18. Januar 2020 / 06:00 Uhr

Michael Preetz über den Klinsmann-Hype, seine Vision für Hertha BSC und Millionen-Investitionen

Michael Preetz über den Klinsmann-Hype, seine Vision für Hertha BSC und Millionen-Investitionen

Sönke Gorgos und Stephan Henke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Preetz ist inzwischen seit 2009 Geschäftsführer Sport & Kommunikation bei Hertha BSC. Von 1996 bis 2003 war er als Spieler für die Berliner aktiv, anschließend Assistent der Geschäftsführung.
Michael Preetz ist inzwischen seit 2009 Geschäftsführer Sport & Kommunikation bei Hertha BSC. Von 1996 bis 2003 war er als Spieler für die Berliner aktiv, anschließend Assistent der Geschäftsführung. © Getty
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Vor dem Start in die Rückrunde ist Hertha BSC eines der großen Gesprächsthemen der Bundesliga. Der Einstieg von Investor Lars Windhorst, der Trainerwechsel zu Jürgen Klinsmann und die strategische Neuausrichtung: der SPORTBUZZER sprach darüber mit Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz.

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SPORTBUZZER: Herr Preetz, man hat aktuell den Eindruck, dass nach dem Einstieg von Investor Lars Windhorst und Trainer Jürgen Klinsmann mehr über die Hertha gesprochen wird als über ihren ersten Gegner, den FC Bayern.

Michael Preetz (52): Das empfinden wir als sehr positiv. Das ist auf dem Weg, sich zu entwickeln, sicherlich sehr hilfreich. Wir freuen uns als Hauptstadtklub über diese Aufmerksamkeit, die wir uns auch gewünscht haben. Aber wir müssen das sportlich untermauern.

Klinsmann ist seit knapp zwei Monaten Hertha-Trainer. Was hat er verändert?

Das Wichtigste ist das Punktekonto. Nach dem Spiel gegen Augsburg haben wir uns in einer kritischen Situation befunden, die auch noch nicht gemeistert ist. Unser wichtigstes Ziel war nicht primär der Wandel, für den Jürgen ja auch steht, sondern erst einmal die Veränderung auf dem Punktekonto.

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Nun ging es auch um seine fehlende Trainerlizenz. Es gab viel Hohn und Spott.

Jeder weiß, dass er über eine Fußballlehrer-Lizenz verfügt. Beim DFB und international gibt es die Vorgabe, regelmäßig eine gewisse Anzahl an Fortbildungen zu absolvieren, für die logischerweise die Trainer selbst verantwortlich sind. Jürgen hat durch seine lange Zeit im Ausland wenige Fortbildungen in Deutschland beziehungsweise Europa gemacht - dafür aber etliche in Übersee. Das Thema wird bis zum Spiel geklärt sein.

Es wirkt, als drehe sich bei Hertha fast alles um Klinsmann. Ist das Ihnen recht?

Der Trainer ist der wichtigste Angestellte im Verein. Wenn er dann noch Jürgen Klinsmann heißt, mit dieser überragenden Persönlichkeit und Strahlkraft, dann wäre es nicht klug, wenn wir das nicht nutzen würden. Es ist explizit so gewollt und das tut Hertha BSC gut.

Zwei Lager bei der Hertha? Preetz: "In den Ausrichtungsfragen gibt es keinen Dissens"

Er äußert sich als Trainer allerdings zu strategischen Dingen. Überschreitet er da seine Kompetenz?

Er redet über das, was künftig in Berlin mit Hertha und der neuen Konstellation mit Tennor als unserem Partner möglich ist. Tennor hat mit Jürgen eine Vereinbarung als Berater geschlossen. Vor diesem Hintergrund formuliert er auch Ambitionen für die nächsten Jahre. Ich möchte aber gerne nochmal eines klarstellen: In diesen Ausrichtungsfragen gibt es keinen Dissens. Hier hat jeder das gleiche Ziel, alle wollen nach Europa. Ganz aktuell haben wir aber 19 Punkte in der Bundesliga.

Dennoch haben Sie sich zuletzt als "Bremser" bezeichnet.

(lacht) Vielleicht doch eher Einordner.

Ein Einordner also. Es gibt keine zwei Lager bei Hertha BSC?

Nein, keinesfalls. Wir freuen uns wahnsinnig, dass es uns gelungen ist, die Tennor-Gruppe für uns zu gewinnen. Es ist nun ein anderes Arbeiten für uns - mit mehr Mitteln und Möglichkeiten. Wir haben einen ausgezeichneten Austausch mit Lars Windhorst. Wir haben einen viel größeren Fokus auf dem Klub. Das tut uns gut, bietet aber eben auch manchmal die Gelegenheit für Geschichten, wo man das Gefühl bekommen kann: 'Was ist denn da jetzt los?' Ich kann beruhigen: Es ist alles in Ordnung.

Der Hinrunden-Vergleich zur Vorsaison: Die größten Gewinner und Verlierer

Der BVB steht nach der Hinrunde mit zwölf Punkten weniger da, als im Winter des Vorjahres und stellt damit die größte Verschlechterung der Erstligisten. Schalke 04 verbesserte sich bei zwölf Zählern mehr, als in der Vorsaison dagegen am deutlichsten. Zur Galerie
Der BVB steht nach der Hinrunde mit zwölf Punkten weniger da, als im Winter des Vorjahres und stellt damit die größte Verschlechterung der Erstligisten. Schalke 04 verbesserte sich bei zwölf Zählern mehr, als in der Vorsaison dagegen am deutlichsten. ©

Eine dieser Geschichten war der Besuch der Mannschaft zu einem Abendessen auf der Luxusyacht des Investors im Rahmen des Trainingslagers.

Wir waren mit Hertha in Orlando, er in Miami. Das ist ein Katzensprung. Es war ihm lange ein Bedürfnis, die Spieler einmal kennenzulernen. Der Zeitpunkt war ideal. Wir haben einen wunderbaren Abend auf seiner Yacht verlebt, die zugegeben spektakulär ist.

Klinsmann-Zukunft offen - Preetz: "Entscheidend wird sein: Leckt er wieder Blut?"

Sie haben gesagt, dass es eine Persönlichkeit wie Klinsmann braucht. Wäre es nicht sinnvoll, ihn über die Saison hinaus zu beschäftigen?

Wir waren vor dem Engagement schon länger mit Jürgen in Kontakt. Er konnte sich mit Hertha BSC vieles vorstellen, aber bis dahin nicht die Position als Cheftrainer. Die entscheidende Frage wird sein: Leckt er wieder Blut, kann er sich vorstellen, das länger zu machen? Das kann ich im Moment noch nicht abschätzen. Ich weiß nur, dass er uns in den ersten Wochen gutgetan hat und bei den Spielern schon viel bewegt hat. Es ist nicht der Zeitpunkt, um jetzt darüber nachzudenken. In den letzten Tagen habe ich den Eindruck gewonnen - nicht zuletzt durch die Berichterstattung - dass wir alle Ziele in dieser Saison schon erreicht hätten. Das ist nicht der Fall. Deswegen tun wir gut daran, den Fokus auf den Sport zu legen.

Werden auf dem Transfermarkt nun höhere Preise verlangt, weil Sie jetzt mehr Geld haben?

Die Aufmerksamkeit ist schon eine andere und wir haben die Möglichkeit, andere Spieler oder Berater anzusprechen als vorher. Unsere Aufgabe ist es, den Aspekt der Wirtschaftlichkeit nicht außer Kraft zu setzen, nur weil wir einen größeren Investitionsspielraum haben.

Wie reagieren Spieler und Berater?

Jeder findet es spannend, was bei Hertha passiert. Es treffen auch ein paar Sachen zeitlich zusammen: Der Einstieg von Tennor, Klinsmann als Cheftrainer, unsere Stadionpläne. Hertha BSC hat aktuell national und international eine viel höhere Aufmerksamkeit.

"Wir haben nicht mehr Möglichkeiten als die sechs oder sieben Vereine an der Spitze"

224 Millionen Euro hat Tennor investiert, wenn man 90 Millionen Euro Schulden abzieht, bleiben noch 134 Millionen Euro. Wo sehen Sie sich damit in der Bundesliga?

Wir haben jetzt andere Möglichkeiten als die Vereine, mit denen wir in den letzten Jahren konkurriert haben, wie Eintracht Frankfurt, Werder Bremen, der 1. FC Köln, auch Stuttgart und Hamburg, wenn sie wieder aufsteigen. Aber nicht mehr Möglichkeiten als die sechs oder sieben Vereine an der Spitze.

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Wo sehen Sie Hertha in zehn Jahren?

Ich würde mir wünschen, dass die Hertha in zehn Jahren in einem der modernsten Stadien Europas spielt und der Hauptstadtklub ist, der die Bundesliga regelmäßig international sehr gut vertritt.

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion?

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Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? ©

Und sich selbst?

Das ist ein wahnsinnig langer Zeitraum im Fußball. Wenn Sie mich 1996 gefragt hätten, ob ich 2020 noch in diesem Verein bin, hätte ich wahrscheinlich gesagt, ihnen ist nicht gut. (lacht) Ich kann nur sagen: Wir haben haufenweise spannende Aufgaben vor der Brust.