19. Januar 2021 / 07:27 Uhr

Trainer, Team und sportliche Lage - Das erwartet Mesut Özil bei Fenerbahçe Istanbul

Trainer, Team und sportliche Lage - Das erwartet Mesut Özil bei Fenerbahçe Istanbul

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Bundesliga-Spieler Luiz Gustavo (links) ist Kapitän bei Fenerbahce, der gebürtige Hesse Erol Bulut
 der Trainer: Der SPORTBUZZER stellt den neuen Klub von Mesut Özil vor.
Ex-Bundesliga-Spieler Luiz Gustavo (links) ist Kapitän bei Fenerbahce, der gebürtige Hesse Erol Bulut der Trainer: Der SPORTBUZZER stellt den neuen Klub von Mesut Özil vor. © imago images/PRiME Media Images/Seskim Photo/Montage
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Der bevorstehende Wechsel von Mesut Özil sorgt bei den Fenerbahçe-Fans für viel Euphorie. Die Erwartungshaltung an den Ex-Nationalspieler ist riesig. Der SPORTBUZZER spricht mit zwei Süper-Lig-Experten über die neue Aufgabe des Weltmeisters von 2014 in der Türkei und erklärt, was ihn in Istanbul erwartet.

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Es ist das typische Bild nach der Ankunft eines neuen Superstars in der Türkei: Eine Privatmaschine landet, Fotografen nehmen den Finger nicht mehr vom Auslöser und der Spieler streckt begleitet von Fan-Gesängen einen Vereinsschal des neuen Klubs nach oben. Bei Mesut Özil sangen am Sonntagabend aufgrund der Corona-Auflagen zwar nur ein paar Flughafen-Mitarbeiter - die Vorfreude auf den deutschen Ex-Nationalspieler ist dennoch riesig. Sein neuer Klub Fenerbahçe Istanbul übertrug die Minuten nach der Landung sogar via Youtube - bis zur Abfahrt vom Flughafengebäude. Fast 500.000 Menschen sahen dieses Video innerhalb der ersten zwölf Stunden. Die Menschen feiern Özil als Messias.

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"Die Fans erwarten von Özil unfassbare Dinge und werden ihm nicht unbedingt viel Zeit geben. In der türkischen Liga kommt es auf ganz andere Dinge an als in der Premier League. Hier ist nicht die Schnelligkeit entscheidend - in der Süper Lig ist das Spiel eher körperbetont. Und da frage ich mich, ob und wie schnell sich Özil in diese Liga integriert", sagt Gökhan Yagmur, Türkei-Experte von Transfermark.de, im Gespräch mit dem SPORTBUZZER. Özil muss sein Spiel anpassen. Der frühere Süper-Lig-Star Gheorghe Hagi schaffte das zwischen 1996 und 2001 bei Galatasaray Istanbul, Ex-Werder-Profi Diego hingegen scheiterte krachend zwischen 2014 und 2016 bei Fener an der türkischen Eliteklasse.

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Nach siebeneinhalb Jahren mit glorreichen Aufs und schmerzhaften Abs beim FC Arsenal beginnt für den 32-jährigen Özil vielleicht das letzte Kapitel als Profi. Ein glanzvolles zum möglichen Abschied? Der Vertrag läuft wohl bis Sommer 2024. Erdem Ufak, Mitinhaber des türkischen Fußball-Portals GazeteFutbol, rechnet mit einigen Problemen. "Dieser Transfer bringt ein großes finanzielles Risiko mit sich. Fener ist heftig verschuldet und kann sich so einen Spieler eigentlich nicht leisten. Zudem muss sich Özil auf einen ganz anderen Fußball einstellen. In der Türkei wird viel gebolzt und getreten. Die Gegner werden versuchen, Özil mit harten Zweikämpfen aus dem Spiel zu nehmen", meint Ufak im Gespräch mit dem SPORTBUZZER. Doch was erwartet Özil konkret? Ein Überblick.

Das Team

Fenerbahçe erlebte im vergangenen Sommer einen der größten Umbrüche der Vereinsgeschichte. Fast 20 neue Spieler verpflichtet der Klub aus Istanbul, darunter namhafte Kicker wie Ex-Bayern-Profi José Sosa, den früheren Freiburger Torjäger Papiss Demba Cissé oder Ex-Premier-League-Spieler Enner Valencia. Fener investiert aber nicht nur in die Offensive. Insgesamt knapp 7,25 Millionen Euro geben die "Sari Kanarya" (Die gelben Wellensittiche) für Defensiv-Akteure aus - 4 Millionen für Marcel Tisserand vom VfL Wolfsburg. "Özil kommt in eine komplett neue Mannschaft, die sich noch immer finden muss", meint Yagmur, der im FUMS-Podcasts "Süper Aktüel" über aktuelle Themen der türkischen Liga spricht.

Besonders in der Breite ist Fener aber gut aufgestellt. "In puncto Kadertiefe ist es das stärkste Team der Liga. Sie sind auf jeder Position doppelt oder sogar dreifach besetzt. Da kann sonst nur Galatasaray mithalten", meint Ufak: "Aber die Top-Teams der Süper Lig tun sich fast immer in den Auswärtsspielen sehr schwer. Da hilft auch der gute Kader oft nicht. Fener benötigt nach den 18 Neuzugängen noch etwas Zeit."

Der Trainer

Bundesliga-Experten dürfte der Name Erol Bulut noch etwas sagen. Insgesamt sieben Spiele absolviert der frühere Verteidiger für Eintracht Frankfurt, in Deutschland spielt der gebürtige Hesse auch noch für 1860 München in der 2. Bundesliga. Deutlich erfolgreicher verläuft die Trainer-Karriere des gebürtigen Bad Schwalbachers. Bereits als Assistent von Abdullah Avci bei Istanbul Basaksehir macht sich Bulut in der Türkei einen Namen. "Er hatte damals als Co-Trainer schon im taktischen Bereich die Zügel in der Hand. Danach hat sich Bulut als Chef-Trainer bewiesen", sagt Yagmur. Erst überzeugte der heute 45-Jährige mit Yeni Malatyaspor, dann mit Alanyaspor. Den Klub von der Mittelmeer-Küste führte der Ex-Bundesliga-Profi sogar überraschend bis ins Pokalfinale. "Bei Alanyaspor hat er unfassbar schönen Fußball spielen lassen. Andere Vereine haben spätestens da gesehen, dass Bulut taktisch auf einem guten Niveau ist", berichtet der Türkei-Experte von Transfermarkt.de.

Fener präsentierte den früheren Profi des Vereins im Sommer als Nachfolger von Interimstrainer Tahir Karapinar - und stellte ihm ein fast komplett neues Team zur Verfügung. "Im Moment wechselt er das System noch sehr häufig. Mal spielt er mit zwei Spitzen, mal nur mit einem Stürmer. Mit Özil soll das System gefestigt werden. Die Spieler müssen sich der Spielweise von Özil wahrscheinlich anpassen. Fener benötigt jetzt mehr Geschwindigkeit über die Außen, damit Özil die Spieler auch gut einsetzen kann. Hinzu kommt noch, dass er nicht so viel mit nach hinten arbeiten wird. Also müssen die Sechser Luiz Gustavo und Ozan Tufan noch defensiver denken", meint Yagmur.

Mit dem Ex-Nationalspieler stehen somit einige Veränderungen an. Auch Ufak sieht Bulut in den nächsten Monaten besonders gefordert. "Wenn er am 30. Spieltag keine Möglichkeit mehr auf die Meisterschaft haben sollte, wird er keine zweite Chance in der nächsten Saison bekommen", sagt der Süper-Lig-Experte von GazeteFutbol. Bulut sei derzeit eher ein Befürworter von Defensiv-Fußball, was bei den Anhängern nicht gut ankomme. "Bei ihm steht das Resultat im Vordergrund. Er geht auch nicht viel auf Ballbesitz, möchte hinten zunächst sicher stehen und setzt stellenweise sogar auf Konter. Damit eckt er bei den Fans an. Aber er hat mit dieser Taktik die letzten sechs Spiele wettbewerbsübergreifend gewonnen", so Ufak.

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Die sportliche Lage

Durch einen 3:1-Sieg am Montagabend gegen MKE Ankaragücü konnten die "Sari Kanarya"mit dem aktuellen Spitzenreiter und Stadtrivalen Besiktas gleichziehen. Die Meisterschaft ist wie in fast jedem Jahr die klare Zielsetzung von Fenerbahçe. "Fener will dieses Jahr richtig angreifen. Sie sind schon seit 2014 kein türkischer Meister mehr gewesen. Ihnen fehlt nur noch ein Titel bis zum vierten Stern. Das hat in der Süper Lig bisher nur Galatasaray geschafft", sagt der Türkei-Experte von transfermarkt.de.

International ist Fener in dieser Saison überhaupt nicht vertreten. Nach Platz sieben in der vergangenen Saison fehlt der türkische Top-Klub komplett auf der europäischen Bühne. In der aktuellen Serie peilen die Verantwortlichen mehr als nur einen internationalen Rang an. Neuzugang Özil soll für den 20. Meistertitel sorgen.