04. August 2020 / 17:59 Uhr

Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack über den FC Bayern, den FC Chelsea und einen Transfer von Kai Havertz

Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack über den FC Bayern, den FC Chelsea und einen Transfer von Kai Havertz

Heiko Ostendorp und Thomas Gassmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack spricht im SPORTBUZZER-Interview über den FC Bayern, den FC Chelsea und einen Transfer von Kai Havertz.
Ex-DFB-Kapitän Michael Ballack spricht im SPORTBUZZER-Interview über den FC Bayern, den FC Chelsea und einen Transfer von Kai Havertz. © Getty Images/imago images/Jan Huebner (Montage)
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Der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack beleuchtet im SPORTBUZZER-Interview das anstehende Duell seiner Ex-Klubs FC Bayern und FC Chelsea. Zudem spricht er über einen möglichen Transfer von Kai Havertz nach London und erklärt, warum Timo Werner perfekt zu den "Blues" passt.

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SPORTBUZZER: Herr Ballack, am Samstag kommt es zum Achtelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen Ihren Ex-Vereinen FC Bayern und FC Chelsea. Ist die Messe nach dem 3:0-Hinspielerfolg der Münchner schon gelesen?

Michael Ballack (43): Die Bayern haben alle Trümpfe in der Hand, auf dem Papier sind sie zu 90 Prozent durch. Ich denke nicht, dass sie sich das jetzt noch nehmen lassen. Sie wirken frisch, ausgeruht, sind physisch auf einem Top-Niveau und strotzen nur so vor Selbstvertrauen.

Können sie die Champions League gewinnen?

Natürlich! Der FC Liverpool ist raus, ManCity hat in den letzten Jahren die hohen Erwartungen nicht erfüllen können. Vor dem FC Barcelona und Real Madrid brauchen sich die Münchner nicht zu verstecken. Wenn die Bayern schnell wieder ihren Rhythmus finden, können sie den Titel holen.

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Bei Chelsea spielen in der kommenden Saison mit Toni Rüdiger und Timo Werner zwei deutsche Nationalspieler, der Transfer von Kai Havertz steht kurz bevor. Wird Chelsea deutsch?

Chelsea schaut nicht auf die Nationalität, sondern auf die Qualität. Aber klar ist: Deutsche Spieler haben neben ihrer Qualität eine Mentalität, die in England geschätzt und bewundert wird.

Sie wechselten im Alter von 29 Jahren nach London, Kai Havertz ist 21 Jahre alt. Käme ein Wechsel zu früh?

Er bringt alles mit, befindet sich aber noch in der Entwicklung. Für so einen Spieler ist es auch wichtig, Champions League zu spielen. Deshalb wäre ein Wechsel für ihn folgerichtig. Aber er wird auch wissen, dass die Konkurrenz und die Erwartungshaltung bei einem großen Klub wie Chelsea größer ist, als in Leverkusen.

Bringt er die Persönlichkeit mit für diesen Schritt?

Er ist kein extrovertierter Spieler, eher ein ruhiger Typ. Ich weiß nicht, wie er in der Kabine ist. Aber dass er bei Bayer bereits die Kapitänsbinde bekam, zeigt, dass die Wertschätzung in Leverkusen für ihn sehr hoch ist. Der nächste Schritt für ihn ist, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das wird ihn auch in der Persönlichkeitsentwicklung weiterbringen. Und er braucht internationale Härte.

Von Huth bis Werner: Deutsche beim FC Chelsea

Die Deutschen beim FC Chelsea: Eine Geschichte mit gemischten Ergebnissen, wie der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt. Zur Galerie
Die Deutschen beim FC Chelsea: Eine Geschichte mit gemischten Ergebnissen, wie der SPORTBUZZER zeigt. ©

Hat Havertz die fußballerischen Qualitäten, um sich durchzusetzen?

Ja, wer so viele Tore vorbereitet, Treffer erzielt und entscheidende Szenen einleitet hat eine außergewöhnliche Qualität. Der Konkurrenzkampf wird härter sein als in Leverkusen, der Druck auch - fühlt er sich bereit dafür, dann sollte er diesen Schritt gehen.

Vom Spielstil sowie seinen Qualitäten wirkt er wie ein Double von Michael Ballack…

Es ist immer schwierig, Spielertypen miteinander zu vergleichen. Kai Havertz ist auf dem Platz eher ein Freigeist. Er spielt unbeschwert, weil er alle Freiheiten hat. Das hatte ich nicht so. Ich war vielleicht ein wenig verbissener, hatte aufgrund meiner Erfahrungen auch eine stärkere Persönlichkeit, die ich mir allerdings in den Jahren hart erarbeiten musste. Aber Kai ist noch jung, er wird auch in diese Rolle noch hineinwachsen können.

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Chelseas Verhandlungsführer ist eine Frau. Mariana Granovskaia ist die Vertraute von Chelseas Geldgeber Roman Abramowitsch und gilt als "Eiserne Lady" des Fußballs. Ist sie so ein knallharter Verhandlungspartner?

(lacht) Warum sollte eine Frau nicht genauso hart verhandeln können wie ein Mann? Sie hat sich im Klub etabliert und leitet die Geschicke. Sie wird total akzeptiert und hat alles im Griff.

Hat Sie der Wechsel von Timo Werner zu Chelsea überrascht?

Nein. Werner ist ein Top-Stürmer. Spieler, die Tore schießen, sind international immer gefragt. Er hat eine unglaubliche Geschwindigkeit, ist geradlinig und hat Wucht. Das Paket Werner und Chelsea passt.

DURCHKLICKEN: So kommentiert die Presse

Daily Telegraph (England): Seit Monaten gab es jede Woche ein neues Gerücht, zu welchem Club er gehen könnte oder wer im Rennen die Nase vorn hat. Trotz dessen ist dieser unbarmherzige 24-Jährige fokussiert geblieben, um zu unterstreichen, dass er einer der gefürchtetsten Angreifer in Europa ist. (…) Bei den Toren pro Minute rangiert Werner derzeit höher als Lionel Messi, Mohamed Salah and Neymar. Zur Galerie
Daily Telegraph (England): "Seit Monaten gab es jede Woche ein neues Gerücht, zu welchem Club er gehen könnte oder wer im Rennen die Nase vorn hat. Trotz dessen ist dieser unbarmherzige 24-Jährige fokussiert geblieben, um zu unterstreichen, dass er einer der gefürchtetsten Angreifer in Europa ist. (…) Bei den Toren pro Minute rangiert Werner derzeit höher als Lionel Messi, Mohamed Salah and Neymar." ©

Was unterscheidet Bayern und Chelsea?

Der Leistungsgedanke ist bei beiden Vereinen auf Top-Niveau. Die Bayern haben allerdings ein einzigartiges Selbstverständnis. Sie wollen immer gewinnen, sie wollen immer Titel holen. Dieser Geist ist über Jahrzehnte gewachsen, weil die Münchner den deutschen Fußball dominiert haben. Dieses "Mia san mia"-Gefühl verinnerlicht jeder Spieler, der zu den Bayern kommt.

Chelsea hat dieses Selbstverständnis nicht?

Die Konkurrenz in der Premier League ist viel größer als in der Bundesliga. Mal dominiert Manchester United, dann Chelsea, schließlich ManCity, nun hat Liverpool triumphiert. Die Liga ist in der Spitze breiter aufgestellt. Dass eine Mannschaft jahrelang die Liga dominiert, hat es nicht gegeben. Für Chelsea heißt das, dass sie ständig um ihren Status kämpfen müssen.

Sie kennen Hansi Flick als Co-Trainer der Nationalmannschaft. Hätten Sie ihm diesen Erfolg zugetraut?

Seine Stärke ist die Kommunikation und der Umgang mit den Spielern. Joachim Löw hat ihn ja damals zum Co-Trainer gemacht, weil er wusste, dass Hansi Flick dank seines guten Umgangs die perfekte Schnittstelle ist zwischen Spieler und Trainer. Dies zahlt sich nun bei Bayern aus. Flick hat sich die Akzeptanz und den Respekt über Jahre erarbeitet. Sportlich verfügt er über Erfahrung und Erfolge. Flick und Bayern - das passt.