27. Oktober 2021 / 12:27 Uhr

Gladbachs letzter Titelkapitän Michael Klinkert: Darum ist das Bayern-Los "eine Chance"

Gladbachs letzter Titelkapitän Michael Klinkert: Darum ist das Bayern-Los "eine Chance"

Tobias Manzke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Klinkert (r.) führte Borussia Mönchengladbach als Kapitän zum bisher letzten Klub-Titel.
Michael Klinkert (r.) führte Borussia Mönchengladbach als Kapitän zum bisher letzten Klub-Titel. © IMAGO/Kicker/Liedel/WEREK (Montage)
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Er ist bis heute der letzte Titelkapitän von Borussia Mönchengladbach: Im Interview spricht Michael Klinkert über den Knaller gegen Bayern, die Entwicklung des Fußballs und sein Leben nach der Karriere.

Als Kapitän gewann Michael Klinkert (53) im Jahr 1995 mit dem DFB-Pokal den bislang letzten Titel von Borussia Mönchengladbach. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland, spricht der heutige Versicherungsangestellte über das Zweirunden-Duell seines Ex-Klubs mit dem FC Bayern München am Mittwochabend und äußert Kritik an der Entwicklung des Fußballs.

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SPORTBUZZER: Herr Klinkert, was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an das 3:0 im Finale gegen Wolfsburg zurückdenken?

Michael Klinkert (53): Für uns Spieler und den Verein war das einmalig. Acht Jungs standen 1992 schon im Endspiel. Damals haben wir gegen Hannover 96 verloren. Dann in seiner Karriere den Cup doch noch in den Händen zu halten, war etwas ganz Besonderes. Der Schlusspfiff ist auch heute noch sehr präsent in meinen Ohren, da ist vieles abgefallen. Richtig geil war der Empfang in Mönchengladbach. Das war unglaublich. Allein deshalb brauchen die Stadt und der Verein schnellstmöglich wieder einen Titel.

Da ist Bayern als Gegner der ungünstigste Kontrahent, oder?

Es ist eher eine Chance. Für Bayern sind Pokalwettbewerbe normaler Alltag. Für die Borussia ist es dieses Jahr etwas Besonderes, weil sie nicht international spielen. Ein Erfolg könnte den Klub wieder in eine andere Spur heben und Euphorie entfachen. Und ob du jetzt gegen die Bayern oder dann im Finale gegen sie spielst, ist egal. Borussia hatte das eine oder andere Mal die Chance, in ein Finale einzuziehen. Oft werden K.o.-Spiele durch Kleinigkeiten entschieden, da kommt es auf Nuancen und die Tagesform an.

„Der Klub wartet auf einen Titel“: Ex-Kapitän Klinkert tippt auf Gladbach-Sieg gegen Bayern

Gladbach ist nicht gut in die Saison gestartet.


Sie haben sich stabilisiert. Adi Hütter macht gute Arbeit, aber mit einem neuen Trainer gibt es immer neue Abläufe, das braucht Zeit. Mit den Fans im Rücken habe ich die Hoffnung, dass sie es in die nächste Runde schaffen können.

Klinkert: Deshalb bin ich froh, aus dem Fußball-Business raus zu sein

Den Glauben aber nicht?

Bayern ist schon extrem stark und über 34 Spieltage auch nicht zu stoppen. Sie werden auch in diesem Jahr Meister. Deshalb geht der einfachste Weg zum Titel über den Pokal. In einem Spiel ist auch gegen Bayern was möglich, das hat Frankfurt in der Liga gezeigt. Ich habe die Hoffnung, dass sie weiterkommen, bis zum Anpfiff kann der Glaube ja noch dazukommen.

Sie haben vor 20 Jahren Ihre Karriere beendet. Was machen Sie aktuell?

Ich habe im Anschluss bei der AOK angefangen und arbeite im Bereich Fußball mit Kindern und Jugendlichen zusammen in Vereinen, Schulen und Veranstaltungen. Das macht mir sehr großen Spaß.

Warum haben Sie sich gegen eine Laufbahn als Trainer oder Manager entschieden?

Ich habe einen Trainerschein, aber ich bin froh, aus dem Business raus zu sein.

Inwiefern?

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Es ist einfach schön, ein ruhigeres, organisiertes Leben zu führen, in dem die Familie wieder mehr im Vordergrund steht. Dieses ewige unterwegs zu sein, das ist nicht mehr meins. Du hast als Trainer englische Wochen, kannst maximal bis zum Saisonende planen, wenn überhaupt. Hast du keinen Verein, weißt du nicht, wann und wo es weitergeht. Als Trainer musst du immer hundert Prozent oder mehr geben, musst dich um extrem viele Dinge kümmern. Du bist ständig in anderen Städten, hängst in irgendwelchen Hotels rum. Das alles habe ich als Spieler lange genug gemacht und wollte das jetzt nicht mehr.

Sind Sie noch als Zuschauer bei der Borussia im Stadion?

Durch Corona hat sich einiges verändert. Lange Zeit konnte man gar nicht hingehen und hat sich an das Zuschauen über den Fernseher gewöhnt. Es macht auch vieles einfacher und entspannter.

"Es geht weniger um Leidenschaft, als viel mehr um Business und noch mehr Kohle"

Wie meinen Sie das?

Wenn ich ins Stadion gehe, dann ist das pure Emotion für mich und die will ich auch erleben. Sind nicht genug Fans da, ist es ein völlig anderes Erlebnis. Dazu kommen noch die ganzen Neuerungen wie der VAR. Nach jedem Tor guckst du doch erstmal, ob nicht doch irgendwas sein könnte. Zu Hause bin ich da entspannter, im Stadion kann ich mich da nicht so zurückhalten. Man hat ja keine Zeitlupe.

Ist das noch Ihr Fußball?

Ich sage es mal so: Der Fußball macht es sich gerade sehr schwer in der Außendarstellung. Es geht weniger um Leidenschaft, als viel mehr um Business und noch mehr Kohle. Das steht schon sehr stark im Vordergrund. Das sieht man ja gerade an der Debatte, die WM alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Das ist alles sehr schade.