Rücken.
Mesut Özil kehrt dem FC Arsenal nach über sieben Jahren den Rücken. © imago images / Bildbyran / Montage
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Der Weggang als Erleichterung: Das Verhältnis zwischen Mesut Özil und dem FC Arsenal war zuletzt eine Farce. Der deutsche Weltmeister ist zum Symbol des Niedergangs der Nordlondoner geworden, meint SPORTBUZZER-Kolumnist Hendrik Buchheister.  

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Die neue Heimat empfing ihn mit Fanfaren, doch in der alten ist kaum jemand traurig über seinen Weggang. Mesut Özils Wechsel vom FC Arsenal zu Fenerbahçe ist eine Erleichterung für den Premier-League-Klub aus dem Norden Londons. Zu zerrüttet war seit Monaten die Beziehung zu dem deutschen Weltmeister. Die beiden Parteien lebten nur noch nebeneinander her, in dem Wissen, dass es keine gemeinsame Zukunft gibt. Özils Abschied in Richtung Istanbul markiert das Ende eines absurden Schauspiels, in dem unklar bleibt, wer hier eigentlich der Bösewicht ist: Spieler oder Verein.

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Özil kam 2013 als Statement. Nach Jahren des Sparzwangs durch den Bau des neuen Stadions war die Verpflichtung des Deutschen von Real Madrid als bis dahin teuerster Arsenal-Transfer für knapp 50 Millionen Euro ein Signal an die Konkurrenz. Die Gunners wollen und können wieder angreifen – so lautete dieses Signal. Özil sollte eine Ära prägen, doch das gelang ihm nicht.

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Zwar war er unter Arsène Wenger ein Schlüsselspieler und verhalf dem Klub zu drei FA-Cup-Siegen, doch in der Liga und international konnte Özil Arsenals Absturz ins Mittelmaß nicht bremsen. Unter Wengers Nachfolgern Unai Emery und vor allem Mikel Arteta wurde der Deutsche zum Außenseiter und war zuletzt nicht einmal mehr für den Spielbetrieb gemeldet.

So brachte Özil die Arsenal-Verantwortlichen gegen sich auf

Auch wenn die Gunners das bestreiten, liegt die Vermutung nahe, dass Özils Verbannung nicht nur sportliche Gründe hatte. Er brachte seinen Arbeitgeber mit Nachdruck gegen sich auf, und zwar mit seinem Engagement für die muslimische Uiguren-Minderheit in China, einem profitablen Absatzmarkt der Premier League, seinem Boykott des Gehaltsverzichts in der Corona-Krise und seiner Solidarität mit jenem gefeuerten Arsenal-Mitarbeiter, der über Jahrzehnte das beliebte Maskottchen Gunnersaurus gespielt hatte.

Die bizarre Entzweiung zwischen Özil und Arsenal wurde zuletzt dadurch illustriert, dass der Deutsche die Partien des Klubs von der heimischen Couch bei Twitter kommentierte, während die Mannschaft einen kreativen Geist dringend benötigt hätte. Genüßlich rechnete die englische Presse vor, das Arsenal den Deutschen bei dessen Vertragsverlängerung Anfang 2018 mit einem Vertrag ausgestattet hatte, der ihn mit 350.000 Pfund die Woche zum Topverdiener der Gunners machte.

Ein Symbol für den Niedergang der Gunners

Der bestbezahlte Angestellte als Live-Blogger – eine derart absurde Situation darf sich kein Verein der Welt leisten. Und so ist Özil am Ende seiner siebeneinhalb Jahre bei Arsenal auch ein Symbol für den Niedergang und die Orientierungslosigkeit des Klubs. Die Zukunft wollen die Nordlondoner wieder einmal mit jungen Spielern bestreiten. Im offensiven Mittelfeld machen Talente wie Bukayo Saka, 19, und Emile Smith Rowe, 20, Mut. Außerdem soll das einstige Wunderkind Martin Ødegaard von Real Madrid ausgeliehen werden. Ein Fall wie Özil soll sich nicht wiederholen.

Doch möglicherweise ist ein solcher schon angelegt. Pierre-Emerick Aubameyang jedenfalls befindet sich im Formtief, seitdem ihn der Verein bei seiner Vertragsverlängerung mit einem ähnlich luxuriösen Gehalt ausgestattet hat wie einst den deutschen Weltmeister.